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Aufklärung heute

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Was heißt "Aufklärung" heute?

Eine Erörterung

Nach Immanuel Kants Definition ist Aufklärung "der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit". Wenn ein Mensch unfähig, zu bequem oder feige ist, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen und selbst zu denken, ist er "unmündig". Dem wirkt die Aufklärung entgegen, welche den Menschen befähigen soll(te), einschränkende und anerzogene Normen zu hinterfragen. Insofern ist die "Aufklärung" auch in der Gegenwart aktuell.

Sowohl zu Kants als auch zur heutigen Zeit lässt sich die Unmündigkeit an denselben Ausprägungen - der Feigheit und Bequemlichkeit, seinen eigenen Verstand zu gebrauchen - erkennen. Viele Mitglieder der heutigen Gesellschaft akzeptieren nach wie vor Normen und Regeln unüberlegt und selbstverständlich. Ein Mensch, der sich einer Gruppe in Bezug auf Kleidung, Meinung oder Verhaltensweisen anpasst, um aufgenommen bzw. nicht abgelehnt zu werden, tut dies aus Bequemlichkeit, ohne sich seines eigenen Verstandes oder Geschmacks zu bedienen. Er hofft durch diese Angleichung möglichen Konflikten aus dem Weg zu gehen. Derartigen "verirrten" menschlichen Verhaltensweisen liegt heute noch dieselbe Ursache zu Grunde wie zu Kants Zeit: die Verweigerung des Gebrauchs der eigenen Vernunft. Eben diesen Missstand zu beseitigen, ist bis in die heutige Zeit hinein das Ziel der Aufklärer bzw. ihr Verdienst. Hier muss man unterscheiden zwischen den Aufklärern aus der literarischen Epoche der Aufklärung, die mit der Intention handelten, aufzuklären (wie z. B. Lessing), und Aufklärern der Gegenwart wie Wissenschaftlern, Philosophen, aber auch z. B. Journalisten oder Schriftstellern, die beabsichtigt oder unbeabsichtigt aufklären, d.h. die Menschheit zum selbstständigen Denken und zur Verwendung des angeborenen Verstandes anregen.
Der Prozess der Aufklärung der Menschen wird, wie Kants Traktat verdeutlicht, niemals ein Ende haben. Es wird nie eine vollständig aufgeklärte Gesellschaft existieren, da es immer Vormünder geben wird, deren Interesse darin liegt, die ihnen Untergebenen von eigenem Denken fernzuhalten. Auch Phänomene wie die Mode, der gefolgt wird, werden immer Folgsame finden; da es aber auch in Zukunft immer auch Menschen geben wird, deren Werk andere zum Gebrauch des Verstandes auffordert, wird die Aufklärung - als fortschreitender Prozess gesehen - nie beendet sein.
Andererseits kann niemand vollständig aufgeklärt leben, da dies bedeuten würde, dass er ständig alles hinterfragen müsste, selbst die gefundenen Antworten. Für ein erfülltes Leben braucht der Mensch aber einen Rahmen von feststehenden Regeln, Erkenntnissen und Erfahrungen, die ihm Handlungsmöglichkeiten vorgeben und seine Person definieren. Ein Mensch, der keine Grenzen anerkennt und der für sein Leben keine Grundsätze festgelegt hat, muss mit der Zerstörung seines Charakters und seiner Seele rechnen.
Die Intention der Aufklärer ist damals wie heute nicht, vollständig aufzuklären (das widerspräche ihrer Maxime) und somit die Menschheit ins Verderben zu stürzen, sondern den Menschen zu einem vernünftigen, gemäßigten Maß aufgeklärter Lebensweise zu animieren, indem er eigenes Handeln und vorgegebene Muster kritisch reflektiert.

Zu "Aufklärung"

Erstellt von Webmaster. Letzte Änderung: Webmaster, 05.09.2009 16:24 (ID: 107)

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