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Mitte des 19. Jh. in einer kleinen Garnisionsstadt:
Der Infanterist Franz Woyzeck reibt sich auf, um seine Geliebte Marie
und ihr gemeinsames, uneheliches Kind zu ernähren. Seine
Vorgesetzten verhöhnen ihn, der Sold reicht nicht aus, die kleine
Familie zu ernähren. Woyzeck lässt sich von einem Arzt zu
medizinischen Experimenten missbrauchen. Gedemütigt und geschunden
muss er feststellen, dass Marie ihn betrügt...
So oder ähnlich könnte die Meinung eines
zeitgenössischen Rezensenten ausgesehen haben, der geschlossene
Dramen erbaulichen Charakters bevorzugte:
Wie kulturell zerrüttet muss dieses Land sein, dass nun selbst
Stücke wie "Woyzeck" von Georg Büchner auf den Bühnen
der Theater gespielt werden! Die Premiere besagten Dramas zeigte erneut
den Verfall der Werte in unserer Gesellschaft. Büchners Schauspiel
- wenn es denn so genannt werden darf - besteht aus einer wirren
Anordnung von Szenen, deren Ungeordnetheit beim Zuschauer nichts
anderes als totale Verwirrung hervorruft. Das Chaos wird perfekt durch
den unkontrollierten zeitlichen Ablauf; die Szenen, deren Inhalt an
sich schon fragwürdig ist, sind lose aneinandergereiht - oder eher
durcheinandergewürfelt. So bleibt am Ende das Motiv für den
von der Hauptfigur Woyzeck begangenen Mord an seiner Geliebten für
den Zuschauer völlig im Dunkeln. Die Figurenkonstellation selbst
ist ein Skandal: der Protagonist Woyzeck ist ein bettelarmer, psychisch
gestörter Friseur, der noch dazu mit einem unehelichen Kind und
seiner Geliebten Marie, einer Soldatendirne, gestraft ist; ehrenwerte
Bürger wie ein Hauptmann und ein Arzt hingegen werden verlacht und
bloßgestellt. Noch dazu wird dem Publikum zugemutet, die
Halluzinationen und Psychosen der Hauptfigur zu ertragen, welche eine
schier unglaublich dumme und primitive Person ist. Die Sprache, in der
Woyzeck spricht, ist dermaßen simpel, dass sie vom gebildeten
Zuschauer nur schwerlich verstanden werden kann. Büchner hingegen
scheint sich mit dieser Sprechweise angefreundet zu haben, vermutlich
lebt er selbst inzwischen unter dem Pöbel in der Gosse. Vom
Stück selbst bleibt nach dem Theaterbesuch nichts im Kopfe
außer der Einsicht, man hätte sich dieses Geschrei und
Gehüpfe besser nicht angetan, sondern wäre zu seinem eigenen
Wohle besser zuhause in der warmen Stube geblieben. Bleibt zu hoffen,
dass Büchners Werke in Zukunft von unseren Theatern ferngehalten
werden!!!
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