Bitte geben Sie einen Suchbegriff ein, um die Suche zu starten.

Festschrift 1993

Home » Allgemeines » Schulgeschichte » Festschrift 1993

Aus der Festschrift zum Schuljubiläum 1993

Vom Kgl. Bayr. Schullehrerseminar zum Staatlichen Neusprachlichen Gymnasium (1817-1950)

StD i.R. Walter Winkelmann

Die Darstellung dieses Abschnitts der Schulgeschichte ist eine Zusammenfassung des umfangreichen "Beitrags zur Entwicklungsgeschichte der Schulen auf dem Rittersberg in Kaiserslautern" von Oberstudiendirektor Michael Keßelring in der Festschrift zur Einweihung des Neubaues am 14.2.1958.
Alle Zitate sind dieser Darstellung entnommen.

"Das Gelände, auf dem das heutige Staatl. Neusprachliche Gymnasium errichtet ist, hat seit dem Jahre 1818 eine reiche schulgeschichtliche Entwicklung erlebt, so daß es nicht ohne Reiz sein dürfte, den Schicksalen der Schulformen nachzuspüren, die hier für die Bildung der Jugend im Dienste der Gemeinschaft unseres deutschen Volkes eine Heimstätte gefunden hatten. Die jüngste dieser Schulformen - das Staatl. Neusprachliche Gymnasium - hat seit ihrer Begründung am 20.4.1950 eine kurze Geschichte, besitzt jedoch, gemessen an den Ereignissen, die sich auf diesem Raume und in ihren Gebäuden abgespielt haben und kultur- und geistesgeschichtlich mit Kaiserslautern, der gesamten Pfalz und dem weiteren Vaterlande eng verknüpft sind, eine längere ehrwürdige Vergangenheit."
Diese "ehrwürdige Vergangenheit", die fast drei Viertel der Entwicklungsgeschichte der Schule ausmacht, erhielt ihren entscheidenden Anstoß durch die Eingliederung der Pfalz in das Königreich Bayern im Jahre 1816 nach den Beschlüssen des Wiener Kongresses. In diesem Land hatte sich unter König Max Joseph I. und seinem Minister Graf Montgelas "die Gründung eines modernen Staates auf politischem, verwaltungsmäßigem und wirtschaftlichem, aber auch auf dem kirchlichen und kulturellen Gebiet" vollzogen. Die pädagogische Erneuerungsbewegung des Schweizers Pestalozzi war in diesem Zusammenhang von großem Einfluß auf die durchgeführten schulischen Reformen. Zahlreiche Erlasse und Verordnungen regelten das Bildungswesen, u.a. 1809 ein "Regulativ für die Bildung der Schullehrer", das eine zweijährige Ausbildung an Seminaren vorsah.
In Bayern wurden zahlreiche Lehrerseminare gegründet; nach der Eingliederung der Pfalz mußte eine solche Ausbildungsstätte auch für diesen Landesteil eingerichtet werden. In der neuen Provinz wurde Friedrich Butenschoen als Kreisschulrat die Leitung des Schulwesens übertragen. Die Entscheidung für den Sitz eines Lehrerseminars fiel schließlich auf Kaiserslautern (damals 3500 Einwohner):
"Zur Bildung der Schullehrer wird in Kaiserslautern eine Normal-Schule errichtet werden, und vom Jahre 1819 angefangen, soll kein Lehrer, Präzeptor oder Gehilfe angestellt werden, welcher am Anfang nicht wenigstens ein Jahr Unterricht daselbst erhalten hat und fähig befunden worden ist."(Kgl. Verordnung vom 20. August 1817)
"Somit war das Lehrerinstitut des Rheinkreises ins Leben gerufen und konnte nach Überwindung mancher Widerstände am 9. Juli 1818 als einziges simultanes Schullehrerseminar eröffnet werden, das 140 Jahre lang treu seiner Aufgabe zu dienen versuchte und Tausende von Lehrern auf ihr Amt und ihren Dienst im Rahmen der Gemeinschaft ihres Heimatlandes und des deutschen Volkes vorbereitet hat."
Als Gebäude wurde "ein in der Altstadt von Kaiserslautern auf dem Rittersberg liegendes Wohnhaus nebst Hof, Scheuer, Stallungen und den das Haus umgebenden Garten (im ganzen 7000 qm) um die Summe von 14.000 Gulden angekauft."
Für die Wahl Kaiserslauterns hatte die Tatsache den Ausschlag gegeben, daß hier mit dem Subrektor der Lateinschule, Friedrich Wilhelm Balbier, ein geeigneter Mann zur Verfügung stand; er verband Seminar und Progymnasium in Personalunion. Als überzeugter Anhänger Pestalozzis hat Balbier "einen umfangreichen, wohl gegliederten, systematischen Pädagogikunterricht erteilt, als dessen Teilgebiete Seelenlehre, Erziehungslehre, Schulzucht und Unterrichtslehre gepflegt wurden."
1824 wurden erste bauliche Erweiterungen genehmigt; ein Neubau, "massiv aus rotem Sandstein aufgeführt", wurde errichtet.
Welchen hervorragenden Eindruck die Schule insgesamt nach einigen Jahren hinterließ, zeigt eine Äußerung des bedeutenden Pädagogen Diesterweg nach einem Besuch 1829 in den "Rheinischen Blättern":
"Wer ein schönes Seminar mit schönen jungen Leuten sehen will, gehe nach Kaiserslautern im bayerischen Rheinkreise; es ist eine wahrhaft königliche Anstalt. Wenn man die Zöglinge anderer Anstalten kennt, so wird man in Lautern durch äußere Gewandtheit, Liebenswürdigkeit und Rührigkeit, wie durch Frische und Fülle der Gesichter und den Glanz der Augen auf das angenehmste überrascht. Und lernt man sie in den Lehrstunden kennen, so vermißt man auch die geistige Frische nicht und findet im allgemeinen sehr gute, ja vorzügliche Kenntnisse, Bestimmtheit und Gewandtheit im mündlichen Ausdrucke, kurz Beschaffenheiten und Verhältnisse, wie sie nur zu wünschen sind."

Früh setzen Bestrebungen ein, die konfessionelle Trennung zu erreichen, war es doch eine Ausnahme, daß protestantische, katholische und jüdische Schüler an einer Schule ausgebildet wurden. Balbier erlebte die Trennung im Jahre 1838 und die Gründung eines katholischen Lehrerseminars in Speyer nicht mehr. Er war bereits 1832 kurz nach seiner frühen Pensionierung mit 55 Jahren verstorben. Mit ihm hatte die Schule nicht nur ihren ersten Direktor, sondern auch eine der bedeutendsten Persönlichkeiten ihrer Geschichte verloren.
In der Folge wurden ausschließlich Angehörige des geistlichen Standes zu Direktoren ernannt (Nikolaus Zöller, Johann Georg Wagner, Johannes Zorn, Adolf Petersen).
Sie besaßen "kein echtes Verhältnis zu ihrer eigentlichen Aufgabe (...) , nämlich aus der pädagogischen Idee heraus den Geist der Anstalt zu gestalten und auf empfängliche, bildungshungrige Jünglinge begeisternd zu wirken. Sie zeigen sich alle von der politisch-konservativen Einstellung der Reaktionszeit und der streng kirchlich-orthodoxen Richtung ihrer Zeit durchdrungen, so daß kein froh schaffendes, echtes Leben und Streben hinter den Seminarmauern herrschen konnte."
Diese Zeit der Restauration und Reaktion brachte neben organisatorischen Änderungen, so z.B. der Einführung des Präparandenunterrichts vor dem Seminarbesuch, eine deutlich vom Geist der Zeit bestimmte, veränderte Zielsetzung in der Lehrerbildung:
"Gemüts- und Charakterbildung" stehen vor "Verstandesbildung, da diese 'Wissensdünkel, Anmaßung und Ungehorsam erzeuge und die Lehrer der patriotischen Haltung beraube'." (Normativ für die Bildung der Schullehrer 1857).
Im Jahre 1866 allerdings wurden in einem weiteren Normativ die Aufgaben der Volksschule und die der Ausbildung ihrer Lehrer weitaus fortschrittlicher formuliert:
"Die deutsche Volksschule hat die Bestimmung, die ihr anvertraute Jugend in denjenigen Kenntnissen und Fertigkeiten zu unterrichten, welche die notwendige Bedingung zur weiteren Ausbildung für das häusliche und Berufsleben nach den vorgeschrittenen Zeitverhältnissen bilden. Die deutsche Volksschule hat aber noch die weitere Aufgabe, die ihr anvertraute Jugend religiös und sittlich zu erziehen. Die Bildung, welche der Schullehrer erhält, muß denselben befähigen, diese der Volksschule gestellte Doppelaufgabe in befriedigendem Maße zu lösen . Ihr Ziel besteht demnach darin, dem künftigen Lehrer einerseits eine wahre religiös-sittliche Erziehung auf der Grundlage des positiven Christentums zu geben und andererseits ein gründliches Wissen und Können der für die Volksschule vorgeschriebenen Lehrgegenstände, Tüchtigkeit und Gewandtheit innerhalb dieses Gebietes, sowie die erforderliche Geschicklichkeit und Lehrgewandtheit zu verschaffen, um den jugendlichen Geist zu wecken und zur lebendigen und allseitigen Erfassung des gebotenen Unterrichtsstoffes zu führen."
Mit der Reichsgründung Bismarcks trat dieser veränderte Geist - zunehmend getragen von einem fortschrittlich gesinnten Bürgertum - immer stärker in Erscheinung.
Volkserziehung und Schulbildung - die kulturellen Aufgaben lagen weiterhin bei den Ländern - wurden in ihrer Bedeutung für den neuen nationalen Staat erkannt.
"In dieser aufgeschlossenen Zeit bringt die Gunst der Stunde einen ausgezeichneten Mann mit hervorragender Bildung, starker Schaffenskraft und innerer Begeisterung für sein neues Amt im jugendlichen Alter von 28 Jahren an die Spitze des Kaiserslauterer Schullehrerseminars. Es war dies Dr. Carl Andreae, der durch 4 Jahrzehnte hindurch (1869-1909) der Anstalt seinen Geist aufprägte, mit großem Erfolg ihre Geschicke leitete."
Andreae, in seiner pädagogischen Grundhaltung sehr stark von Herbart geprägt, dessen Auffassungen die Erziehungswissenschaft seiner Zeit bestimmten, war ein Mann, "dem die Beschäftigung mit der Wissenschaft der Pädagogik innerstes Bedürfnis seines Geistes und Herzens war und dem die Ausbildung eines tüchtig durchgebildeten, selbständig denkenden, für seinen Beruf begeisterten Lehrerstandes eine lockende Lebensaufgabe bedeutete. In seinen Studienjahren zur Erfüllung des vorgeschriebenen Bildungsweges für die Examina und in freiem Bildungsstreben durch die Berührung mit den führenden Köpfen der damaligen pädagogischen Hauptströmung in Deutschland hatte sich Andreae im Gegensatz zu seinen Vorgängern eine feste pädagogische Überzeugung erworben, die ihn zu einem Diener der pädagogischen Idee nach ihrer theoretischen Durchbildung und in ihrer praktischen Erweisung im Alltag der Schule und des öffentlichen Lebens werden ließ. "
Der Leiter der Schule, der "die pädagogischen Fächer ganz in seine Hand" nahm, versammelte tüchtige Kollegen um sich. Er war aber nicht nur Lehrer, sondern er machte auch durch zahlreiche erziehungswissenschaftliche Veröffentlichungen auf sich aufmerksam; seine politische Tätigkeit gipfelte in seiner Wahl als Abgeordneter der liberalen Partei in den bayerischen Landtag (1895-1907). Als er 1909 nach 40jähriger Tätigkeit an der Schule in den Ruhestand versetzt wurde - 1907 war er für seine Verdienste zum königlichen Studienrat ernannt worden - erhielt er noch einen Ruf als Privatdozent für systematische und historische Pädagogik an die Universität München. Andreae wurde auch zum ersten Geschichtsschreiber der Schule, als er 1872 in der Schrift "Erster Jahresbericht des Kgl.-Bayr. Schullehrerseminars Kaiserslautern" das erste halbe Jahrhundert der Entwicklung dieser Anstalt darstellte.
Da die Schülerzahl am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts sehr stark anstieg - 1879 wurde die zweiklassige Anstalt auf fünf Kurse vergrößert -, nahm man 1887/88 eine bauliche Erweiterung vor (Schülerzahlen: 1872 - 56, 1882 - 215, 1892 - 162, 1902 - 155, 1912 - 288, 1922 - 292, 1932 - 206). Es entstand das große Lehrsaalgebäude an der Ludwigstraße und eine Turnhalle, so daß die Anstalt damals "fünf Gebäude, zwei Höfe und einen großen Garten umfaßte". Hinzu kam 1906 der Erwerb des Schwagerschen Anwesens, wohin die 1914/15 erweiterte Seminarübungsschule verlegt wurde.
Die beiden Nachfolger Andreaes, Johann Georg Vogel und Albert Fritz, aus dem Seminarlehrerstande hervorgegangen und in Franken geboren, mußten in den schwierigen Zeiten des Krieges und der Nachkriegszeit ihre Tätigkeit ausüben. "Mit Sachkenntnis, Verantwortungsbewußtsein und Treue haben sie ihres Amtes gewaltet und waren sich der Verpflichtung gegenüber dem angetretenen Erbe Dr. Andreaes bewußt. Doch konnten sie erst im vorgerückten Alter, dazu in neuartiger Landschaft und anders gewachsenen und gearteten Verhältnissen ihr Amt antreten, in dem sie bald ihre Kräfte verzehrten, so daß jeder dieser Männer nur jeweils sieben Jahre seine Stellung bekleidet hatte."
Im Jahr 1912 wurde die Ausbildung an den Lehrerbildungsanstalten Bayerns auf sechs Jahre ausgedehnt; damit war ein Ziel erreicht, das bereits Andreae angestrebt hatte. In turbulente Zeiten fiel schließlich das 100jährige Jubiläum der Schule, so daß die zweite Chronik der Anstalt, die "Geschichte der Lehrerbildungsanstalt Kaiserslautern von 1818-1918 (Eine Festgabe zu ihrem Jubiläum nach meist ungedruckten Quellen, verfaßt von Seminardirektor A. Fritz)" erst 1919 im Verlag Eugen Crusius erscheinen konnte.
Als am 1. Oktober 1924 Konrad Gleber die Leitung der Schule übernahm, hatten sich in der Weimarer Republik und vor allem auch in der Pfalz die politischen und wirtschaftlichen Ver-hältnisse normalisiert.
"Der neuberufene Oberstudiendirektor, ein Sohn der Pfalz (geboren am 9.6.1883 in Wachenheim), ist aus dem Kreise der Lehrerbildner hervorgegangen, hatte in München Erziehungswissenschaft, Geschichte und Erdkunde studiert, entstammte dem heimatlichen Boden und war mit den Verhältnissen an der Anstalt aufs engste verwachsen. Mit 41 Jahren, auf der Höhe des Lebens stehend, konnte K. Gleber als ein Mann mit großen Lebens- und Schulerfahrungen und als Pädagoge aus Neigung, der auch mit der Theorie der Pädagogik gründlich vertraut war, sein Amt antreten, für das er 25 Jahre lang in zielklarer, pflichtbewußter, nimmermüder Weise sein Wollen und Wirken einsetzen konnte. Mit Ruhe und Besonnenheit hielt er die Zügel des Anstaltlebens und der Verwaltung straff in der Hand, war ein stets korrekter, wohlwollender Vorgesetzter , warmherzig und gerecht im Umgang mit den Schülern, wußte anzuregen, anzuerkennen und Leben zu wecken, so daß für die Lehrerbildungsanstalt und ihre Folgeanstalten eine gesegnete, erfolgreiche Epoche ihrer Entwicklung heraufzog."
In den ersten Jahren seiner Leitung wurden vor allem bauliche Modernisierungen vorgenommen; so entstand ein Physik- und Biologieraum. 1926 wurde in der Eingangshalle ein Ehrenmal für die im ersten Weltkrieg gefallenen Lehrer und Schüler eingeweiht.
Mit der Machtübernahme Hitlers konnte die "Lehrordnung" von 1931, die u.a. die englische Sprache als Hauptfach einführten, keinen Bestand haben, und auch die neue "Lehrordnung" von 1934, die "den Lehrstoff nach den Erziehungs- und Unterrichtszielen des Nationalsozialismus" gestaltet hatte, blieb nur ein Jahr gültig, denn 1935 wurden in Bayern - wie zuvor in Preußen - Hochschulen für Lehrerbildung eingerichtet. Für deren Besuch bildete das Abitur die Voraussetzung. Diese Neuregelung der Lehrerbildung - von der Form her keine "national-sozialistische Errungenschaft", sondern von der Deutschen Reichsverfassung von 1919 ("Die Lehrerbildung ist nach den Grundsätzen, die für die höhere Bildung allgemein gelten, für das Reich einheitlich zu regeln.") bereits vorbereitet und in der Zeit der Weimarer Republik heftig diskutiert - bedeutete das Ende der Lehrerbildungsanstalten. So hörte das Kaiserslauterer Seminar am 6.4.1935 auf zu bestehen; am 13.2.1937 wurden die letzten Schüler entlassen.
"Rückblick: Die Geschichte von 120 Jahren bayrisch-pfälzischer Volksschullehrerbildung hatte damit ihr Ende gefunden. Im Wandel der geschichtlichen Epochen begegnen dabei fruchtbare und unfruchtbare Zeiten. Doch läßt sich nicht leugnen, daß die Organisation und der innere Ausbau der Lehrerbildung im 19. und 20. Jahrhundert ständig vorwärts geschritten sind. Beim Rückblick auf die Geschichte der Lehrerbildungsanstalt Kaiserslautern aber darf an dieser Stelle festgehalten werden, daß in diesem Säkulum drei Zeiten glückhafter Entwicklung sich herausheben. Es sind dies die Amtszeiten unter den drei Direktoren Balbier zur Zeit der Gründung des Schullehrerseminariums, unter Andreae in den vier Dezennien des äußeren und inneren Ausbaues der Seminare zu Lehrerbildungsanstalten und unter Gleber auf dem Höhepunkt der sechsklassigen Lehrerbildungsstätte. Die Namen dieser drei Männer sind mit der Geschichte der Anstalt aufs innigste verbunden."
Wie überall in Bayern wurde auch in Kaiserslautern statt des aufgelösten Lehrerseminars eine "Deutsche Aufbauschule für Knaben und Mädchen" errichtet. Leiter der Schule, die aus zwei Abteilungen bestand (für Jungen am Rittersberg, für Mädchen an der Städt. Höheren Weiblichen Bildungsanstalt), blieb OStD Gleber. Die "Deutsche Aufbauschule" als verkürzte Form (Klassen 3-9) der "Oberschule" - so der neue Name für die Regelform der höheren Schule - führte zum Abitur, das seit 1938 ein Jahr früher erreicht wurde. "Sie wird in ländlicher Umgebung körperlich leistungsfähige, begabte und charakterlich wertvolle Jugendliche aus allen Schichten unseres Volkes zusammenfassen und zur Reife führen."
Für die auswärtigen Schüler wurde wieder ein "Schülerheim" eingerichtet . Die Schülerzahl beider Abteilungen kam im Schuljahr 1938/39 auf 466 männliche und 189 weibliche Besucher.
Um den gestiegenen Lehrerbedarf decken zu können, wurden 1941 die Hochschulen für Lehrerbildung abgebaut und stattdessen wieder Lehrerbildungsanstalten eingerichtet. So auch in Kaiserslautern; dabei wurde die Aufbauschule für Mädchen und die Lehrerinnenbildungsanstalt unter die Leitung von M. Keßelring (dem Verfasser der Chronik in der Festschrift von 1957) gestellt; K. Gleber blieb Direktor der entsprechenden Anstalt für Jungen.
Bevor mit dem Zusammenbruch im Jahre 1945 diese schulischen Verhältnisse ihr Ende fanden, hatten die Bombenangriffe in Kaiserslautern größte Zerstörungen verursacht. Die Bombardierung in der Nacht vom 27./28. September 1944 vernichtete die Schulgebäude auf dem Rittersberg weitgehend; nur der Schlafsaalbau und die Übungsschule blieben erhalten.
Im Herbst 1945 wurde in Kaiserslautern der Schulbetrieb auf Anordnung der Militärregierung des französischen Besatzungsgebietes wieder aufgenommen. Es kam zu einer Neuordnung des Schulwesens, die sich allerdings erst im Jahre 1950 in ihrer endgültigen Form darstellte. In diesem Jahr wurde im Zuge der Schulreform des inzwischen geschaffenen Landes Rheinland-Pfalz aus der früheren Lehrerbildungsanstalt das Neusprachliche Gymnasium am Rittersberg (20.4.1950), womit in Kaiserslautern die drei Formen der höheren Schule vertreten waren. Der Weg dahin war in den Jahren 1945-50 von einigen Änderungen gekennzeichnet.
Hatte man bei der Wiedereröffnung der Schulen im Oktober 1945 zunächst einmal eine Aufbauschule für Jungen und Mädchen eingerichtet, so wurden, nachdem man 1947 den Auslauf dieser Schulform beschlossen hatte, Klassen der räumlich beengten Oberrealschule an den Rittersberg verlegt. Aus dieser Filiale entstand mit dem Erlaß vom 22.8.1949 die selbständige "Oberrealschule II".
Für Kontinuität in dieser turbulenten Zeit sorgte die Tatsache, daß die Leitung der Schule am Rittersberg in der gleichen Hand blieb. Joseph Weishaar - hervorgegangen aus dem Lehrerseminarstande - war 1945 zum Direktor der Aufbauschule ernannt worden und behielt auch die Leitung der Oberrealschule und schließlich des Neusprachlichen Gymnasiums. Als OStD Weishaar 1953 im 60. Lebensjahr starb, hat er nicht nur für eine Konsolidierung des Lehrerkollegiums gesorgt, sondern mit seiner Forderung nach einem Neubau - die Schule mußte sich immer noch mit den dürftigen, unzerstörten Gebäuden des alten Seminars begnügen - einen wichtigen Schritt für die Weiterentwicklung der Schule auf dem Rittersberg getan.
Mit dem "Staatlichen Bezirksseminar für das höhere Lehramt" unter Leitung von OStD Keßelring wurde eine wichtige Institution im Bereich der Lehrerbildung in Kaiserslautern eingerichtet. Dieser verdiente Schulmann beschloß seine Chronik in der Festschrift von 1958 mit folgenden Worten:
"Wenn für die höhere Schule (nach Georg Ried) allgemein gilt, daß sie im Rahmen unseres gesamten vaterländischen Bildungswesens als Hüterin und Vermittlerin europäisch-abendländischer Kulturwerte und Kulturhaltung zu gelten hat, die Pflegestätte einer spezifischen Art von Geistigkeit und forschender wissenschaftlicher Einstellung in Auseinandersetzung mit einem reichen Bildungsgut sein soll und in der Ausbildung für die höheren Berufe zugleich eine staatspolitische Funktion für die sogen. akademischen Berufe, für Wirtschaft, Technik und Verwaltung auszuüben vermag, so erstrebt sie damit zugleich in 9jährigem Heranreifen ihrer Schüler die Heranbildung freier, selbstverantwortlicher Persönlichkeiten im Sinne einer sich klärenden edlen Humanität. Dem Neusprachlichen Gymnasium aber ist es anheim-gestellt, die deutsche Kultur in ihrer Verwurzelung in der römischen Kultur und dem Christentum, in ihrer geschichtlichen Auseinandersetzung mit den westlichen Kulturen der Franzosen und Anglo-amerikaner und schließlich in ihrer Formung durch das mathematisch-naturwissenschaftliche Denken der neueren Zeit dem jungen Menschen zum Verständnis zu bringen. Dabei gilt es, die menschlichen und natürlichen Werte zu erschließen und die gestaltenden Kräfte zu entfalten, welche ihre Schüler dereinst in ihrem persönlichen Leben und bei ihrem beruflich-gesellschaftlichen Einsatz in ihrem Volk und der weiten Welt fruchtbar zur Auswirkung kommen lassen sollen. In pietätvoller Würdigung der reichen bildungsgeschichtlichen Vergangenheit dieser Schule, im Blick auf die frohbewegte Gegenwart der Einweihung dieses neuen Schulgebäudes und im Vorblick auf die Zukunft des Staatlichen Neusprachlichen Gymnasiums wollen wir den Glückwunsch zum Segen und Gedeihen dieser Bildungsstätte für unsere Jugend in einem Worte des Freiherrn vom Stein zum Ausdruck bringen:
' Es ist nicht hinreichend, die Meinungen des jetzigen Geschlechts zu lenken - Viel wichtiger ist es, die Kräfte des folgenden Geschlechts zu entwickeln.'"

Vom Staatlichen Neusprachlichen Gymnasium zum Gymnasium am Rittersberg (1950 - 1969)

StD i.R. Horst Schmidt

Die Geburtsstunde des Neusprachlichen Gymnasiums schlug am 20. April 1950. An diesem Tage wurde aus der "Oberrealschule II", die aus einer Filiale der Oberrealschule am Maxplatz hervorgegangen war, das Neusprachliche Gymnasium Kaiserslautern. Zum ersten Leiter der Schule wurde OStD Joseph Weishaar, der auch schon der Vorgängerschule vorstand, ernannt. Ihm verblieben jedoch nur drei Jahre, um seiner neuen Schule - unter denkbar ungünstigen Bedingungen - Profil zu verleihen. Ein neues Lehrerkollegium mußte zusammengeführt werden, und es galt, in schwerer Zeit unter äußerst dürftigen äußeren Gegebenheiten einen geregelten Unterricht zu organisieren. Es war daher nur folgerichtig, daß OStD Weishaar sehr bald einen Neubau der Schule forderte. Leider war es ihm nicht vergönnt, dieses Ziel zu erreichen. Er hatte bereits die ersten Verhandlungen in dieser Richtung aufgenommen, als ein plötzlicher Tod am 16. Juni 1953 seinem Wirken ein Ende setzte.
Als Nachfolger von OStD Weishaar übernahm am 1. Oktober 1953 Dr. Fritz Edelmann die Leitung des Neusprachlichen Gymnasiums. (...)
Die reiche Erziehungs- und Unterrichtserfahrung, die der neue Schulleiter sich an einer Heimschule (Weierhof) erworben hatte, die Erlebnisse im Krieg und die Bürde einer mehr als vierjährigen russischen Gefangenschaft hatten den Menschen Fritz Edelmann geprägt. Er brachte alle fachlichen und charakterlichen Voraussetzungen mit, um eine Schule erfolgreich zu leiten. Was er von seinen Lehrern und Schülern forderte, lebte er ihnen exemplarisch vor.
Die Worte, die sein Nachfolger, OStD Schank, in einem Nachruf zu seinem Tode fand, um den Menschen und Schulleiter Fritz Edelmann zu charakterisieren, sollen hier noch einmal wiederholt werden:
Oberstudiendirektor Dr. Fritz Edelmann "führte die Schule, für die er immer mit großem Engagement eingetreten ist, mit festen Zügeln und großer Umsichtigkeit. Er legte besonderen Wert auf eine solide und gründliche Ausbildung seiner Schüler, die er mit väterlich-liebevoller Strenge anspornte und förderte. Neben der fachlich fundierten Ausbildung lag ihm die Vermittlung der sozialen Tugenden am Herzen. So wurde er nie müde, seine Schüler zur Einhaltung ihrer Pflichten, zur Rücksichtnahme, Höflichkeit, Pünktlichkeit, Ordnung und Arbeitsamkeit zu erziehen. Dr. Edelmann baute "seine" Schule zu einer anspruchsvollen Bildungsinstitution aus." Er war "ein leidenschaftlicher Schulmann." (Arthur Schank: In memoriam Dr. Fritz Edelmann, Jahresbericht 1985 des Staatl. Gymnasiums am Rittersberg Kaiserslautern, S. 12)
Am 31. Juli 1969 trat OStD Dr. Fritz Edelmann nach 16 Jahren als Schulleiter in den Ruhestand, nachdem ihn eine schwere Krankheit über Monate hinweg im Krankenhaus festgehalten hatte.
Wie oben berichtet, hatte bereits OStD Weishaar die ersten Verhandlungen über den Neubau der Schule begonnen, um aus den katastrophalen und unwürdigen äußeren Verhältnissen herauszukommen. Nach dem plötzlichen Tode Herrn Weishaars setzte sein Nachfolger, OStD Dr. Edelmann, diese Bemühungen intensiv fort. Viele Schwierigkeiten galt es zu überwinden. Es bedurfte des unermüdlichen Einsatzes des Schulleiters, des Lehrerkollegiums, des Elternbeirates und vieler Freunde der Schule, bis endlich im März 1955 die Mittel für das Neubauvorhaben bewilligt wurden.
Im September 1955 konnte mit dem Bau des Schulgebäudes begonnen werden, im Juni 1956 feierte man das Richtfest des ersten Bauabschnittes, und kurz vor Weihnachten waren der Unterrichts- und Verwaltungsflügel vollendet. Nach den Weihnachtsferien zog man aus dem alten in das neue Haus. Die ganze Schulfamilie, Lehrer wie Schüler, packte an.
Sofort nach dem Umzug wurde der zweite Bauabschnitt, der den Bau der Turnhalle mit Aula, des Musiksaals und der Hausmeisterwohnung umfaßte, in Angriff genommen. Zuerst mußten jedoch die alten Gebäude abgerissen werden. Als das alte Schulhaus, das trotz aller Mängel über Jahre hinweg für Lehrer und Schüler zur Heimat geworden war, in Trümmer sank, erfaßte dies viele mit Wehmut.
Ab Mai 1957 wurde wieder gebaut. Während der Sommerferien wurde der Rohbau des Turnhallengebäudes fertiggestellt, und am 23.August 1957 war zum zweiten Mal Richtfest. An der Stelle der alten Seminarübungsschule entstand gleichzeitig die neue Hausmeisterwohnung. Parallel zum Innenausbau etstanden auch die Außenanlagen.
So konnte die Einweihung des neuen Hauses am 14. Februar 1958 festlich begangen werden. Am Morgen dieses Tages nahm die Schulgemeinde mit einem Festakt in der neuen Aula ihr neues Haus in Besitz. Nach Begrüßungs- und Dankesworten des Schulleiters sprachen Kultusminister Dr. Orth und OStD Prof. Michael Keßelring, der in seiner Festansprache 140 Jahre Schulgeschichte auf dem Rittersberg vorüberziehen ließ. Mit dem "Halleluja" aus Händels "Messias", gesungen und gespielt von Schulchor und Schulorchester, klang der Festakt aus. Eine besondere Note erhielt der Festtag am Abend durch die Uraufführung des Problemstückes "Völkermarkt" von Wolfgang Schwarz. Der Autor, damals Studienreferendar an unserer Schule, hatte sein Stück mit Schülern der Oberprima einstudiert. (Da wir damals noch eine reine Jungenschule waren, mußte man für die einzige weibliche Rolle eine Schülerin des heutigen Burggymnasiums, seinerzeit noch HWB geheißen, als Gast verpflichten). Am Samstag, 15. Februar 1958, klangen die Festlichkeiten nach Gottesdiensten in der Luther- und Martinskirche mit einer Feierstunde der Schulgemeinde in der neuen Aula aus. Ein langer Traum war wahr geworden.
Das Staatliche Neusprachliche Gymnasium Kaiserslautern hatte mit dem Bezug des Neubaus im Februar 1958 seine endgültige Bleibe auf dem traditionsreichen Rittersberg gefunden. Diese Tatsache fand darin ihren Ausdruck, daß mit Erlaß des "Ministeriums für Unterricht und Kultus" vom 5. Juli 1960 die Schule umbenannt wurde in "Staatliches Neusprachliches Gymnasium am Rittersberg", Kaiserslautern.
Mit Beginn des Schuljahres 1966/67 erhielt unsere Schule die Genehmigung, in der Oberstufe (ab Klasse 11) neben dem neusprachlichen auch einen mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig einzuführen. Dies hatte zur Folge, daß der Schulname erneut geändert werden mußte. Seit dem 1. April 1966 trug die Schule daher den Namen "Staatliches Gymnasium am Rittersberg" (neusprachlich und mathematisch- naturwissenschaftlich) Kaiserslautern.
In diesem Zusammenhang sind hier zwei wichtige Anordnungen zu nennen: Zum einen, daß es für die Sextaner des Schuljahres 1960/61 keine Aufnahmeprüfung mehr gab. Die Sextaner wurden von nun an dann aufgenommen, wenn sie ein positives Gutachten ihres Volksschullehrers vorlegen konnten. Zum anderen traten mit Beginn des Schuljahres 1965/66 eine Reihe einschneidender Veränderungen des Schulbetriebs in Kraft:
Es gibt nur noch zwei Fremdsprachen (Englisch und Latein oder Englisch und Französisch) Die dritte Fremdsprache ab der Obertertia ist nur noch fakultativ (Französisch oder Latein). Zu Beginn der Oberstufe (11. Klasse) besteht die Wahlmöglichkeit zwischen dem sprachlichen und dem mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig.
Zu Beginn des darzustellenden Zeitraums besuchten die Schule 333 Schüler in 12 Klassen. 18 Lehrer unterrichteten sie. Sie war also eine kleine Anstalt. Aus ihr war am Ende des Berichtszeitraums eine große Schule mit 843 Schülern in 28 Klassen bzw. Kursen geworden, die von 37 Lehrern unterrichtet wurden. In diesem starken Ansteigen der Schülerzahl spiegelt sich einmal der allgemeine Trend im deutschen Bildungswesen, der eine bessere Schulbildung für eine größere Zahl von Kindern erstrebte, wider, aber auch das große Ansehen, das sich das Gymnasium am Rittersberg in den Jahren unter der Leitung von OStD Dr. Edelmann in unserer Stadt und in ihrem Umland erworben hatte.
Viele Veranstaltungen, die aus dem Leben unserer Schule heute nicht mehr wegzudenken sind, wurden in den 50er und 60er Jahren initiiert. Ich möchte drei Aktivitäten beispielhaft anführen:
Die Skischullandheimaufenthalte, die von dem damaligen Sportlehrer, Herrn Bell, ins Leben gerufen worden waren. Schülereltern beteiligten sich sogar am Ausbau der Hütte auf dem Schnepfenried in den Vogesen, indem sie Bausteine kauften, die zur jahrelangen kostenlosen Benutzung der Hütte berechtigten.
Die Schullandheimaufenthalte auf der Nordseeinsel Föhr, wo die einmaligen örtlichen Gegebenheiten zu einem intensiven Fachunterricht (Biologie, Erdkunde, Geschichte, Deutsch) genutzt wurden.
Die Wandertage mit gemeinsamen Zielen für alle Klassen. Ein Sonderzug der Bundesbahn brachte alle Schüler in ein ausgewähltes Gebiet, das jede Klasse je nach Kraft und Können erwanderte. Der Autor dieser Zeilen, der diese Form des Wandertages zusammen mit Herrn Dr. Edelmann ins Leben gerufen und organisiert hat, freut sich sehr, daß in den letzten Jahren diese Tradition wieder aufgelebt ist.

Aus einem Zehntel der Schulgeschichte - Abriß einer Retrospektive auf die Jahre 1969 bis 1987

OStD i.R. Arthur Schank

Wenn die Schule am Rittersberg in Kaiserslautern auf ein 175jähriges Bestehen zurückblicken darf, so zeigen schon die unterschiedlichen Benennungen und damit Zielrichtungen der pädagogischen Institute, die im Laufe der Zeit am Standort des heutigen Gymnasiums am Rittersberg nacheinander folgten, daß sich auch - wenn nicht besonders - im Bereich des Schulwesens das Wort des Philosophen Arthur Schopenhauer aus seinen "Parerga und Paralipomena" bestätigt: "Der Wechsel allein ist das Beständige".
Was alles an einschneidenden Reformen und beiläufigen Änderungen infolge der auferlegten Anpassungen an den sich stets wandelnden Zeitgeist, dominierende politische Strömungen, ideologische Vorgaben, modernistische Intentionen der Didaktik und Methodik hat die Schule im allgemeinen und das Lehrinstitut am Rittersberg im besonderen in 175 Jahren bewältigen müssen, um den immer wieder geänderten Vorschriften und Ansprüchen der weisungsberechtigten Instanzen gerecht zu werden!
Als ehemaliger Leiter des Gymnasiums am Rittersberg von Dezember 1969 bis Juli 1987 entspreche ich gern dem Wunsche meiner Kollegen, einige Gesichtspunkte meiner siebzehneinhalbjährigen Mitwirkung am Schulgeschehen, damit genau an einem Zehntel des Zeitraumes seit dem Bestehen der Schule am Rittersberg, zu umreißen oder stichwortartig anzuführen, um an dieser Zeitspanne, wohl auch beispielhaft für die anderen Zeitabschnitte der Schulhistorie, deutlich zu machen, daß es zum Schicksal einer Schule gehört, mit den steten Änderungen der Struktur und Einzelforderungen zurechtzukommen, aber trotz aller Wandlungen dem verpflichtenden Grundzweck der Bildung und Erziehung junger Menschen im weiten Maße treu zu bleiben.
Eine Rückschau auf die Jahre meiner Tätigkeit beim Gymnasium am Rittersberg läßt mich vor allem die folgenden Aspekte, die teilweise in Verknüpfung zueinander zu sehen sind, erkennen:
- Strukturelle Veränderungen und häufige Neuerungen, verbunden mit einer komplizierter werdenden Unterrichtsorganisation und Zunahme der Verwaltungsarbeit;
- Intensivierung der Schülerbetreuung;
- Ausweitung der freiwilligen Schul- und Schüleraktivitäten;
- Bewältigung der permanenten Raumenge.
"Es beharret im Wechsel ein ruhiger Geist" (Schiller, "Worte des Glaubens")
(...) Nachdem ich meinen Dienst beim Gymnasium am Rittersberg aufgenommen hatte, schien es mir vorteilhaft zu sein, die Jungenschule, die als frühere koedukative Schule 1950 das letzte ihr zugehörige Mädchen mit Abitur entlassen hatte, wieder in eine Koedukationsschule umzuwandeln. Es war nur schwer einzusehen, daß Kinder, die in einer Klasse der Grundschule zusammensaßen, daß Jungen und Mädchen einer Familie beim Besuch einer höheren Schule getrennte Wege nehmen müßten. Es konnte kaum schaden, daß junge Menschen, gründlicher als bei geschlechtsspezifischen Schulen möglich, die Eigenheiten der Vertreter (innen) des anderen Geschlechts kennenlernten, wenn sie sich im Klassenraum und im Schulhof begegneten, daß das Spannungsverhältnis zwischen den Geschlechtern gelöster wurde. Weiterhin sind gemischte Gruppen ein Vorzug für Schulchor, Schulorchester und Schultheater, und eine natürliche Rivalität zwischen den Geschlechtern kann den Unterricht beflügeln.
Nach eindeutiger Zustimmung des Lehrerkollegiums (am 8. Januar 1970) und des Schulelternbeirats (am 27. Januar 1970) genehmigte das Kultusministerium mit Schreiben vom 23. April 1970, daß das Staatliche Gymnasium am Rittersberg (neusprachlich und mathematisch- naturwissenschaftlich) Kaiserslautern mit Beginn des Schuljahres 1970/71, also vom 27. August 1970 an, als Koedukationsschule geführt werden dürfe. Mit gleichem Datum nahm übrigens das Gymnasium an der Burgstraße, zuvor Mädchenschule, zum erstenmal Jungen auf. Der Anteil der Schülerinnen an der gesamten Schülerschaft des Gymnasiums am Rittersberg wuchs sehr schnell und lag in den letzten Jahren meiner Tätigkeit an der Schule bei etwa 37 %. Man darf den Schülerinnen bestätigen, daß sie mit ihren unterrichtlichen Leistungen, ihren zupackenden Hilfen und ihren Initiativen - auch bei der Übernahme der Aufgabe als Schülersprecherin - Erfreuliches zum Schulgeschehen beigetragen haben.
Meine Anfangsjahre am Rittersberg brachten noch die Auseinandersetzungen mit den Nachwehen des Gedankengutes der Studentenrevolte von 1968, die auf die Gymnasien übergegriffen hatten. Kleine fanatisierte Gruppen und von sich und ihrer Mission überzeugte Einzelne probten durch tägliches Verteilen von Flugblättern, durch Wandschmierereien und sonstige Aktivitäten den Aufstand gegen die staatlichen Institutionen und damit auch gegen die "Repression" der Schule. In ihrer unkontrollierten Freiheitstrunkenheit und Anarchiebesessenheit propagierten sie auch die Umkehrung aller Werte und (das Chaos der) Gesetzlosigkeit, wobei dann manch Gutwilliger in den Strudel des Rausches gezogen wurde. Doch letztlich versandete das Aufbegehren durch die Standhaftigkeit der Lehrerkollegien, die zwar Tag für Tag dem Unfrieden konfrontiert waren, ihre Schüler aber zur besseren Einsicht bringen konnten.
Zwei Merkwürdigkeiten, die in lockerem Zusammenhang mit dem Aufbegehren stehen könnten, seien am Rande noch vermerkt. Am 11. September 1970 erreichte das Gymnasium am Rittersberg die erste Bombendrohung durch einen anonymen Anrufer. War man bei diesem Novum auch davon überzeugt, daß es sich um einen üblen Scherz handle, so mußten vorsorglich eben doch Sicherheitsmaßnahmen zum Wohle der Schüler getroffen werden. Planmäßige Vorgehensweise der Schule führten Nachahmer sehr schnell zu der Überzeugung, daß sich ihr Tun wegen der Erfolglosigkeit nicht lohne .
An beiden Tagen des 12. und 13. November 1970 kam es zum ersten Male zum Streik von Oberstufenschülern der Kaiserslauterer Gymnasien. Die streikenden Schüler diskutierten am 12. November auf dem Rathausvorplatz und am 13. November im Innenhof des Hohenstaufen- Gymnasiums über den von ihnen abzulehnenden Beschluß der Kultusministerkonferenz, die Lehrerausbildung künftig für die Sekundarstufe I und die Sekundarstufe II getrennt vornehmen zu wollen, ihnen die Lehrbefähigung also nur für eine dieser Schulstufen zu gewähren. In einer sonderbaren Verkehrung des teilweise scharfen Protestes gegen allerlei unliebsame Gepflogenheiten der Schule traten die Streikenden nunmehr für die Auffassung der Gymnasiallehrer ein, daß ihre Ausbildung nach wie vor für alle gymnasialen Schulstufen zu gelten habe. Doch Schülerstreik konnte andererseits nicht geduldet werden.
So unangenehm die Protestaktionen der "Achtundsechziger" für die staatlichen Organe auch gewesen sein mögen, so trugen sie doch sicherlich dazu bei, daß von 1969 an eine Reformlawine im Bildungswesen losgetreten wurde. In unserem Bundesland liefen Schulversuche an durch die Einrichtung von Ganztagsschulen, Reformierung der Oberstufe (bei uns "Mainzer Studienstufe" genannt), Erprobung der Fünftagewoche für die Schulen, Einführung von Sonderklassen zur Verkürzung der Schulzeit (heute wieder eine aktuelle Frage). Für Schüler der Oberstufe entfielen die Betragens- und Mitarbeitsnoten. 1970 erschien der "Strukturplan für das Bildungswesen", vorgelegt vom Deutschen Bildungsrat, und eine "Bund-Länder-Kommission für Bildungswesen" wurde ins Leben gerufen. Rheinland-Pfalz brachte eine neue "Schulordnung für die öffentlichen Gymnasien des Landes Rheinland-Pfalz " sowie nunmehr verbindliche "Rahmenrichtlinien für Schülermitverantwortung" am 3. August heraus, worin zum erstenmal die Einrichtung eines Schulausschusses (mit Lehrer-, Schüler- und Elternvertretern) vorgeschrieben und Regelungen für die Notenermittlung dargelegt wurden. Man führte am 1. August den Sexualkundeunterricht ein und verordnete am 21. Dezember eine neugefaßte "Ordnung der Reifeprüfung der Gymnasien des Landes Rheinland-Pfalz", worin die Teilnahme von Gästen an der mündlichen Prüfung, die Eröffnung der Noten des schriftlichen Prüfungsteils und die Mitteilung der mündlichen Prüfungsfächer an die Schüler enthalten sind.
Das Jahr 1971 bescherte weitere Neuerungen, die zusätzliche Verwaltungsarbeit forderten, so die Übernahme der Fahrtkosten auswärtiger Schüler bei entsprechender Entfernung der Wohnung von der Schule durch das Land, die gesetzliche Unfallversicherung für Schüler und Studenten, eine Ordnung für Schülerzeitungen, einen Erlaß zur Regelung der Leistungsverweigerung von Schülern, das Bundesausbildungsförderungsgesetz und ein Personalvertretungsgesetz.
Hatten sich Schulleitung und Lehrer mit den neuen Vorschriften vertraut gemacht, um den Rechtsverhältnissen zu genügen, so ließ man sie auch 1972 nicht zur Ruhe kommen, denn sie mußten jetzt Kenntnis nehmen von der neuen "Dienstordnung und Konferenzordnung für die Leiter und Lehrer an staatlichen Gymnasien in Rheinland-Pfalz", sollten Bescheid wissen über die am 7. Juli herausgegebene Vereinbarung der Kultusministerkonferenz über die Neugestaltung der gymnasialen Oberstufe (meist "Kollegstufe", in Rheinland-Pfalz "Mainzer Studienstufe" - MSS - bezeichnet), studierten die neuerschienenen Stundentafeln für die Sekundarstufe I (Klassen 5 bis 10), machten sich wieder einmal an die Lektüre einer Neufassung der Schulordnung und der Rahmenrichtlinien für Schülermitverantwortung (vom 28. August 1972), waren aber auch interessiert an den Festlegungen eines rollierenden Feriensystems, das die Kultusministerkonferenz mit Beschluß vom 4. Juli 1971 vereinbart hatte.
Der Eifer der Bildungspolitiker war nicht zu bremsen. Am 15. Juni 1973 verabschiedeten Bund und Länder einen "Bildungsgesamtplan", von dessen Vorgaben die Einrichtung von Gesamtschulen, die Form einer Orientierungsstufe (Klassen 5 und 6) sowie die Art der Lehrerbildung umstritten blieben. Während dieses Jahres 1973 legte die Kultusministerkonferenz eine Erklärung zur Stellung des Schülers in der Schule vor. Zu Beginn des Schuljahres 1973/74 führte das Gymnasium am Rittersberg nach Zustimmung der Schulgremien und des Kultusministeriums mit 29 weiteren Gymnasien in Rheinland-Pfalz bereits die Mainzer Studienstufe ein, wenngleich die verpflichtende Übernahme der Oberstufenreform erst zwei Jahre später erfolgen mußte. Zu dieser Zeit erschienen auch für die einzelnen Lehrfächer sehr umfangreiche und anspruchsvolle "Entwürfe der Curricula für die Mainzer Studienstufe", denn man orientierte sich in einem Fach von nun an nicht mehr an einem schlichten Lehrplan, sondern an einem Curriculum.
Das Jahr 1974 bot eine Schrift des Deutschen Bildungsrates zur Neuordnung der Sekundarstufe II (Klassen 11 bis 13), eine KMK-Vereinbarung zur Lehrerbildung. 41 weitere Gymnasien des Landes waren bereit, die MSS vorzeitig einzuführen. Im Jahre 1974 mußten die Schulen Lehrer benennen, die bereit waren, als Sicherheitsbeauftragte zu fungieren. Probeweise wurde ein schulfreier Samstag an den Schulen des Landes eingeführt, anfänglich war dies der 2. Samstag eines Monats, wenig später jedoch der erste, wobei die ausgefallenen Stunden weitgehend an Schultagen nachzuholen waren. An dieser Stelle sei schon erwähnt, daß seit 16. August 1979 probeweise ein weiterer Samstag als unterrichtsfrei erklärt wurde.
Mit dem 1. Januar 1975 ergaben sich mit dem Inkrafttreten eines neuen Schulgesetzes in Rheinland-Pfalz vor allem für die Gymnasien recht einschneidende Veränderungen dadurch, daß jetzt nicht mehr das Land, sondern die Städte und Landkreise nicht nur Baukostenträger, wie seit einer Reihe von Jahren, sondern auch Sachkostenträger aller Schulen ihres Bereiches - mit Ausnahme der Aufbaugymnasien - wurden, d.h. alle Kosten zum Unterhalt der Schulen sowie Löhne und Gehälter der ihnen von nun an unterstellten Verwaltungs- und Reinigungskräfte (nicht aber der Lehrer) zu übernehmen hatten. Die Einstellung einer Sekretärin oder eines Hausverwalters z.B. oblag nicht mehr dem Gymnasialschulleiter, sondern der Stadtverwaltung. Mit der vom neuen Schulgesetz betonten Gleichrangigkeit der Schularten war verbunden, daß es für die Grund- und Hauptschulen keine beaufsichtigenden Schulräte mehr vor Ort gab, sondern Regierungsschulräte bei der Bezirksregierung, und die Gymnasien waren jetzt nicht mehr unmittelbar dem Kultusministerium unterstellt, sondern einer neugeschaffenen Mittelinstanz bei der jeweiligen Bezirksregierung.
Manchen Kummer bereitete der Schule die Tatsache, daß seit 1. Januar 1975 die Volljährigkeit allgemein auf den Zeitpunkt der Vollendung des 18. Lebensjahres herabgesetzt wurde. Benachrichtigungen (auch schriftliche Tadel) mußten nunmehr dem volljährigen Schüler, aber nicht den Eltern zugehen. 1975 mußte auch die Landesverordnung über die Wahlen der Elternvertretungen an den Schulen in Anlehnung an das neue rheinland-pfälzische Schulgesetz geändert werden. Einheitliche Forderungen der Reifeprüfung, jetzt Abiturprüfung genannt, gingen den Gymnasien auch zu. Der zweite Samstag eines Monats wird verpflichtend zum unterrichtsfreien Tag. Eine "Ordnung der Abiturprüfung an den Gymnasien mit neugestalteter Oberstufe", die erstmals 1976 anzuwenden war, erschien. Regelungen über eine freiwillige Facharbeit auf der Oberstufe traten in Kraft, und eine "Ordnung über die Schülermitverantwortung" wird gültig.
Wenn wohlmeinende Gemüter besorgt meinten, daß die Schule für eine erfolgversprechende Arbeit der Ruhe bedürfe, so verstanden sie in ihrer Einfalt die Zeichen der Zeit nicht, waren doch Reformeifer und damit Unruhe und Betriebsamkeit angesagt. Die Oberstufenreform bedurfte in der Folge einer Vielzahl an Einzelregelungen, weil das komplizierte Gefüge ihres Kurssystems (statt der herkömmlichen Klassen) bei weitgehender Fächerwahl und Schwerpunktbildung der Schüler in der Schulpraxis immer neue Fragen aufwarf, so daß die anbrandende Papierflut der Normierungen, Typisierungen, Ausnahmeregelungen und Forderungskataloge nicht verebben wollte. Aber auch andere Vorschriften wurden nach wie vor neugefaßt.
So galt vom 1. April 1976 an eine revidierte "Dienstordnung für die Leiter und Lehrer an öffentlichen Schulen in Rheinland-Pfalz", seit 1. Juli dieses Jahres wiederum eine Neufassung der "Ordnung für Lehrerkonferenzen an öffentlichen Schulen in Rheinland-Pfalz", seit 6. Juli eine Änderung der "Landesverordnung über die Wahlen der Elternvertretungen", und am 28. Oktober 1977 trat eine neue "Landesverordnung über die Abschlußprüfung an den Gymnasien und den beruflichen Gymnasien des Landes Rheinland-Pfalz" nach nur zweijähriger Gültigkeit der vorausgehenden Abiturprüfungsordnung in Kraft. Es folgten am 5. Mai 1978 eine geänderte und umfangreichere "Landesverordnung über die Zeugnisse und Versetzungen an den Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien" (gültig ab 1. August 1978), am 11. Mai 1978 eine "Landesverordnung über die Schulordnung für die öffentlichen Hauptschulen, Realschulen, Gymnasien und Kollegs" (gültig ab 1. August 1978) und am 7. Februar 1979 eine "Landesverordnung über die Oberstufe des Gymnasiums" (MSS-Ordnung, gültig mit Beginn des Schuljahres 1979/80, und zwar zuerst für die Jahrgangsstufe 11).
Mit den Veränderungen, wie sie hier aufgezeichnet sind, ging auch manche Begriffsänderung einher, z.B. konnten die Hauptabschnitte der Oberstufe nun nicht mehr als "Klassenstufen" bezeichnet werden, denn Klassen gab es hier nicht mehr, sondern als "Jahrgangsstufen", und seit der zuletzt genannten Zeugnis- und Versetzungsordnung heißt es im Zeugnis eines Schülers nicht mehr "Betragen", sondern "Verhalten".
Die vorgeführte Auswahl an normierenden verbindlichen Vorschriften möge genügen, den Auf- und Umbruch im Schulwesen, insonderheit des Gymnasiums, zu belegen. Es ging letztlich darum, die überkommene autoritäre Schule der Vorkriegszeit zu überwinden und mehr den Leitbildern der Demokratie anzupassen, vor allem durch Stärkung des Schüler- und Elternrechts. Unbegründetes autoritäres Verhalten, obrigkeitslüsternes Verfahren und willkürliches Tun seitens der staatlich Beauftragten im Schulwesen sollten ausgemerzt werden, Schüler und Schülereltern mit der Einräumung größerer Mitwirkungsrechte aber auch zugleich mehr in die Pflicht genommen werden und freudiger (Mit-)Verantwortung tragen. Jedoch auch besondere Zeitumstände mußten ihre Berücksichtigung finden, so z.B. in der Schulordnung vom 11. Mai 1978, die neben 14 Paragraphen über die "Stellung des Schülers in der Schule" eigens Regelungen über die Eingliederung und Förderung von Kindern deutscher Aussiedler und die Förderung von Kindern ausländischer Arbeitnehmer enthält.
Gemessen an meiner eigenen Schülerzeit in den dreißiger Jahren kam vor allem auf die Lehrer des heutigen Gymnasiums ein gerüttelt Maß an außerunterrichtlicher Arbeit und Verpflichtung sowie notwendiges Engagement hinzu. So dauerte es zu Schuljahrbeginn manchmal Wochen, bis die mitbestimmenden Organe der Schule gewählt waren. Das Lehrerkollegium wählte seine Vertreter in den Schulausschuß, den Abiturprüfungsausschuß, den Schulbuchausschuß (zeitweise auch in den Regionalen Schulbuchausschuß), den Personalrat und die Verbindungslehrer zur Schülermitverantwortung, wurde sich einig über die Entsendung von Kolleginnen und Kollegen in den Förderungsausschuß bei Fragen und Entscheidungen über die Unterstützung von Schülern entsprechend der Erziehungsbeihilfe oder den Regelungen des Bundesausbildungsförderungsgesetzes, über Verkehrsobleute, Sicherheitsbeauftragte, Drogenberater sowie Betreuungslehrer unterschiedlicher Schülerunternehmungen, und für jedes Schulfach wurde ein Vorsitzender der Fachkonferenz von den Fachvertretern gewählt. Die Schüler mußten in ihren zuständigen Versammlungen den Klassensprecher, Unter-, Mittel- u. Oberstufensprecher wählen, die Zugehörigen zum Schulausschuß, den Schülersprecher der Schule und besondere Funktionsträger wie Kassenwart und Schriftführer. Den Eltern oblag die Wahl der Klassenelternbeiräte und ihres Sprechers, des Schulelternbeirats, des Schulelternsprechers sowie der Elternvertreter im Schulausschuß und im Schulbuchausschuß.
Sicherlich war das Prozedere aller an der Schule beteiligten Gruppen unter Einrechnung der folgenden erforderlichen Sitzungen zeitaufwendig in Vorbereitung und Durchführung; doch die demokratisch verfaßte Schule wog dies in erfreulicher Weise wieder auf durch eine Reihe gewichtiger Vorzüge, wie die der besseren gegenseitigen Information, gegenseitiger Ratschläge und der Transparenz des Schulgeschehens, der unterstützenden Mitwirkung zum Erreichen der Schulziele und der schnelleren Lösung von Einzelproblemen. Das nähere Kennenlernen zwischen den Zugehörigen der Gruppen förderte das Verständnis füreinander und baute Vorurteile ab. Die gern wahrgenommenen Mitwirkungsrechte der Schüler und Eltern führten mehr und mehr zu einer willkommenen Hilfe und ungezwungen zu dem, was man als Schulgemeinschaft bezeichnen darf.
"Da ist an dieser Statt ein fürsichtiger weiser Rat, der so fürsichtiglich regiert und alle Ding fein ordiniert." (Hans Sachs)
(...) Wenngleich das Lehrerkollegium des Gymnasiums am Rittersberg durch zusätzlich aufgetragene dienstliche Aufgaben zeitweise stark belastet wurde, z.B. durch die Ausbildung von Referendaren, Betreuung von Praktikanten, Abiturprüfungen für Nichtschüler, Entsendung von Lehrern in Fachdidaktische Kommissionen, Aufnahmeprüfungen, durfte die Ausbildung der schulangehörigen Schüler nicht leiden, mußte auch noch Zeit erübrigt werden zum Planen und Durchführen der partnerschaftlichen Begegnungen mit den Lehrern und Schülern ausländischer Schulen (vor allem mit den Partnerschulen in Reims und Nancy), zum Empfang ausländischer Lehrergruppen (am 10.01.1978 Besuch russischer Lehrer, die wie jene anderer Gruppen nach freier Wahl am Unterricht teilnahmen; am 25.05.1978 französische Lehrer aus Burgund; am 20.08.1979 15 russische Lehrer aus dem Raum Tscheljabinsk; am 14.11.1979 neun japanische Lehrer und am 28.03.1980 englische Pädagogen aus Kaiserslauterns englischer Partnerstadt Newham), mußte die zunehmende Fächerwahl und Betreuung der Schüler organisiert werden.
Zu den bisherigen freiwillig zu belegenden dritten Fremdsprachen Französisch, Latein und Russisch gesellte sich bald noch Spanisch. Mit der Eröffnung eines Sprachlaboratoriums beim Gymnasium am Rittersberg (dem ersten in Kaiserslautern am 21.12.1970) bedurfte es ebenso eines Benutzungsplanes durch die Klassen wie nach dem Eintreffen des ersten Schulcomputers (am 10.01.1983), zu dem ein zweiter am 13.02.1984 und sechs weitere am 20.08.1985 kamen, weshalb neben bisherigen Arbeitsgemeinschaften im Fach Informatik für Schüler der Mittel- und Oberstufe mit Beginn des Schuljahres 1984/85 zum erstenmal im Rahmen der MSS ein Grundkurs im neuen Fach "Informatik" angeboten werden konnte.
Wegen des Raummangels an der Schule mußten immer wieder Kompromisse gefunden werden, um einzelnen Schülergruppen Platz zu schaffen für ihre Veranstaltungen im Rechtsunterricht, Berufswahlunterricht (seit Beginn des Schuljahres 1982/83), zur Durchführung von Vorträgen über die Einführung in das Sozialversicherungswesen durch Versicherungsfachleute, für die in die Schulzeit fallenden Beratungen seitens des Arbeitsamtes, die für Schüler der Klassenstufen 10 und 12 geboten wurden. Der seit 07.01.1971 mit zehn Wochenstunden nebenberuflich eingestellte Schulpsychologe, der auch noch für unsere Schule tätig war, als am 24.11.1972 das Land Rheinland-Pfalz für die Schulen Kaiserslauterns einen Schulpsychologischen Dienst einrichtete, brauchte dringend einen Raum, um die ihm mit Einverständnis der Eltern zugewiesenen Schüler testen und beraten zu können. Allgemein- und Zahnmediziner zogen jährlich pünktlich zu einigen Terminen ins Schulhaus ein, um die Schüler bestimmter Jahrgangsstufen medizinisch zu betreuen durch Untersuchung oder Vorsorgeschutz (Pockenschutzwiederimpfung noch 1974, Impfungen gegen Kinderlähmung oder Rötelnschutzimpfung für zehn- bis zwölfjährige Mädchen).
Das Angebot an die Schüler wuchs fast jährlich, und ihre Unterrichtswahlmöglichkeiten nahmen zu. Konnten sie schon einige Zeit ihre dritte Fremdsprache wählen, sich mit Einführung der MSS in einem doch weiten Rahmen ihr geistiges Menü zusammenstellen, so hatten die Neueintretenden mit Beginn des Schuljahres 1982/83 (2.9.1982) mit Genehmigung der Bezirksregierung vom 22.12.1981 die Wahl, beim bisher verpflichtenden Englisch als 1. Fremdsprache bleiben zu wollen oder Französisch zu nehmen.
"Danke, daß die Gunst der Musen Unvergängliches verheißt, Den Gehalt in deinem Busen Und die Form in deinem Geist!" (Goethe, "Gott und die Welt")
(...) Wer sich als Schüler trotz der bisher erwähnten Belegungen freiwilliger Unterrichtsofferten nicht ausgelastet fühlte oder besonderen Neigungen zum Ausgleich nach anstrengendem Lernen nachkommen wollte, hatte in reichem Maße Gelegenheit, entsprechende Aktivitäten aufzunehmen, sich in seinem Können zu erproben und neue Erfahrungen zu sammeln, sei es, daß er sich engagierte im breiten, vielseitigen Aufgabenfeld der Schülermitverantwortung, der Schülerzeitungsredaktion ("Die Waage", seit 1970 "Teleskop" für die Unter- und Mittelstufe, seit Juni 1973 "Forum" und schließlich seit 26. März 1979 "Der rostige Ritter"), im Arbeitskreis zur Vorbereitung und Unterstützung der Schulgottesdienste, in einer Arbeitsgemeinschaft , die den Schulgarten pflegte, daß er das Spielen eines Musikinstruments erlernte, in Chor und Orchester mitwirkte, bei Theaterkreisen der Schule seine Rolle spielte, Angebote aus dem Bereich des Sports, der Bildenden Kunst aufgriff oder an einem der vielen Schülerwettbewerbe teilnahm.
Die körperliche Ertüchtigung wurde nicht nur im regulären Sportunterricht gefördert, sondern auch bei der Teilnahme an den Bundesjugendspielen, Bezirkssportfesten, bei "Jugend trainiert für Olympia", bei Freundschaftswettspielen gegen andere Schulen, den Fußballmeisterschaften der Kaiserslauterer Schulen um den "Dresdner-Bank-Cup" (seit 1974), Behinderten-Sportfesten oder den vielen von Sportlehrern oder seitens der SMV ausgeschriebenen internen Wettkämpfen sportlicher Art. Hin und wieder verlockten auch Spezialitäten wie eine Schulhockeymannschaft (1973/74), Tennismannschaften, Volleyballturniere, eine Arbeitsgemeinschaft für Klettern (seit 1984) oder Kurse zum Erlernen des Kanufahrens (seit 1984).
Wer lieber mit Zeichenstift, Farben, Ton oder Holz umging, fand hinreichend Gelegenheit, sich außerhalb des Unterrichts zum bildenden Künstler zu entwickeln. Einige Arbeitsgemeinschaften im Bereich der Bildenden Kunst brachten durch Anregung und Betreuung ihrer Fachlehrerinnen und Fachlehrer Beachtenswertes hervor. Es wurden große Wandteppiche mit Bildmotiven, von denen einer noch die Vorhalle des Rathauses ziert, gestaltet. Im September 1975 erhielt die innere Nordwand der Pausenhalle dadurch ein ansehnliches und sehr ausdrucksstarkes Gesicht, daß Schüler unterschiedlicher Klassenstufen in wochenlanger Arbeit alle an ihrer Schule gelehrten Fächer symbolisch darstellten. Seit 28. Juli 1976 schmückt ein großes Tafelgemälde eine Wand der Eingangshalle des Schulgebäudes mit dem Titel "Ritterturnier", das Schüler einer 11. Jahrgangsstufe mit nachhaltigem Eindruck schufen . Eine von einer Schülergruppe gestaltete Holzplastik, die auf einem Sandsteinsockel auf dem Platz vor dem südlichen Eingangstor zur Schule stand, wurde am 12. Juli 1983 in Anwesenheit von Mitgliedern des Stadtrats und des Sanierungsbeirats feierlich eingeweiht.
Zeichnerische Arbeiten von neun Schülern des Gymnasiums am Rittersberg wurden am 5. Dezember 1983 in die norwegische Stiftung "Kinder: Geschichte, Kunst und Kultur" aufgenommen, anschließend auf Wanderausstellungen in Oslo, den USA, Australien und bei der UNO gezeigt, ehe sie auf Dauer dem Kinderkunsthistorischen Museum Oslo zugeführt wurden. Die Klasse 6a nahm im Februar 1985 am Deutsch- Japanischen Kunstwettbewerb unter dem Titel "200 Jahre Grimm", ausgeschrieben vom Deutschen Goethe-Institut, erfolgreich teil. Am 16. Oktober 1985 kamen elf Schülerzeichnungen unserer Schule auf den Weg zur japanischen Partnerstadt Kaiserslauterns Bunkyo-Ku. Manche Teilnahme an bildnerischen Wettbewerben brachte neben der hohen Ehre auch finanzielle Vorteile für einzelne Schüler und/oder für die Schule. So konnten sechs Schüler der Unter- und Mittelstufe, die im Oktober 1973 an einer Ausschreibung für die Ausgestaltung der neuen Fischerrückschule mit ihren eingereichten Gipsmodellen, die sie im Werkunterricht unter Anleitung eines Fachlehrers angefertigt hatten, reüssieren und ansehnliche Geldpreise entgegennehmen.
Wie die Bildende Kunst wirkte auch das Fach Musik nicht nur im engeren Bereich der Schulgemeinde mit großen Konzerten breiter Besetzung, Kammermusikabenden, Werkstatt- und Popkonzerten der SMV, Darbietungen anläßlich der Verabschiedung der Abiturienten oder während der Weihnachtsferien, sondern auch im Dienst einer breiten Öffentlichkeit. Unterstufen- oder Studiochor sangen öfters mit Inbrunst während Weihnachtsfeiern, die von der Stadt für ältere Bürger in der "Neuen Eintracht" veranstaltet wurden (so am 14.12.1979 oder am 08.12.1982). Einige Male traten Chöre und Musikgruppen in der Vorweihnachtszeit auf Podien vor der Stiftskirche oder vor dem Kaufhaus "Hertie" und intonierten ihre Lieder und Musikstücke trotz der Kälte mit bemerkenswerter Begeisterung. Spezielle Wettbewerbe brauchten die Musikanten vom Rittersberg nie zu scheuen. Während der jährlichen Konkurrenz bei "Jugend musiziert" waren sie ebenso erfolgreich wie bei "Musiktagen der Kaiserslauterer Schulen". Am 20. Dezember 1980 konnte der Studiochor des Gymnasiums am Rittersberg selbst nüchternen Industriellen während deren Tagung im "Dorint Hotel" die Herzen erwärmen.
Die Jahresberichte der Schule künden davon, daß viele Schüler bei entsprechenden Impulsen ihrer Lehrer gern bereit sind, sich in ihrer Freizeit zusätzlichen Forderungen zu stellen. Und Wettbewerbe, darunter recht anspruchsvolle und ernstzunehmende, gibt es zahlreich. Es ist ermutigend, wenn sie sich lieber einer Sonderaufgabe in ihrer Freizeit stellen, als schalem Zeitvertreib zu verfallen. Mit Eifer saßen manche über ihrer Freizeitlektüre, um einen spannenden Abschnitt auszuwählen, den sie beim "Vorlesewettbewerb des Börsenvereins des deutschen Buchhandels", ausgeschrieben für die 6. Klassenstufe, vor Publikum wohlgefällig vortragen wollten. Einige wurden nicht müde, immer wieder ihre Versuchsanordnungen zu revidieren, um zu einem stichhaltigen Ergebnis bei "Schüler experimentieren" oder "Jugend forscht" (seit 1971) zu kommen. Andere brüteten über den Problemen, die ihnen vorgegeben wurden in den Wettbewerben "Alte Sprachen", "Straßburg-Preis" (in französischer Sprache), den Bundeswettbewerben des Faches Geschichte (unter der Schirmherrschaft des jeweiligen Bundespräsidenten), bei denen beispielsweise 1975 Schüler der Jahrgangsstufe 11 einen Bundespreis in Höhe von DM 3.000,-- erwarben. Leicht hatten es jene sicherlich nicht, die sich unter die Mitbewerber des "Bundeswettbewerbs Mathematik" oder der "Chemie-Olympiade" einreihten. Mit großem Engagement mühten sich weitere um gute Ergebnisse beim jährlichen "Europawettbewerb", bei der Ausschreibung "Die Deutschen und ihre östlichen Nachbarn" (ab 1972), bei den überörtlichen Schulschachmeisterschaften, dem Erzählwettbewerb "Schreib' weiter...". Immer nahmen auch körperlich gewandte Schüler beim "Fahrrad-Wettbewerb" des ADAC teil, und 1971 fanden sich auch Jungen, die es beim "Strickwettbewerb" den Mädchen zeigen wollten, daß sie gelungene Muster zu schaffen imstande waren, ohne Maschen fallen zu lassen. Beim Börsenspiel der Banken und Sparkassen konnten Schülergruppen der Oberstufe öfters ausgezeichnet werden.
Den Lehrern war es nie zuviel, Mittel und Wege zu finden, um den Unterrichtsstoff zu vertiefen und in der Praxis und Wirklichkeit zu veranschaulichen. Hierzu dienten stundenweise Unterrichtsgänge, um Waldschäden in Augenschein zu nehmen, die Funktion der Kläranlage, des Wasserwerks, des Elektrizitätswerks vor Ort zu erleben, das Wirken der Industriebetriebe zu erkunden, Gerichtsverhandlungen und Justizvollzugsanstalten zu besuchen, das hektische Treiben an der Frankfurter Börse, im Bundestag oder Bundesrat zu erfahren. Öfters konnten nachmittägliche Kino- und abendliche Theatervorstellungen (diese auch auswärts in Ludwigshafen, Mannheim oder Karlsruhe) den im Unterricht behandelten Stoff ergänzen. Begrüßt wurden auch Fachvorträge von Kollegen, eingeladenen Hochschulprofessoren oder Fachleuten der Elternschaft.
Zum praktischen und hilfreichen Wirken trugen die Schüler in vielen Fällen bei. Die SMV führte öfters Sammlungen für karitative Zwecke durch, wozu übrigens auch der Erlös von Schulfesten diente. Am 6. Oktober 1973 nahmen Schüler der Klassenstufe 9 von 8.00 bis 17.00 Uhr an einer Papier- und Spinnstoffsammlung des Arbeitersamariterbundes teil. Stammkurse der Oberstufe führten im Auftrage von Behörden zweimal Verkehrszählungen durch. Ältere Schüler organisierten für jüngere Nikolaus-Nachmittage. Die SMV richtete im Pausenhof Basare ein.
Ein ganz besonderer Festtag der Schule wurde von 1976 an der jährliche Tag der offenen Tür, für den sich Schüler und Lehrer phantasiereich engagierten und den die Eltern entgegenkommend unterstützten, die Mütter besonders mit ihren Backkünsten. Das breitgefächerte Programm eines solchen Tages setzte einen durch die Vielfalt immer wieder in Erstaunen. Dichtgedrängt zogen die Besucher, darunter auch viele ehemalige Schüler, durch die Flure des Schulhauses und schafften es bei bestem Willen nicht, alle auf dem vierseitigen Programmhinweis angekreuzten Veranstaltungen zu absolvieren. Hier zwängte sich eine Schülermutter mit Mühe noch in einen Klassenraum, um den Sohn in einer Musterstunde des Faches Französisch zu erleben, indessen ihr Ehemann über den Schulhof flitzte, um rechtzeitig in der Turnhalle dabeizusein, wenn das Handballspiel der Schüler gegen die Lehrer beginnt, dort ließ sich wieder einmal einer erschöpft in der Cafeteria nieder, ein weiterer zog es vor, im Biologieraum beim Mikroskop zu verweilen, eine Oma war ganz glücklich, als sie im Musikraum die wohltönende Stimme des Enkelchens aus dem Chor heraus vernehmen konnte, bei den Geräten und Experimenten im Physikraum, die das Interesse auf sich zogen, gab's auf Fragen stets erschöpfende Auskunft seitens betreuender Oberstufenschüler, andere umlagerten die Computer und konnten nur staunen über die Fähigkeiten dieser Rechenmaschinen, Dauergäste machten es sich im einladend gestalteten Bistro gemütlich, und drüben riß ein Schüler-Zauberkünstler durch seine trickreichen Darbietungen die Zuschauer mit, und so manches Quiz oder Geschicklichkeitsspielchen mit ausgesetzten Preisen lockte schlangenstehende Teilnehmer an, die an der Geschichte Interessierten nahmen sich in einem Klassenraum die Zeit, näher Einblick zu gewinnen in eine Epoche, da sah man faszinierte Eltern, die das Schauspiel einer Mittelstufenklasse in Englisch der mitwirkenden Tochter wegen zum dritten Male besuchten, im angrenzenden Klassenraum staunten Eltern, daß ihre volljährigen Söhne so unbefangen und ausdrucksstark ihre Balladen auswendig vortrugen, in den Zeichensälen mußte man lange verharren, um all die Kunstwerke, die aus dem Unterricht der Bildenden Kunst hervorgegangen sind, zu inspizieren, aber der große Basar in der Pausenhalle war halt immer noch von Schnäppchenjägern umlagert. Es war allemal bewundernswert, was an einem solchen Festtag der Schulgemeinde auf breiter, farbiger Palette geboten wurde.
Zur fachlichen Vertiefung ihrer Kenntnisse trugen sicherlich auch die Bemühungen bei, wenn die Schüler zur Gestaltung einer Ausstellung im Schulhaus mitwirkten: Als Beispiele seien einige genannt: die einer 10. Klasse 1979 mit dem Titel "Deutschland 1945 bis 1961", 1982 im Treppenhaus über "Peru", 1983 eine Ausstellung der SMV über das Thema "Tierschutz", im gleichen Jahr "Bücherverbrennung und die Literatur im Exil zur NS-Zeit" eines Geschichtskurses der 12. Jahrgangsstufe, 1984 eine Darbietung über "Umsiedlung, Flucht und Vertreibung (1939 bis 1947) in Ostmitteleuropa", die ein Grundkurs der 13. Jahrgangsstufe präsentierte. Über das Entstehen des Hauptgebäudes der Schule im Jahre 1958 informierte eine Photoausstellung in der Eingangshalle anläßlich des 25jährigen Jubiläums im Jahre 1983, über "Das Waldsterben" belehrte 1985 eine Dokumentation (13. Jahrgangsstufe), eine weitere 1987 über "Gefährdung der Feuchtbiotope im Aschbach- und Moosalbtal".
Über die Aktivitäten im Bereich des Schultheaters berichtet die folgende Aufstellung:
19.12.1969 "Carmosin", ein Märchenspiel in französischer Sprache.
12., 15. und 16.11.1974 Max Frisch "Biedermann und die Brandstifter".
18.03.1976 "The Trysting Place" in englischer Sprache.
02.04. bis 05.04.1979: O'Neill "Tran", Ionescu "Die Unterrichtsstunde".
02.02. bis 13.02.1981 Albee "Die Zoogeschichte", Allen "Tod" und "Gott", Ionescu "Die Unterrichtsstunde".
14., 15., 16.07. und 11., 12.12.1982 Musset "On ne badine pas avec l'amour" in französischer Sprache (aufgeführt in der "Alten Eintracht"). Das Bühnenstück wird auch auswärts aufgeführt:16.12.1982 in Oppenheim und Mainz, 17.12.1982 in Reims, 20.12.1982 in Weierhof, 17.03.1983 in St. Quentin und am 18.03.1983 in Nancy.
06.06. und 12.06.1986 Goethe "Faust I".
23.09., 24.09., 26.09. und 10.10.1986 Büchner "Dantons Tod".
12.12., 13.12., 14.12.1986 Moliére "le bourgeois gentilhomme" in französischer Sprache (Aula der Schule). Weitere Aufführungen des Schauspiels am 15.12.1986 in Weierhof und Ludwigshafen, 16.12.1986 in Nancy, 17.12.1986 in Reims, 18.12.1986 in St. Quentin, 09.12.1986 in Cambrai, 20.12.1986 in Douzy, 21.12.1986 in Waldleiningen, 22.12.1986 in der Holtzendorff-Kaserne vor französischen Soldaten und am 16.06.1987 im Pfalztheater Kaiserslautern (je eine Nachmittags- und Abendvorstellung)
23.02. und 27.02.1987 Pantomimische Darstellungen von drei Schülerinnen der 12. Jahrgangsstufe im Treppenhaus der Schule.

Ein großes Schulfest besonderer Art erlebte das Gymnasium am Rittersberg am 11. Juni 1983 in der "Alten Eintracht", als man in herzlicher Weise der Vollendung des 60. Lebensjahres (9. Juni) des von der Feier überraschten Schulleiters in Anwesenheit eines geladenen prominenten Publikums gedachte. Gedichtvorträge von Schülern in allen an der Schule gelehrten Sprachen und Musikdarbietungen geleiteten durch die Veranstaltung. Außergewöhnlich war der Bühnenauftritt von ehemaligen Schülern des Jubilars (darunter der damalige Kultusminister Dr. Georg Gölter), die vor 25 Jahren Schillers "Die Räuber" aufgeführt hatten und nunmehr eine Reprise zweier Szenen des damals vom Geburtstagskind einstudierten Dramas als 45jährige gestandene Männer kostümiert und leidenschaftlich agierend zu Ehren ihres Klassenleiters auf die Bühne brachten. Neben diesem unvergeßlichen Erlebnis war auch von großem Reiz die schauspielerische Darbietung der Szenen 1 bis 4 des 1. Aktes von Alfred de Mussets "A quoi rêvent les jeunes filles" in französischer Sprache, hervorragend dargereicht von Schülerinnen und Schülern des Leistungskurses Französisch der 12. Jahrgangsstufe des Gymnasiums am Rittersberg.
Die Schule lud jedoch auch Gäste der Muse ein, um den Schülern Anregungen zu geben. Hier Beispiele der Jahre 1980 bis 1987:
27.03.1980 Das Pfalztheater gastierte in der Aula und bringt für die Schüler der Klassen 9 bis 13 Bert Brechts "Furcht und Elend des 3. Reiches".
19.12.1983 Während einer Weihnachtsveranstaltung der Orientierungsstufe singen als Solisten Herr Alejandro Ramirez und seine Gattin Frau Gerda Hagner-Ramirez.
14.03.1984 Die Hohenloher Puppenbühne führt für Schüler der Klassenstufen 5 bis 9 das Puppenspiel "Dr. Faustus" auf.
29.11.1985 Eine englische Schauspielgruppe, die "Covenant Players", präsentiert Sketche in englischer Sprache für die Schüler der Klassen 9 bis 13.
16.05.1987 49 französische Schülerinnen und Schüler der Partnerschule C.E.S Université Reims gastieren für unser Schulpublikum im Marhoffer'schen Saal mit einem Konzert.
25.06.1987 In der Aula führt eine Folkloregruppe des "Instituto de Bachillerato de Maspalomas" aus Gran Canaria in Originaltrachten Heimattänze auf.
Von einer weiteren Möglichkeit, den Erfahrungshorizont zu weiten und in der Schule Erlerntes zu vertiefen, wurde reichlich Gebrauch gemacht: den mehrtägigen Schulfahrten. Es ist bewundernswert, mit welcher initiativen Bereitwilligkeit sich die Kollegen zur Verfügung stellten, um die zeitraubenden Vorbereitungen zu übernehmen, für eine ersprießliche, sinnvolle, aber auch von Verantwortung getragene Durchführung der Unternehmungen zu sorgen. Nur derjenige, der selbst tagelang abenteuerlustige und übermütige Jugendliche in auswärtigen Gebieten - zumal im Ausland - geführt hat, weiß, daß man als Verantwortlicher jeden Tag 24 Stunden im Dienst ist und jederzeit mit unvorhergesehenen Problemen, die es zu meistern gilt, konfrontiert wird. Wenn die vielen an die Schulleitung herangetragenen Vorhaben zu Beginn eines Schuljahres zu koordinieren waren, glaubte man sich in die Leitung eines Reisebüros versetzt.
Hatten erst einmal einzelne Klassen Beispiele für mehrtägige Ausflüge gegeben, so pochten die Schüler der nachrückenden Klassen auf eine Art Besitzstandswahrung und sie verlangten ihrerseits eine entsprechende Unternehmung. Wurden erst einmal Schulpartnerschaften mit ausländischen Schulen begründet, so bedurften sie zu ihrem Überleben auch der regelmäßigen Begegnung der Partner. So wuchs mit der Zeit die Zahl der größeren Klassenunternehmungen während der Gymnasiallaufbahn des einzelnen Schülers an. Nacheinander schwärmten die Klassen- und Jahrgangsstufen im Verlaufe eines Schuljahres aus, die Schüler der Unter- und Mittelstufe zu Klassenfahrten, die der Oberstufe zu den mit dem angemessenen Begriff ummäntelten "Studienfahrten".
Mit dem Zustandekommen der Partnerschaft mit dem C.E.S (Collège d'Enseigne-ment Secondaire) Université in Reims 1975 besuchten jährlich die Schüler der Klassenstufe 8, die Französisch als zweite Fremdsprache hatten, für durchschnittlich zehn Tage ihre Partnerstadt, wo sie bei Gastgeberfamilien untergebracht waren und teilweise am Unterricht der dortigen Schule teilnahmen. Ein entsprechender Gegenbesuch der französischen Schüler ist selbstverständlich. Den Schülern der Klassenstufe 8, die Latein als 2. Fremdsprache gewählt hatten, wurde dadurch ein Äquivalent geboten, daß sie einen etwa sechstägigen Schullandheimaufenthalt in einer Jugendherberge - öfters auf Schloß Ortenberg - durchführen durften.
Als mit Beginn des Schuljahres 1982/83 neben Englisch als 1. Fremdsprache auch Französisch zur Wahl stand, fand sich eine weitere Partnerschule mit dem "Lycée et Collège Georges de La Tour" in Nancy und wenig später mit dem in der gleichen Stadt ansässigen "Collège Louis Armand", so daß für unsere Schüler der 6. Klassenstufe mit Französisch als 1. Fremdsprache ein drei- bis viertägiges jährliches Austauschprogramm aufgenommen wurde.
Früher waren es Schüler der 9. Klassenstufe, seit Jahren jedoch die der 10. Klassenstufe, die - von Sportlehrern begleitet - zu einem acht- bis zehntägigen Skischullandheimaufenthalt aufbrechen, und zwar bis 1979 nach Schnepfenried (Vogesen) und von 1980 an nach Ramsau am Fuße des Dachsteingebirges in Österreich.
Zum festen Programm der 12. Jahrgangsstufe gehörte für Schüler, die Englischkurse belegt hatten, eine Studienfahrt nach Newham, einer Vorstadt von London und Partnerstadt Kaiserslauterns, für jene mit Französischkursen der Besuch der französischen Metropole Paris.
Den Schülern der 13. Jahrgangsstufe blieb eine Informationsfahrt nach Berlin vorbehalten.
Neben diesem festen Programm für die aufgeführten Klassenstufen gab es auch eine Reihe von Ausnahmereisen über mehrere Tage hinweg, so z.B. September 1981 nach Rom, für die Schüler mit Russischkursen der MSS eine achttägige Fahrt nach Moskau im Oktober 1986, und jeweils im Oktober 1984 und 1985 teilten sich die Schüler der 13. Jahrgangsstufe in der Weise auf, daß ein Teil Berlin besuchte, der andere Teil die DDR, wobei vor allem die Städte Dresden, Leipzig, Weimar und Erfurt inspiziert wurden.
Die vorausgehenden Erwähnungen machen deutlich, daß während eines Schuljahres ein stets erfrischendes, munteres Geschehen anzutreffen war , das mit den vielen Einzelaktionen zwar ein erhebliches Mehr an zeitlichem Aufwand und Verantwortungsbereitschaft des Lehrerkollegiums forderte, das aber wiederum kompensiert wurde durch Abbau von Verdrossenheit der Schüler, ihre engere Bindung an die Schule und in zahlreichen Fällen wohl auch den gestärkten Willen, sich den notwendigen Leistungsforderungen der Schule lieber zu stellen. Stets standen die außerunterrichtlichen Unternehmungen unter der Absicht, die Schüler an (Er-)Kenntnissen und Erfahrungen zu bereichern und sie zu weltoffenen, urteilsfähigen und verläßlichen Staatsbürgern zu erziehen. Es erfreute einen, wenn eine größere Schülergruppe von einer Auslandsreise begeistert zurückkehrte und in einer abendlichen Elternversammlung eine Nachbereitung der gewonnenen Eindrücke in Wort und Bild wiedergab.
Eine willkommene Schrift zum Nachschlagen und zum Verfolgen der Schulgeschichte ist der seit 1978 wieder erschienene Jahresbericht, dessen Erscheinen von 1968 an für zehn Jahre eingestellt worden ist, weil der geringe Absatz die Herstellungskosten nicht abdecken konnte. Es ist begrüßenswert, daß ein solches Heftchen bei den Schülern wieder Anklang findet. Sie werden es mit zunehmendem Alter mehr und mehr zu schätzen wissen.
Zu Dank ist die Schule der segensreichen Einrichtung der "Vereinigung der Freunde des Gymnasiums am Rittersberg", einem eingetragenen Verein, verpflichtet. Diese von einer umsichtigen und sehr rührigen Vorstandschaft geleitete Vereinigung hat die Schule in vielerlei Belangen unterstützt, z.B. bei der Anschaffung von Geräten und Büchern oder durch finanzielle Zuwendungen bei Klassenfahrten. Seit 1984 lädt sie die Abiturienten nach der schriftlichen Prüfung zu einem Grillfest (Grillplatz Hohenecken oder Clubhaus der Paddlergilde am Gelterswoog) ein und versorgt sie aufs beste. Beim Tag der offenen Tür oder bei der Verabschiedung der Abiturienten stand sie auch immer mit Rat und Tat der Schule zur Seite. Die anwachsende Zahl der Mitglieder bot ihr schrittweise die Möglichkeit, ihre Hilfsmaßnahmen für die Schule entsprechend auszuweiten. Unvergeßlich bleibt auch mancher gelungene Tanzabend oder Frühschoppen, den die Vereinigung für ihre Mitglieder und Gäste durchgeführt hatte.
"Gekeilt in drangvoll fürchterliche Enge" (Schiller "Wallensteins Tod")
(...) Der hier gestreifte Zeitabschnitt eines Zehntels der Existenz der Schule am Rittersberg von 1969 bis 1987 war überschattet von dem permanenten Mangel an hinreichenden Räumlichkeiten. Worunter die bombenzerstörte Schule bis 1958 zu leiden hatte, das wurde auch ihr Kreuz wiederum nach nur etwa zehn Jahren der Zufriedenheit mit den räumlichen Verhältnissen. Wie glücklich waren doch alle an der Schule beteiligten Gruppen der Schüler, Lehrer und Eltern, als am 14. Februar 1958 die Neubauten (Hauptgebäude und Turnhallenbau) feierlich eingeweiht werden konnten. Die eigens verfaßte Festschrift des Jahres 1958 legt beredtes Zeugnis über das freudige Ereignis ab. Den damals 533 Schülern standen die Räumlichkeiten in einer für 600 Schüler konzipierten Schule zur Verfügung. Doch die vorausgehenden Planungen und Statistiken konnten die Imponderabilien der Zukunft nicht berücksichtigen. Geburten- und damit Schülerzahlen der prosperierenden Gesellschaft stiegen drastisch an, und der Trend des Verlangens einer besseren Ausbildung der Kinder wuchs, womit der Prozentsatz der Gymnasiasten eines Jahrgangs anstieg. Beim damals noch Neusprachlichen Gymnasium am Rittersberg Kaiserslautern wurden aus den 533 Schülern des Schuljahres 1958/59 zehn Jahre später, 1967/68, 829 Schüler, statt 16 Klassen mußten jetzt 23 untergebracht werden. Diesem Leiden der wachsenden Raumnot waren alle Gymnasien der Stadt konfrontiert, so daß Notmaßnahmen verschiedener Art (Wanderklassen, Nutzung von Kellerräumen, Umlagerungen an andere Schulen, Bau von Pavillons in die Schulhöfe usw.) ergriffen werden mußten.
Dem Gymnasium am Rittersberg glaubte man dadurch helfen zu können, daß man der Schule im Rückgebäude des alten Stadthauses (Steinstraße) freigewordene städtische Räume 1968 zur Verfügung stellte. Vier Klassensäle, ein Gymnastikraum und ein kleines Lehrerzimmer wurden somit gewonnen, aber die ungewollte Kürzung des Unterrichts durch das Wandern von Lehrern und Schülern zwischen verschiedenen Gebäuden setzte damit ein und sollte lange Zeit gang und gäbe (recht wörtlich zu nehmen) werden.
Der schon frühe Appell der Schulleitung an die zuständigen Behörden, für Abhilfe zu sorgen durch einen Erweiterungsbau, führte nur zu Vertröstungen, die nicht weiterhalfen. Bei der Frage, ob pädagogische Gesichtspunkte der Raumnot untergeordnet werden sollten, entschieden wir uns trotz der Misere für den Vorrang der Pädagogik, waren also bereit, von Beginn des Schuljahres 1970/71 an außer Jungen auch Mädchen aufzunehmen, wenngleich dies mehr Räumlichkeiten erforderte (getrennte Toiletten, Raum für Textiles Gestalten und Mädchensport, Zunahme der Schüler/innen-Zahl), oder wir führten auch früher als es verpflichtend war, die MSS ein, die wegen der Einrichtung der (meist kleineren) Kurse, im Vergleich zum früheren System der Klassenverbände, doch bemerkenswert mehr Räume erforderte. Schließlich wollten wir auch nicht verzichten auf weitere (Wahl-)Möglichkeiten pädagogischen Fortschrittes (Französisch als 1. Fremdsprache, Computerausbildung usw.), die halt auch mehr Lehrraum im Gefolge hatten.
So mußten wir notgedrungen über viele Jahre hinweg unzulängliche Kompromisse hinnehmen, komplizierte Organisationspläne erstellen und Einzelräume für andere Zwecke umwidmen. Als das Staatliche Studienseminar für das Lehramt an Gymnasien, das in einer Notunterkunft im alten Stadthaus (Steinstraße) recht und schlecht hausen mußte, in ein besseres Quartier umziehen konnte, stellten wir unseren Anspruch auf den freiwerdenden Raum und konnten vom 1.August 1975 an wenigstens weitere Räumlichkeiten im alten Stadthaus bekommen: sieben Kursräume für die MSS, einen Freizeit- und einen Arbeitsraum für die Oberstufenschüler, ein kleines Lehrerzimmer, ein Zimmerchen für den Leiter der MSS und eines für den Schullaufbahnberater sowie den Umkleideraum für Benutzer der Gymnastikhalle.
Die folgende Übersicht möge einen Einblick geben über einige räumliche Veränderungen, die wir neuer Erfordernisse wegen treffen mußten:
27.08.1970 Das frühere Arztzimmer wird Klassenraum.
21.12.1970 Der Werkraum wird in den Fahrradkellerraum verlegt, und im Freien werden Fahrradständer aufgestellt. Aus dem Werkraum wird ein Sprachlabor.
26.10.1973 In Saal 275 (zuerst Verfügungs- und Filmraum, dann Handarbeitsraum mit Nähmaschinen) wird nunmehr ein Bibliotheksraum mit Arbeitsplätzen für Schüler eingerichtet.In das Verwaltungszimmer 146 (zuvor Elternsprechzimmer) ziehen der Leiter der MSS und der Schullaufbahnberater ein. Archivraum und Elternsprechzimmer zugleich werden der ehemalige Kartenraum 136. Als Kartenaufbewahrungsstelle dient ein neuerrichteter kleiner Vorbau an der Wand beim Aufgang zum Speicher im 2. Obergeschoß.
01.09.1975 Der Klassenraum 263 wird zu einem dringend benötigten Physikübungsraum mit 36 Schülerplätzen umgestaltet.
23.09.1975 Raum 129 wird als letzter mit alten Schulbänken versehener Klassenraum mit Tischen und Stühlen ausgestattet.
10.11.1975 Raum 135 (zuerst Kartenraum, dann Raum für Textiles Gestalten und Elternsprechzimmer) wird Sammlungsraum für Biologie und mit einer neuen Tür mit Biologiesaal II verbunden.
15.12.1975 Die beiden Zimmer des Sekretariats erhalten moderne Aktenschränke.
10.01.1977 Im Aufenthaltsraum der Oberstufenschüler in der Filiale hält eine kleine Teeküche Einzug (Elektroherd und Spüle).
28.01.1977 Neue Wandschränke und Ablagen werden im Zeichensaal II installiert.
11.01.1978 Wichtige Schulakten können in neuen Wandschränken des Archivraumes, der zugleich Elternsprechzimmer ist, deponiert werden.
29.11.1978 Die Ostseite des Schulgebäudes erhält 69 Lärmstoppfenster.
12.01.1980 Auch die Nord- und Südseite des Hauptgebäudes sowie der Musiksaal werden mit Lärmstoppfenstern ausgestattet.
14.10.1980 Das Schulgebäude erhält eine neue, effizientere Heizungsanlage.
11.12.1980 Ein neuer Bühnenvorhang ziert die Turnhalle (zugleich Aula).
25.02.1983 In den Fluren des Hauptgebäudes sind Raumschutztüren eingebaut worden.
22.08.1984 Zwei Werkräume im Kellergeschoß sind neugestaltet und mit Zubehör ausgestattet worden.
Den mißlichen Raumverhältnissen setzte die Schule ein tapferes Trotzdem entgegen und gab sich Mühe, aus der prekären Lage das Bestmögliche zu machen. Mitunter war es ein wenig tröstlich, wenn neueingetretene Sextaner, die aus gut und einladend ausgestatteten Grundschulen kamen und nunmehr mit den völlig unzulänglichen Raumgegebenheiten des Dauerprovisoriums im alten Stadthaus vorlieb nehmen mußten, nostalgisch angerührt, zu Hause von ihrer antiken schulischen Umgebung schwärmten oder wenn ältere Schüler die Intimität der Enge im Schulhaus zu schätzen wußten.
Doch trotz der Raummisere, die seitens der Schule auch in Zeitungsartikeln herausgestellt worden war und sich damit in Kaiserslautern und seinem Umfeld herumgesprochen hatte, wuchs die Schülerzahl an, so daß ungeachtet des guten Willens über eine Zeitspanne von 10 Jahren (1968 bis 1977) nicht mehr alle für das Gymnasium am Rittersberg angemeldeten Schüler aufgenommen werden konnten und teilweise anderen Gymnasien der Stadt zugewiesen werden mußten. Die Belastbarkeit der Schule mit rund tausend Schülern im Jahre 1980 war längst überschritten. Die schmerzliche Abweisung neuangemeldeter Schüler führte hier und dort zu dem resigniert ausgedrückten Urteil von potentiellen Schülereltern, daß es keinen Sinn habe, das Kind am Rittersberg anzumelden, weil es ja doch einer anderen Schule zugewiesen würde.
Es gab über Jahre hinweg kaum eine Elternbeiratssitzung, bei der die Erörterung der Schulraumfrage und Strategien zu ihrer Bewältigung keine Rolle spielten, was auch der heutige Leiter des Gymnasiums am Rittersberg, Herr Oberstudiendirektor Franz Mungenast, als ehemaliges Elternbeiratsmitglied bestätigen kann. Es fanden Vorsprachen des Schulleiters, manchmal in Begleitung des Schulelternsprechers, bei höchsten Dienststellen der Stadtverwaltung statt, Briefe an die Stadtverwaltung, die Bezirksregierung und das Kultusministerium, Zeitungsartikel und Aussprachen mit einer Reihe von Stadtratsmitgliedern führten zwar stets zu der Einsicht, daß geholfen werden müsse; aber das unsichere Gesamtkonzept, bei unterschiedlichen Auffassungen, über die Zukunft des gesamten Schulwesens der Stadt Kaiserslautern als Schulträger war der Hauptgrund für eine unangemessene Verzögerung.
Da alle Gymnasien der Stadt mehr oder weniger unter Raummangel litten, bedurfte es eines Gesamtkonzepts der umfassenden Abhilfe. Um 1970 war die Rede davon, daß ein weiteres Gymnasium errichtet werden sollte. Während einer großen Gesprächsrunde mit Teilnehmern des Kultusministeriums, der Bezirksregierung, des Stadtvorstands, des Schulverwaltungsamtes, des Stadtrates und der Schulen am 14. Januar 1971 im Rathaus beschloß man die Errichtung eines Schulzentrums auf dem Kaiserberg, wo zwei berufsbildende Schulen (technisch und kaufmännisch) und ein Gymnasium (altsprachlich) entstehen sollten. Dort ist dann entstanden ein berufsbildendes Gymnasium technischer Ausrichtung (statt des bisherigen in der Dr.-Martin-Luther-Straße, dessen Gebäude der berufsbildenden Schule II (kaufmännisch) zugeschlagen wurde), und 1973 wurde im Stadtwald die Gesamtschule Kaiserslautern-Süd eröffnet. Die Gymnasien gingen leer aus.
Wir mußten unsere berechtigten Forderungen weiterhin vortragen und wurden auch immer mit ein wenig Hoffnung abgespeist, auch wenn als Hauptgegenargument die Finanzknappheit vorgegeben wurde. Am 28. August 1974 besuchte der Kulturpolitische Ausschuß der CDU-Stadtratsfraktion unsere Schule, am 6. September 1974 informierten sich sechs Mitglieder der SPD-Stadtratsfraktion über die Raumnöte, am 7. Juli 1976 führten wir in der Schule ein Informationsgespräch mit dem Fraktionsvorsitzenden der F.D.P. und seiner Stellvertreterin über eine Erweiterung im Rahmen der Altstadtsanierung, und bald konnten die Schulangehörigen ein ausgestelltes Modell während einer Pfalzschau auf dem Messegelände bewundern, das einen Erweiterungsbau des Gymnasiums am Rittersberg bis zur Dr.-Martin-Luther-Straße hin aufwies. Was für Einwände sollte die Schulleitung dagegen haben, daß auf dem von ihr auch vorgeschlagenen Erweiterungsgelände der früheren Firma Feth in der Seminargasse ein Parkhaus vorgesehen wurde, wenn der damalige Oberbürgermeister auf das oben erwähnte Modell, das längere Zeit auch im Rathausfoyer stand, hingewiesen hatte.
Am 15. Oktober 1976 führten schließlich der Schuldezernent, die Fraktionsvorsitzenden der Parteien des Stadtrats mit Schulbediensteten und Vertretern des Elternbeirats eine Diskussion im Lehrerzimmer der Schule, wobei es um eine günstige Erweiterungsmöglichkeit der Schule ging. Das Ergebnis war, daß ein Schulanbau aus Geldgründen vorerst nicht möglich sei, daß jedoch die an das jetzige Schulgebäude angrenzende Fläche nach Westen bis zur Dr.-Martin-Luther-Straße vorsorglich für das Gymnasium frei gehalten werde. Am 14. Dezember 1979 konnten wir den Besuch von vier Fraktionsvertretern der CDU empfangen, am 14. Juli 1982 kam es erneut zu einem Gespräch mit Mitgliedern der SPD-Stadtratsfraktion, am 20. Juli 1982 mit Vertretern der F.D.P.- Fraktion und am 22. Dezember 1982 abermals mit Stadtratsmitgliedern der CDU.
Es fanden anschließend weitere Gruppen- und Einzelgespräche sowie schriftliche Eingaben statt, bis ich wiederum einen ausführlich begründeten Brief an den Kultusminister mit der Bitte um Unterstützung unserer Angelegenheit richtete. Die Reaktion des Kultusministers, der den Leiter seiner Bauabteilung mit dem zuständigen Baufachleiter der Bezirksregierung auf den Weg zur Schule brachte, sich vor Ort ein Bild von der Lage zu machen, führte endlich zu einem so lange ersehnten Durchbruch. Wenig später trafen zustimmende Bescheide des Kultusministeriums wie der Stadtverwaltung dahingehend ein, daß das Gymnasium am Rittersberg entsprechend den Schulbaurichtlinien baulich saniert würde. Das Hochbauamt der Stadtverwaltung legte recht bald Entwurfspläne vor, die eine Erweiterung der Bausubstanz nach Westen hin aufwiesen, im einzelnen aber nach den Wünschen der Schule noch revidiert werden konnten. Ein Kind kann unter dem Weihnachtsbaum kaum größere Freude empfinden als ein Schulleiter, dem nach jahrelangem Mühen und Sorgen um den schulischen Lebensraum endlich sein sehnlichster Wunsch erfüllt wird. Als eine meiner letzten Amtshandlungen verblieb mir noch, Mitglieder einzelner Fachbereiche in einen Schulbauausschuß des Gymnasiums am Rittersberg zu berufen. Daß sich die Vollendung des Projekts noch einige Jahre hinziehen würde, mußte ebenso in Kauf genommen werden wie die tausend Schwierigkeiten, die notwendigerweise dann entstehen, wenn Bauarbeiten und Unterrichtsbetrieb einander aushalten müssen.
Es fügte sich in günstiger Weise , daß unter der Regie meines Nachfolgers das auszuführende Werk umso besser gedeihen konnte, als er entsprechende reiche Erfahrungen aus seiner früheren Wirkungsstätte beim Staatlichen Heinrich-Heine-Gymnasium Kaiserslautern einbringen und mithelfen konnte, eine optimale Lösung in der Planung der einzelnen Teile und der Ausführung des Ganzen zu erreichen.
Mögen die Schüler ihr neugestaltetes, schmuckes Schul-Heim mit gehöriger Sorgfalt und Pflege zu schätzen wissen, mögen die Kollegen, entlastet von unzähligen Unbilden der Enge, ihren Dienst mit noch größerer Freunde verrichten!
Dem Gymnasium am Rittersberg wünsche ich eine lange Zeit guten Gedeihens. Es wird gelten, viel herkömmlich Bewährtes in die Zukunft zu tragen. Doch auch künftig wird die Schule vor Änderungen und Reformen nicht verschont werden. Möge dann das eingangs erwähnte Wort Schillers in leicht abgewandelter Form Gültigkeit haben: "Es beharre im Wechsel ein ruhiger Geist!"

Die Entwicklung des Gymnasiums am Rittersberg in den Jahren 1987 - 1993

StD Klausjürgen Heinrich

Nach der Verabschiedung des langjährigen Leiters des Rittersberg-Gymnasiums, OStD Arthur Schank, wird die Schule vom 01.08. bis 09.10.1987 tatkräftig kommissarisch geführt durch den stellvertretenden Schulleiter, StD Hans Schwartz. Am 09.10.1987 ist es dann soweit: Der mit Spannung erwartete neue Schulleiter, StD Franz Mungenast, wird von dem damaligen Referenten der Bezirksregierung, RSD Hegen, dem Kollegium vorgestellt. Der in Kaiserslautern geborene und "rund um die Martinskirche" aufgewachsene Franz Mungenast ist ebenso wie sein Vorgänger ein "echter Lautringer": Ein Glücksfall für die Schule, die auf ihre Sanierung und den dringend benötigten Neubau wartet. Viele Kollegen und Eltern sind sich bewußt, daß nur eine außergewöhnliche Führungspersönlichkeit die schier übermenschliche Aufgabe der nächsten Jahre meistern kann. Der "neue Chef", der "geborene Architekt", dazu ein Kind der Stadt mit vielen Beziehungen von unschätzbarem Wert, erweist sich dann auch als die Idealbesetzung am Steuer des Rittersberg-Gymnasiums. Allmählich wird jedoch den Mitgliedern der Schulgemeinde auch klar, daß neben dem glänzenden Verwaltungsfachmann und perfekten Planer des Neubaus auch ein echter Schulmann das Ruder der Schule ergriffen hat und mit allem "Impetus" auch an der pädagogischen Front präsent ist: Altbewährtes wird beibehalten! Dem Neuen werden die Tore der Schule geöffnet, allerdings nicht planlos im blinden Fortschrittsglauben, sondern mit der kritischen und beobachtenden Haltung des erfahrenen Schulleiters, der lange Jahre in der Schulleitung gearbeitet und sich entscheidende Verdienste um den Neubau des Heinrich-Heine-Gymnasiums erworben hat.

Die sechs "Mungenastjahre" bis zur Jubiläumsfeier und zum Erscheinen dieser Festschrift sahen am 31.07.1988 die Verabschiedung des langjährigen stellvertretenden Schulleiters StD Hans Schwartz, seit dem 01.02.1971 Lehrer für Mathematik und Physik am Rittersberg- Gymnasium, und des Fachleiters für Sozialkunde, StD Gerhard Trauth, seit 1959 am Rittersberg-Gymnasium. Mit den beiden Kollegen verließ uns auch StD Arno Kahne, seit 16.03.1981 nach einer Schulleitertätigkeit in Lima an unserer Schule als Betreuer der Mittelstufe tätig, der zum 1. Stellvertreter des Schulleiters am Heinrich-Heine-Gymnasium ernannt wurde. Ein Jahr später schon wechselte der neue 1. Stellvertreter des Schulleiters unserer Schule, StD Hermann Krämer, als Schulleiter ans Albert-Schweitzer-Gymnasium. Sein Nachfolger wurde zum 18.05.1990 StD Heinrich, seit 01.02.1968 als Lehrer am Rittersberg-Gymnasium und ab 1983 als 2. Stellvertreter des Schulleiters mit besonderer Verantwortung für die Orientierungsstufe tätig, der zum ständigen Vertreter des Schulleiters ernannt wurde. Sein Nachfolger als 2. Stellvertreter des Schulleiters wurde StD Karl Sahlmann, der vom St. Franziskus-Gymnasium ans Rittersberg-Gymnasium wechselte. Am 19.06.1991 wurde StD Dr. Schneider, seit 07.04.1959 am Rittersberg-Gymnasium und zuletzt seit 10.08.1989 kommissarisch in der Schulleitung tätig, in den Ruhestand versetzt. Am 18.05.1991 wurde OStR Walter Rung zum StD ernannt. Er übernahm u.a. die Schullaufbahnberatung, die StD Karl Bauer bis zu seiner Pensionierung zum 31.07.1990 ausgeübt hatte. Der 18.05.1992 sah die Beförderung von OStR Gerhard Rieder zum Studiendirektor. Er trat die Nachfolge des langjährigen MSS-Leiters StD Walter Winkelmann an, der nach 31jähriger Tätigkeit am Rittersberg-Gymnasium verabschiedet wurde - zusammen mit dem Betreuer für audiovisuelle Geräte und Sprachlabor StD Karl-Heinz Reichrath. Als weiteres Mitglied der erweiterten Schulleitung kam von der Integrierten Gesamtschule Kaiserslautern ab dem Schuljahr 1992/1993 OStR Wolfgang Zintel.

Ihren 50. Geburtstag feierten 1988 OStR Doppler, 1989 OStR Diehl, 1990 OStR Trommer, OStR' Scholz, OStR Dr. Zamani, OStR Baaske, StD Heinrich und StD Werner, 1991 StD Fischer, 1992 OStR' Zingler und OStR' Lenzen. Die Schulgemeinde beklagte den Verlust ihres langjährigen Musikerziehers (01.04.1952 bis 31.01.1979) OStR i.R. Willy Schmitt, der unerwartet auf einer Ferienreise in Feldkirch/Österreich am 07.09. 1990 verstarb. Die Partnerschule Georges de la Tour in Nancy beklagt den Heimgang von Monsieur Henri Legrand, der am 25.03.1987 im Alter von 48 Jahren verstarb. Die Beerdigung, an der als Vertreter des Rittersberg-Gymnasiums StD Heinrich und OStR Trommer teilnahmen, fand im Ardennendorf Sailly statt. Am 24.12.1988 verstarb im Alter von 62 Jahren die ehemalige Direktorin der Partnerschule CES Université Reims, Mme Boucher, die 1974 von französischer Seite den Austausch mit dem Rittersberg-Gymnasium begonnen hatte.

Weiterhin erwies sich das Rittersberg-Gymnasium als zuverlässiger Partner französischer Schulen in Reims, wo das CES Université seit 1974 und in Nancy, wo das Lycée und das Collège Georges de la Tour seit 1983 jährlich ihre Schüler und Schülerinnen nach Kaiserslautern schickten. Von unserer Seite besuchten ohne Unterbrechung alljährlich die 6. Klassen mit Französisch als 1. Fremdsprache das traditionelle Nikolausfest am Stanislausplatz in Nancy während ihres Wochenendbesuches. Für die Schüler der 8. Klassen fand regelmäßig der große Austausch von 8 bis 10 Tagen mit der Partnerschule in Reims statt (und im Bedarfsfall mit Nancy). Der Versuch eines Intensivaustauschs von drei Monaten für einzelne Schüler der 10. Klassen mit Reims und Nancy (1991) wiederholte sich nicht.

Die Kontakte der Schule mit der Highschool in Vogelweh in Kaiserslautern spielten sich ab als Spieltage in der Orientierungsstufe , auf gemeinsamen Ausflügen (z.B. 1989 der Besuch der NASA- Raumfahrtausstellung in Mainz), Besuch des Hambacher Schlosses durch die Leistungskurse Englisch mit amerikanischen Partnern, Besuche der Musiksessions an der Highschool, Gastspiele unserer Bigband und Gegenbesuche seitens der Amerikaner (Mr. Alexander).

Zu erwähnen sind auch die eintägigen Treffen der 5. Klassen mit Französisch als 1. Fremdsprache mit ihren Briefpartnern in Trier (1989/90/91) und in Homburg (1992) und der Austausch, den eine 10. Klasse (OStR' Weiand) 1989 mit Schülern des Bonaventure College (Mrs. Pritchard) durchführte. Parallel zur alljährlichen Londonfahrt der 11. Jahrgangsstufe besuchte eine Schülergruppe englische Brieffreunde aus Newham.

Einige kulturelle Veranstaltungen fanden vor dem Hintergrund dieser Verbindungen zu Newham, Nancy und Reims statt. Als Höhepunkte seien genannt: der Besuch der Musikklasse des CES Université bei Freunden der Orientierungsstufe mit Französisch als 1. Fremdsprache in Begleitung des neuen Schulleiters, Herrn Alfred Clément, und der langjährigen der Organisatorin der Schulkontakte, Frau Susanne Loewenthal, das Konzert am 08.05.1991 in der Alten Eintracht mit dem ehemaligen Mitglied der Grand Opéra Paris und heutigen Professorin für Gesang am Conservatoire Nancy, Frau Christiane Stutzmann, und ihrer Gesangsklasse. Die beurlaubte Rittersbergschülerin Julia Forster spielte im I. Teil des Musikabends, begleitet von Frau Marlott Persijn-Vautz, den 1. Satz des e-Moll-Konzerts von Mendelssohn. Am 08.05.1992 fand ein weiteres Stutzmann-Konzert statt, ebenfalls in der Alten Eintracht.

Am 20.02.1992 fand in der Turnhalle unserer Schule ein gemeinsames Konzert unserer Bigband und der Highschoolband statt. Vom 23. bis 29.05. 1992 fand eine Theatertournee der Klasse 6d nach Frankreich statt (Rethel, Nancy, Reims): mit Frau Dr. Kopper, StD Heinrich, OStR' Reiß, StR' Ritzheimer, StR Enderle und den Schülereltern Frau Kosel, Herr Prof. Dr. Kopper und Herr Hollinger.

Großen Anklang fanden die "Opernfahrten" nach Nancy und Metz. Jeweils 120 Kollegen, Eltern und Schüler besuchten am 20.03.1992 das Staatstheater Nancy zu einer Aufführung von Bizets Jugendwerk "les pêcheurs de perles" und am 09.03.1993 die Oper Metz zu einer Aufführung von Jules Massenets "Werther".

Erinnert sei auch an einen originellen Kollegenabend, an dem durch die Kollegen StR' Palamattam, StR' Stein und StD Heinrich das Alterswerk von R. Strauss "4 letzte Lieder" vorgestellt wurde (14.11.1991).

Kulturelle Abendveranstaltungen mit Vorträgen aus den verschiedensten Bereichen fanden regelmäßig im Rahmen des Vereins "Vereinigung der Freunde des Gymnasiums am Rittersberg" statt: die sich ins dritte Jahr fortsetzende Vortragsreihe "Einführung in die französische Oper" durch StD Heinrich, Vorträge über Portugal (StD Heinrich), das Gebiet der Transplantationschirurgie (Dr. Thomas Nauth), die Zukunftsperspektiven der Stadt Kaiserslautern (Dipl. Ing. Folker Fiebiger), die archäologischen Funde auf dem Terrain des Rittersbergs (Bürgermeister Bernhard Deubig), ein Lichtbildervortrag über ein romanisches Portal in Moissac (OStR i.R. Heinz Asal), Informationen über die Möglichkeiten privater Entwicklungshilfe in Marokko am Beispiel des Vereins "Ein Tröpfchen Milch e.V." (Frau Christel Jeschke), Gedanken über die Verflechtung von industriellem Wachstum und Umweltbelastung (Dipl. Ing. Dr. Udo Kosel).

Musikalische Aktivitäten fanden statt im Treppenhaus und der Aula, etwas eingeschränkt durch die Baumaßnahmen. Dazu kamen Jahresabschlußkonzerte, Weihnachtskonzerte in der Turnhalle oder in der Martinskirche (wertvoll hierbei war jeweils die Mitwirkung der Dansenberger Flötengruppe unter der Leitung von Frau Radbruch) und die Gestaltung von ökumenischen Gottesdiensten in der Stiftskirche und Martinskirche. Als überaus wichtig für die Wirkung des Rittersberg- Gymnasiums nach draußen erwies sich die Gründung - und der sich schnell einstellende Erfolg - der Bigband unter der Leitung von StR Jörg Enderle.

Unermüdlich war in all diesen Jahren der Einsatz des Vereins "Vereinigung der Freunde des Gymnasiums am Rittersberg e.V.". Der Vorstand (Franz Giebel, Helmut Marschall, Peter Käfer, die ehemaligen Schüler Stefan Mohr, Harald Asel, Franziska Adolff, Jochen Jörg, Angela Troni, Natalie Schorz sowie die Schülerin Kay-Maria Müller) organisierte mit zahlreichen Helfern neben den genannten Vortragsabenden alljährlich den Frühschoppen auf dem Bremer Hof, das Grillfest auf dem Gelände der Paddlergilde für die Abiturienten nach dem Ende der schriftlichen Prüfungen und zahlreiche Jubiläumstreffen von ehemaligen Abiturjahrgängen: Man kann hier schon von "traditionellen Treffen am Rittersberg" sprechen.

Durch die Vermittlung der Vizepräsidentin des rheinland-pfälzischen Landtags, Frau Gisela Büttner, kam es zu einer Partnerschaft mit einer polnischen Schule in Gnesen. Gegenseitige Besuche von Schülergruppen fanden mehrmals statt; die Betreuung von deutscher Seite obliegt StD Rieder. Nach der Wende kam es dank StD Rung zu einem partnerschaftlichen Kontakt mit dem Heinrich-Böll-Gymnasium in Saalfeld/Thüringen.

Die Fahrten, die schon lange Bestandteil des "Rittersberg- Fahrtenprogramms" sind, wurden fortgesetzt: die Informationsreisen nach Berlin, die Studienfahrten in die neuen Bundesländer (Erfurt, Dresden, Weimar), die Münchenfahrt der Physikkurse mit einem Besuch des Deutschen Museums, Studienfahrten nach London und Paris, die "Lateinfahrt" der 8. Klasse mit Latein als 2. Fremdsprache. Die Skischullandheimaufenthalte wurden ab dem Jahr 1990 von Klasse 10 in Klasse 9 vorgezogen, um den Klassenleitern der 10. Klassen einen größeren Spielraum für die Planung einer Fahrt anläßlich des Abschlusses der Mittelstufe einzuräumen. Bei steigender Arbeitslosigkeit und ungünstiger wirtschaftlicher Entwicklung empfiehlt sich die Planung einer größeren Fahrt jedoch nur noch alle zwei Jahre, d.h. in den Jahrgangsstufen 7, 9 und 11, wobei auch bei der Reduzierung der Fahrtenprogramme unbedingt das "günstige Angebot" und der pädagogische Gewinn der Fahrt ausschlaggebend sein sollen. Ich denke hier an die Aktivitäten "vor Ort" in der Jugendherberge Kappeln, wo die Fächer Biologie, Erdkunde, Sport und Bildende Kunst das Programm bestimmen, oder die Chance einer körperlichen Ertüchtigung beim Erlernen des Skifahrens durch den Skischullandheimaufenthalt. der 9. Klasse.

Neu ist der einwöchige Schullandheimaufenthalt der 7. Klassen an der Ostsee, der in diesem Schuljahr zum zweiten Mal durchgeführt wurde. Die Organisation dieser Tage an Schlei und Ostsee liegt in den Händen von Herrn StD Rung. Vorgespräche werden jeweils von OStD Mungenast in seiner Eigenschaft als "Vertreter der Gymnasien im Schulfahrtenausschuß der Bundesbahndirektion Saarbrücken" geführt.

Das von den Schülern der 5. Klassen jeweils ungeduldig erwartete Zeltlager in Waldleiningen fand regelmäßig statt, organisiert durch die Klassenleiter der Orientierungsstufe: StD Rung, OStR Hellmann, StD Heinrich, StD Werner, OStR' Reiß, StR' Chr. Stein, StR' Bender, StR' Fadel, OStR Baaske. Auch StD Hertsch, OStR Doppler und StR' Hammes nahmen an verschiedenen Zeltlagern teil. Lagerfeuer, Spiele, Waldbegänge, Nachtwanderungen, ein gemeinsames Grillfest mit den Eltern förderten die Klassengemeinschaft und erlaubten auch das Kennenlernen der verschiedenen Klassen untereinander. Ein herzliches Danke für diese erfolgreichen außerschulischen Veranstaltungen geht an den Bürgermeister der Gemeinde Waldleiningen, Herrn Böhm, und den Forstmeister, Herrn Schmitt, für ihre verständnisvolle Unterstützung.

Den Abschluß der 6. Klasse und damit der behüteten Welt der Orientierungsstufe bildete alljährlich ein 3- oder 4tägiger Aufenthalt in einer Jugendherberge vorzugsweise der näheren Umgebung wie Steinbach, Weidenthal, Hochspeyer oder Dahn.

Die Zusammenarbeit mit dem benachbarten Albert-Schweitzer-Gymnasium wurde intensiviert, nachdem Herr Hermann Krämer nach einjähriger Tätigkeit als stellvertretender Schulleiter am Rittersberg-Gymnasium zum Schulleiter des Albert-Schweitzer- Gymnasiums ernannt worden war. Es findet inzwischen nicht nur eine Kooperation in Musik statt, sondern auch in den Fächern Chemie, Physik, Biologie, Sozialkunde und Französisch. Auf Grund dieser engen Zusammenarbeit können wir inzwischen schon im dritten Jahr den Leistungskurs Bildende Kunst anbieten, der z.B. auch Schüler von anderen Gymnasien zu ihrem Eintritt in unsere MSS veranlaßt hat. Die MSS-Schüler hatten alljährlich Grund zur Freude über ihren von OStD Mungenast erstellten Stundenplan: außer Sport (wegen der Hallenkapazität) kein Nachmittagsunterricht am Rittersberg!

Heute muß jedes Gymnasium der Orientierungsstufe besondere Aufmerksamkeit und Betreuung schenken, gilt es doch, in den ersten beiden Jahren am Gymnasium die Neuanfänger und ihre Eltern an die neue Schule heranzuführen, sie mit der neuen Arbeitsweise vertraut zu machen und sie in die Schulgemeinde aufzunehmen. Den außerunterrichtlichen Aktivitäten kommt deshalb ein herausragender Stellenwert zu. Dies beginnt am Rittersberg-Gymnasium schon mit dem traditionellen Nachmittagstreff beim Grillen und Spielen im Schulhof am vorletzten Schultag des ausgehenden Schuljahres. Im ersten Schuljahr erlebt der neue Rittersbergschüler dann z.B. Sonntagswanderungen in den Donnersberg und in die Vorderpfalz mit anschließender fröhlicher Runde von Klassenleiter, Eltern und Klassenkameraden, oder die traditionelle Weihnachtsfeier der Orientierungsstufe: Sie fand 1987 noch einmal in der Turnhalle statt und wurde ab 1988 in die Klassenräume verlegt, weil die Zahl der Klassen des 5. und 6. Jahrgangs sich von 6 auf 8 erhöht hatte. Ich denke an die Paddelkurse für die 6. Klassen in den drei ersten Tagen der Sommerferien auf dem Gelände der Paddlergilde am Gelterswoog unter der Betreuung von OStR Hellmann, StD Rung und dem Übungsleiter der Paddlergilde sowie an die Einführung in das Felsklettern, die von OStR Hellmann geleistet wird. Die Spielnachmittage erfreuten sich weiterhin großer Beliebtheit: Musik (29.9.1989), Biologie (14.10.1989), Bildende Kunst (24.11.1989), Religion (9.2.1990), Sport (28.9.1990), Deutsch (26.10.1990), Musik (9.11.1990), Bildende Kunst (23.11.1990), Musik (22.9.1991). Diese Spielnachmittage mußten leider in den vergangenen zwei Jahren wegen der Sanierungsarbeiten im Hauptgebäude ausgesetzt werden. Regelmäßig informierte ein gemeinsamer Elternabend für die neuen 5. Klassen zu Beginn des Schuljahres über die pädagogische Konzeption und die Arbeit in der Orientierungsstufe. Der nach drei Monaten Eingewöhnungsphase stattfindende "Blick ins Klassenzimmer" zeigte den Eltern die Praxis durch Teilnahme am Unterricht an einem Schulsamstag. Auch Theaterfahrten im Weihnachtsmonat Dezember mit Gang über den Weihnachtsmarkt und anschließendem Besuch des Nationaltheaters ("Hänsel und Gretel", "Barbier von Sevilla" und immer wieder die "Zauberflöte") wurden von Eltern und Schülern begeistert genutzt. Das gleiche gilt für die monatlichen Filmvorführungen "Freitagsfilm der Orientierungsstufe" im Universum-Kino. Diese Reihe begann am 9.3.1991. Wichtige Daten für das Leben in der Orientierungsstufe waren auch die Premieren der beiden Kindermusicals in der Turnhalle: am 2.5.1991 "Florian auf der Wolke" (StR Enderle), am 1.4.1992 "Dampflok-Story" (StR Enderle) und am 28.4./3.7.1993 "Max und Moritz" (OStR' Wambsganß).

Besondere Erwähnung verdient ein Versuch, der im Frühjahr 1992 an unserer Schule gestartet wurde: "Umwelttage als Projekttage". Schüler und Lehrer arbeiteten drei Tage an einem Thema: Müll. Unter der Leitung von StR' Bösen-La Roche, StR' Hassel, StR' Gill-Habl und Stud.Ref. Ebner standen die Möglichkeiten der Müllvermeidung und -wiederverwertung in der Schule im Mittelpunkt.

Als weiteres Plus vermerke ich die Fülle der Arbeitsgemeinschaften im Angebot unserer Schule über die Stundentafel hinaus. Diese Angebote sollen Begabungen fördern und Neigungen des einzelnen Schülers unterstützen. In der Orientierungsstufe bewegen sich die AGs vor allem im musischen Bereich. Im sport-lichen Bereich bieten sich Arten an, die im regulären Unterricht weniger oder nicht geübt werden: Basketball- und Volleyball-AG und vor allem die Ein-richtung der Badminton-AG (StR' Hammes). Erwähnenswert ist, daß auch Oberstufenschüler mit Übungsleiterlizenz verschiedentlich eine AG anboten, so z.B. Anke Bauer (12d) eine Leichtathletik-AG. Gut besucht waren immer die Schach-AG (OStR Faul), die Informatik-AG (OStR Schenkel) und die Öko-AG (StR' Bösen-La Roche).

Es macht Mühe, alle regulären und besonderen Aktivitäten aufzuzählen, die das Rittersberg-Gymnasium in den Jahren 1987-93 auch innen mit Leben und Dynamik erfüllten. So ist es zu erklären, daß trotz der Belastung und Belästigung durch die fortschreitenden Bauarbeiten das Vertrauen der Kaiserslauterer Elternschaft in unsere Schule ungebrochen blieb, ja sich sogar steigerte, wie die jährlich anwachsenden Anmeldezahlen bestätigen. ich darf hier mit Stolz erwähnen, daß das Rittersberg-Gymnasium schon im zweiten Jahr nach dem privaten St. Franziskus-Gymnasium das Kaiserslauterer Gymnasium mit der stärksten Anmeldezahl ist. Wegen der starken Anmeldezahlen mußten leider ein bis zwei Klassen an andere Gymnasien abgegeben werden. Die 4. Klasse konnte in diesem Jahr nach Bewilligung der Fortsetzung des bilingualen Zweiges Französisch als Bilingualklasse eingerichtet werden. Hierfür überließ uns die Stadt Kaiserslautern die aus Raumgründen dringend benötigte Villa Winkler. Die Betreuung des Bilingualunterrichts liegt bei OStR' Reiß. Verantwortlich für die Kooperation des Faches Erdkunde ist StD Zintel.

1987-93: Sechs Jahre, die im Zeichen des Neubaus und der Generalsanierung des Hauptgebäudes standen, aber auch sechs Jahre des pädagogischen Impulses, der die Schule mit Leben erfüllte. Zum Jubiläum 1993 kann sich unser "alter und neuer Rittersberg" von außen und innen seinen Anhängern mit Stolz zeigen:

"Plus uno maneat perenne saeclo."

Zu "Schulgeschichte"

Erstellt von Webmaster. Letzte Änderung: Webmaster, 10.09.2009 14:07 (ID: 93)

Gymnasium am Rittersberg is powered by MODx. Valid XHTML 1.1 & Valid CSS 2. webmaster@rbg-kl.de