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Die Darstellung dieses Abschnitts der Schulgeschichte ist eine
Zusammenfassung des umfangreichen "Beitrags zur Entwicklungsgeschichte
der Schulen auf dem Rittersberg in Kaiserslautern" von
Oberstudiendirektor Michael Keßelring in der Festschrift zur
Einweihung des Neubaues am 14.2.1958.
Alle Zitate sind dieser Darstellung entnommen.
"Das Gelände, auf dem das heutige Staatl. Neusprachliche Gymnasium
errichtet ist, hat seit dem Jahre 1818 eine reiche schulgeschichtliche
Entwicklung erlebt, so daß es nicht ohne Reiz sein dürfte, den
Schicksalen der Schulformen nachzuspüren, die hier für die Bildung der
Jugend im Dienste der Gemeinschaft unseres deutschen Volkes eine
Heimstätte gefunden hatten. Die jüngste dieser Schulformen - das
Staatl. Neusprachliche Gymnasium - hat seit ihrer Begründung am
20.4.1950 eine kurze Geschichte, besitzt jedoch, gemessen an den
Ereignissen, die sich auf diesem Raume und in ihren Gebäuden abgespielt
haben und kultur- und geistesgeschichtlich mit Kaiserslautern, der
gesamten Pfalz und dem weiteren Vaterlande eng verknüpft sind,
eine längere ehrwürdige Vergangenheit."
Diese "ehrwürdige Vergangenheit", die fast drei Viertel der
Entwicklungsgeschichte der Schule ausmacht, erhielt ihren
entscheidenden Anstoß durch die Eingliederung der Pfalz in das
Königreich Bayern im Jahre 1816 nach den Beschlüssen des Wiener
Kongresses. In diesem Land hatte sich unter König Max Joseph I.
und seinem Minister Graf Montgelas "die Gründung eines modernen
Staates auf politischem, verwaltungsmäßigem und wirtschaftlichem,
aber auch auf dem kirchlichen und kulturellen Gebiet" vollzogen.
Die pädagogische Erneuerungsbewegung des Schweizers Pestalozzi
war in diesem Zusammenhang von großem Einfluß auf die durchgeführten
schulischen Reformen. Zahlreiche Erlasse und Verordnungen regelten das
Bildungswesen, u.a. 1809 ein "Regulativ für die Bildung der
Schullehrer", das eine zweijährige Ausbildung an Seminaren vorsah.
In Bayern wurden zahlreiche Lehrerseminare gegründet; nach der
Eingliederung der Pfalz mußte eine solche Ausbildungsstätte auch für
diesen Landesteil eingerichtet werden. In der neuen Provinz wurde
Friedrich Butenschoen als Kreisschulrat die Leitung des Schulwesens
übertragen. Die Entscheidung für den Sitz eines Lehrerseminars fiel
schließlich auf Kaiserslautern (damals 3500 Einwohner):
"Zur Bildung der Schullehrer wird in Kaiserslautern eine Normal-Schule
errichtet werden, und vom Jahre 1819 angefangen, soll kein Lehrer,
Präzeptor oder Gehilfe angestellt werden, welcher am Anfang nicht
wenigstens ein Jahr Unterricht daselbst erhalten hat und fähig
befunden worden ist."(Kgl. Verordnung vom 20. August 1817)
"Somit war das Lehrerinstitut des Rheinkreises ins Leben gerufen und
konnte nach Überwindung mancher Widerstände am 9. Juli 1818 als
einziges simultanes Schullehrerseminar eröffnet werden,
das 140 Jahre lang treu seiner Aufgabe zu dienen versuchte und Tausende
von Lehrern auf ihr Amt und ihren Dienst im Rahmen der Gemeinschaft
ihres Heimatlandes und des deutschen Volkes vorbereitet hat."
Als Gebäude wurde "ein in der Altstadt von Kaiserslautern auf dem
Rittersberg liegendes Wohnhaus nebst Hof, Scheuer, Stallungen und den
das Haus umgebenden Garten (im ganzen 7000 qm) um die Summe von 14.000
Gulden angekauft."
Für die Wahl Kaiserslauterns hatte die Tatsache
den Ausschlag gegeben, daß hier mit dem Subrektor der Lateinschule,
Friedrich Wilhelm Balbier, ein geeigneter Mann zur Verfügung stand;
er verband Seminar und Progymnasium in Personalunion. Als überzeugter
Anhänger Pestalozzis hat Balbier "einen umfangreichen, wohl
gegliederten, systematischen Pädagogikunterricht erteilt, als dessen
Teilgebiete Seelenlehre, Erziehungslehre, Schulzucht und
Unterrichtslehre gepflegt wurden."
1824 wurden erste bauliche Erweiterungen genehmigt; ein Neubau,
"massiv aus rotem Sandstein aufgeführt", wurde errichtet.
Welchen hervorragenden Eindruck die Schule insgesamt nach einigen
Jahren hinterließ, zeigt eine Äußerung des bedeutenden Pädagogen
Diesterweg nach einem Besuch 1829 in den "Rheinischen Blättern":
"Wer ein schönes Seminar mit schönen jungen Leuten sehen will, gehe
nach Kaiserslautern im bayerischen Rheinkreise; es ist eine wahrhaft
königliche Anstalt. Wenn man die Zöglinge anderer Anstalten kennt,
so wird man in Lautern durch äußere Gewandtheit, Liebenswürdigkeit
und Rührigkeit, wie durch Frische und Fülle der Gesichter und den Glanz
der Augen auf das angenehmste überrascht. Und lernt man sie in den
Lehrstunden kennen, so vermißt man auch die geistige Frische nicht
und findet im allgemeinen sehr gute, ja vorzügliche Kenntnisse,
Bestimmtheit und Gewandtheit im mündlichen Ausdrucke, kurz
Beschaffenheiten und Verhältnisse, wie sie nur zu wünschen sind."
Früh setzen Bestrebungen ein, die konfessionelle Trennung zu erreichen,
war es doch eine Ausnahme, daß protestantische, katholische und
jüdische Schüler an einer Schule ausgebildet wurden. Balbier erlebte
die Trennung im Jahre 1838 und die Gründung eines katholischen
Lehrerseminars in Speyer nicht mehr. Er war bereits 1832 kurz nach
seiner frühen Pensionierung mit 55 Jahren verstorben. Mit ihm hatte die
Schule nicht nur ihren ersten Direktor, sondern auch eine der
bedeutendsten Persönlichkeiten ihrer Geschichte verloren.
In der Folge wurden ausschließlich Angehörige des geistlichen Standes
zu Direktoren ernannt (Nikolaus Zöller, Johann Georg Wagner, Johannes
Zorn, Adolf Petersen).
Sie besaßen "kein echtes Verhältnis zu ihrer eigentlichen Aufgabe (...)
, nämlich aus der pädagogischen Idee heraus den Geist der Anstalt
zu gestalten und auf empfängliche, bildungshungrige Jünglinge
begeisternd zu wirken. Sie zeigen sich alle von der
politisch-konservativen Einstellung der Reaktionszeit und der streng
kirchlich-orthodoxen Richtung ihrer Zeit durchdrungen, so daß kein
froh schaffendes, echtes Leben und Streben hinter den Seminarmauern
herrschen konnte."
Diese Zeit der Restauration und Reaktion brachte neben
organisatorischen Änderungen, so z.B. der Einführung des
Präparandenunterrichts vor dem Seminarbesuch, eine deutlich vom Geist
der Zeit bestimmte, veränderte Zielsetzung in der Lehrerbildung:
"Gemüts- und Charakterbildung" stehen vor "Verstandesbildung, da diese
'Wissensdünkel, Anmaßung und Ungehorsam erzeuge und die Lehrer der
patriotischen Haltung beraube'." (Normativ für die Bildung der
Schullehrer 1857).
Im Jahre 1866 allerdings wurden in einem weiteren Normativ die Aufgaben
der Volksschule und die der Ausbildung ihrer Lehrer weitaus
fortschrittlicher formuliert:
"Die deutsche Volksschule hat die Bestimmung, die ihr anvertraute
Jugend in denjenigen Kenntnissen und Fertigkeiten zu unterrichten,
welche die notwendige Bedingung zur weiteren Ausbildung für das
häusliche und Berufsleben nach den vorgeschrittenen Zeitverhältnissen
bilden. Die deutsche Volksschule hat aber noch die weitere Aufgabe,
die ihr anvertraute Jugend religiös und sittlich zu erziehen. Die
Bildung, welche der Schullehrer erhält, muß denselben befähigen, diese
der Volksschule gestellte Doppelaufgabe in befriedigendem Maße zu lösen
. Ihr Ziel besteht demnach darin, dem künftigen Lehrer einerseits eine
wahre religiös-sittliche Erziehung auf der Grundlage des positiven
Christentums zu geben und andererseits ein gründliches Wissen und
Können der für die Volksschule vorgeschriebenen Lehrgegenstände,
Tüchtigkeit und Gewandtheit innerhalb dieses Gebietes, sowie die
erforderliche Geschicklichkeit und Lehrgewandtheit zu verschaffen,
um den jugendlichen Geist zu wecken und zur lebendigen und allseitigen
Erfassung des gebotenen Unterrichtsstoffes zu führen."
Mit der Reichsgründung Bismarcks trat dieser veränderte Geist -
zunehmend getragen von einem fortschrittlich gesinnten Bürgertum -
immer stärker in Erscheinung.
Volkserziehung und Schulbildung - die kulturellen Aufgaben lagen
weiterhin bei den Ländern - wurden in ihrer Bedeutung für den neuen
nationalen Staat erkannt.
"In dieser aufgeschlossenen Zeit bringt die Gunst der Stunde einen
ausgezeichneten Mann mit hervorragender Bildung, starker Schaffenskraft
und innerer Begeisterung für sein neues Amt im jugendlichen Alter von
28 Jahren an die Spitze des Kaiserslauterer Schullehrerseminars. Es
war dies Dr. Carl Andreae, der durch 4 Jahrzehnte hindurch (1869-1909)
der Anstalt seinen Geist aufprägte, mit großem Erfolg ihre Geschicke
leitete."
Andreae, in seiner pädagogischen Grundhaltung sehr stark von Herbart
geprägt, dessen Auffassungen die Erziehungswissenschaft seiner Zeit
bestimmten, war ein Mann, "dem die Beschäftigung mit der Wissenschaft
der Pädagogik innerstes Bedürfnis seines Geistes und Herzens war und
dem die Ausbildung eines tüchtig durchgebildeten, selbständig
denkenden, für seinen Beruf begeisterten Lehrerstandes eine lockende
Lebensaufgabe bedeutete. In seinen Studienjahren zur Erfüllung des
vorgeschriebenen Bildungsweges für die Examina und in freiem
Bildungsstreben durch die Berührung mit den führenden Köpfen der
damaligen pädagogischen Hauptströmung in Deutschland hatte sich
Andreae im Gegensatz zu seinen Vorgängern eine feste pädagogische
Überzeugung erworben, die ihn zu einem Diener der pädagogischen Idee
nach ihrer theoretischen Durchbildung und in ihrer praktischen
Erweisung im Alltag der Schule und des öffentlichen Lebens werden ließ.
"
Der Leiter der Schule, der "die pädagogischen Fächer ganz in seine
Hand" nahm, versammelte tüchtige Kollegen um sich. Er war aber nicht
nur Lehrer, sondern er machte auch durch zahlreiche
erziehungswissenschaftliche Veröffentlichungen auf sich aufmerksam;
seine politische Tätigkeit gipfelte in seiner Wahl als Abgeordneter
der liberalen Partei in den bayerischen Landtag (1895-1907). Als er
1909 nach 40jähriger Tätigkeit an der Schule in den Ruhestand versetzt
wurde - 1907 war er für seine Verdienste zum königlichen Studienrat
ernannt worden - erhielt er noch einen Ruf als Privatdozent für
systematische und historische Pädagogik an die Universität München.
Andreae wurde auch zum ersten Geschichtsschreiber der Schule, als er
1872 in der Schrift "Erster Jahresbericht des Kgl.-Bayr.
Schullehrerseminars Kaiserslautern" das erste halbe Jahrhundert der
Entwicklung dieser Anstalt darstellte.
Da die Schülerzahl am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts
sehr stark anstieg - 1879 wurde die zweiklassige Anstalt auf fünf
Kurse vergrößert -, nahm man 1887/88 eine bauliche Erweiterung vor
(Schülerzahlen: 1872 - 56, 1882 - 215, 1892 - 162, 1902 - 155, 1912 -
288, 1922 - 292, 1932 - 206). Es entstand das große Lehrsaalgebäude
an der Ludwigstraße und eine Turnhalle, so daß die Anstalt damals "fünf
Gebäude, zwei Höfe und einen großen Garten umfaßte". Hinzu kam 1906
der Erwerb des Schwagerschen Anwesens, wohin die 1914/15 erweiterte
Seminarübungsschule verlegt wurde.
Die beiden Nachfolger Andreaes, Johann Georg Vogel und Albert Fritz,
aus dem Seminarlehrerstande hervorgegangen und in Franken geboren,
mußten in den schwierigen Zeiten des Krieges und der Nachkriegszeit
ihre Tätigkeit ausüben. "Mit Sachkenntnis, Verantwortungsbewußtsein
und Treue haben sie ihres Amtes gewaltet und waren sich der
Verpflichtung gegenüber dem angetretenen Erbe Dr. Andreaes bewußt.
Doch konnten sie erst im vorgerückten Alter, dazu in neuartiger
Landschaft und anders gewachsenen und gearteten Verhältnissen ihr
Amt antreten, in dem sie bald ihre Kräfte verzehrten, so daß jeder
dieser Männer nur jeweils sieben Jahre seine Stellung bekleidet hatte."
Im Jahr 1912 wurde die Ausbildung an den Lehrerbildungsanstalten
Bayerns auf sechs Jahre ausgedehnt; damit war ein Ziel erreicht,
das bereits Andreae angestrebt hatte. In turbulente Zeiten fiel
schließlich das 100jährige Jubiläum der Schule, so daß die zweite
Chronik der Anstalt, die "Geschichte der Lehrerbildungsanstalt
Kaiserslautern von 1818-1918 (Eine Festgabe zu ihrem Jubiläum nach
meist ungedruckten Quellen, verfaßt von Seminardirektor A. Fritz)"
erst 1919 im Verlag Eugen Crusius erscheinen konnte.
Als am 1. Oktober 1924 Konrad Gleber die Leitung der Schule übernahm,
hatten sich in der Weimarer Republik und vor allem auch in der Pfalz
die politischen und wirtschaftlichen Ver-hältnisse normalisiert.
"Der neuberufene Oberstudiendirektor, ein Sohn der Pfalz (geboren am
9.6.1883 in Wachenheim), ist aus dem Kreise der Lehrerbildner
hervorgegangen, hatte in München Erziehungswissenschaft, Geschichte
und Erdkunde studiert, entstammte dem heimatlichen Boden und war mit
den Verhältnissen an der Anstalt aufs engste verwachsen. Mit 41 Jahren,
auf der Höhe des Lebens stehend, konnte K. Gleber als ein Mann mit
großen Lebens- und Schulerfahrungen und als Pädagoge aus Neigung,
der auch mit der Theorie der Pädagogik gründlich vertraut war, sein Amt
antreten, für das er 25 Jahre lang in zielklarer, pflichtbewußter,
nimmermüder Weise sein Wollen und Wirken einsetzen konnte. Mit Ruhe und
Besonnenheit hielt er die Zügel des Anstaltlebens und der Verwaltung
straff in der Hand, war ein stets korrekter, wohlwollender Vorgesetzter
, warmherzig und gerecht im Umgang mit den Schülern, wußte anzuregen,
anzuerkennen und Leben zu wecken, so daß für die Lehrerbildungsanstalt
und ihre Folgeanstalten eine gesegnete, erfolgreiche Epoche ihrer
Entwicklung heraufzog."
In den ersten Jahren seiner Leitung wurden vor allem bauliche
Modernisierungen vorgenommen; so entstand ein Physik- und Biologieraum.
1926 wurde in der Eingangshalle ein Ehrenmal für die im ersten
Weltkrieg gefallenen Lehrer und Schüler eingeweiht.
Mit der Machtübernahme Hitlers konnte die "Lehrordnung" von 1931,
die u.a. die englische Sprache als Hauptfach einführten, keinen Bestand
haben, und auch die neue "Lehrordnung" von 1934, die "den Lehrstoff
nach den Erziehungs- und Unterrichtszielen des Nationalsozialismus"
gestaltet hatte, blieb nur ein Jahr gültig, denn 1935 wurden in Bayern
- wie zuvor in Preußen - Hochschulen für Lehrerbildung eingerichtet.
Für deren Besuch bildete das Abitur die Voraussetzung. Diese
Neuregelung der Lehrerbildung - von der Form her keine
"national-sozialistische Errungenschaft", sondern von der Deutschen
Reichsverfassung von 1919 ("Die Lehrerbildung ist nach den Grundsätzen,
die für die höhere Bildung allgemein gelten, für das Reich einheitlich
zu regeln.") bereits vorbereitet und in der Zeit der Weimarer Republik
heftig diskutiert - bedeutete das Ende der Lehrerbildungsanstalten.
So hörte das Kaiserslauterer Seminar am 6.4.1935 auf zu bestehen;
am 13.2.1937 wurden die letzten Schüler entlassen.
"Rückblick: Die Geschichte von 120 Jahren bayrisch-pfälzischer
Volksschullehrerbildung hatte damit ihr Ende gefunden. Im Wandel der
geschichtlichen Epochen begegnen dabei fruchtbare und unfruchtbare
Zeiten. Doch läßt sich nicht leugnen, daß die Organisation und der
innere Ausbau der Lehrerbildung im 19. und 20. Jahrhundert ständig
vorwärts geschritten sind. Beim Rückblick auf die Geschichte der
Lehrerbildungsanstalt Kaiserslautern aber darf an dieser Stelle
festgehalten werden, daß in diesem Säkulum drei Zeiten glückhafter
Entwicklung sich herausheben. Es sind dies die Amtszeiten unter den
drei Direktoren Balbier zur Zeit der Gründung des
Schullehrerseminariums, unter Andreae in den vier Dezennien des
äußeren und inneren Ausbaues der Seminare zu Lehrerbildungsanstalten
und unter Gleber auf dem Höhepunkt der sechsklassigen
Lehrerbildungsstätte. Die Namen dieser drei Männer sind mit der
Geschichte der Anstalt aufs innigste verbunden."
Wie überall in Bayern wurde auch in Kaiserslautern statt des
aufgelösten Lehrerseminars eine "Deutsche Aufbauschule für Knaben
und Mädchen" errichtet. Leiter der Schule, die aus zwei Abteilungen
bestand (für Jungen am Rittersberg, für Mädchen an der Städt. Höheren
Weiblichen Bildungsanstalt), blieb OStD Gleber. Die "Deutsche
Aufbauschule" als verkürzte Form (Klassen 3-9) der "Oberschule" -
so der neue Name für die Regelform der höheren Schule - führte zum
Abitur, das seit 1938 ein Jahr früher erreicht wurde. "Sie wird in
ländlicher Umgebung körperlich leistungsfähige, begabte und
charakterlich wertvolle Jugendliche aus allen Schichten unseres Volkes
zusammenfassen und zur Reife führen."
Für die auswärtigen Schüler wurde wieder ein "Schülerheim" eingerichtet
. Die Schülerzahl beider Abteilungen kam im Schuljahr 1938/39 auf 466
männliche und 189 weibliche Besucher.
Um den gestiegenen Lehrerbedarf decken zu können, wurden 1941 die
Hochschulen für Lehrerbildung abgebaut und stattdessen wieder
Lehrerbildungsanstalten eingerichtet. So auch in Kaiserslautern; dabei
wurde die Aufbauschule für Mädchen und die Lehrerinnenbildungsanstalt
unter die Leitung von M. Keßelring (dem Verfasser der Chronik in der
Festschrift von 1957) gestellt; K. Gleber blieb Direktor der
entsprechenden Anstalt für Jungen.
Bevor mit dem Zusammenbruch im Jahre 1945 diese schulischen
Verhältnisse ihr Ende fanden, hatten die Bombenangriffe in
Kaiserslautern größte Zerstörungen verursacht. Die Bombardierung in der
Nacht vom 27./28. September 1944 vernichtete die Schulgebäude auf dem
Rittersberg weitgehend; nur der Schlafsaalbau und die Übungsschule
blieben erhalten.
Im Herbst 1945 wurde in Kaiserslautern der Schulbetrieb auf Anordnung
der Militärregierung des französischen Besatzungsgebietes wieder
aufgenommen. Es kam zu einer Neuordnung des Schulwesens, die sich
allerdings erst im Jahre 1950 in ihrer endgültigen Form darstellte. In
diesem Jahr wurde im Zuge der Schulreform des inzwischen geschaffenen
Landes Rheinland-Pfalz aus der früheren Lehrerbildungsanstalt das
Neusprachliche Gymnasium am Rittersberg (20.4.1950), womit in
Kaiserslautern die drei Formen der höheren Schule vertreten waren. Der
Weg dahin war in den Jahren 1945-50 von einigen Änderungen
gekennzeichnet.
Hatte man bei der Wiedereröffnung der Schulen im Oktober 1945 zunächst
einmal eine Aufbauschule für Jungen und Mädchen eingerichtet, so
wurden, nachdem man 1947 den Auslauf dieser Schulform beschlossen
hatte, Klassen der räumlich beengten Oberrealschule an den Rittersberg
verlegt. Aus dieser Filiale entstand mit dem Erlaß vom 22.8.1949 die
selbständige "Oberrealschule II".
Für Kontinuität in dieser turbulenten Zeit sorgte die Tatsache, daß die
Leitung der Schule am Rittersberg in der gleichen Hand blieb. Joseph
Weishaar - hervorgegangen aus dem Lehrerseminarstande - war 1945 zum
Direktor der Aufbauschule ernannt worden und behielt auch die Leitung
der Oberrealschule und schließlich des Neusprachlichen Gymnasiums. Als
OStD Weishaar 1953 im 60. Lebensjahr starb, hat er nicht nur für eine
Konsolidierung des Lehrerkollegiums gesorgt, sondern mit seiner
Forderung nach einem Neubau - die Schule mußte sich immer noch mit den
dürftigen, unzerstörten Gebäuden des alten Seminars begnügen - einen
wichtigen Schritt für die Weiterentwicklung der Schule auf dem
Rittersberg getan.
Mit dem "Staatlichen Bezirksseminar für das höhere Lehramt" unter
Leitung von OStD Keßelring wurde eine wichtige Institution im Bereich
der Lehrerbildung in Kaiserslautern eingerichtet. Dieser verdiente
Schulmann beschloß seine Chronik in der Festschrift von 1958 mit
folgenden Worten:
"Wenn
für die höhere Schule (nach Georg Ried) allgemein gilt,
daß sie
im Rahmen unseres gesamten vaterländischen Bildungswesens als
Hüterin
und Vermittlerin europäisch-abendländischer Kulturwerte und
Kulturhaltung zu gelten hat, die Pflegestätte einer spezifischen
Art
von Geistigkeit und forschender wissenschaftlicher Einstellung in
Auseinandersetzung mit einem reichen Bildungsgut sein soll und in der
Ausbildung für die höheren Berufe zugleich eine
staatspolitische Funktion für die sogen. akademischen Berufe,
für Wirtschaft, Technik und Verwaltung auszuüben vermag, so
erstrebt sie damit zugleich in 9jährigem Heranreifen ihrer
Schüler die Heranbildung freier, selbstverantwortlicher
Persönlichkeiten im Sinne einer sich klärenden edlen
Humanität. Dem Neusprachlichen Gymnasium aber ist es
anheim-gestellt, die deutsche Kultur in ihrer Verwurzelung in der
römischen Kultur und dem Christentum, in ihrer geschichtlichen
Auseinandersetzung mit den westlichen Kulturen der Franzosen und
Anglo-amerikaner und schließlich in ihrer Formung durch das
mathematisch-naturwissenschaftliche Denken der neueren Zeit dem jungen
Menschen zum Verständnis zu bringen. Dabei gilt es, die
menschlichen und natürlichen Werte zu erschließen und die
gestaltenden Kräfte zu entfalten, welche ihre Schüler
dereinst in ihrem persönlichen Leben und bei ihrem
beruflich-gesellschaftlichen Einsatz in ihrem Volk und der weiten Welt
fruchtbar zur Auswirkung kommen lassen sollen. In pietätvoller
Würdigung der reichen bildungsgeschichtlichen Vergangenheit dieser
Schule, im Blick auf die frohbewegte Gegenwart der Einweihung dieses
neuen Schulgebäudes und im Vorblick auf die Zukunft des
Staatlichen
Neusprachlichen Gymnasiums wollen wir den Glückwunsch zum Segen
und
Gedeihen dieser Bildungsstätte für unsere Jugend in einem
Worte des
Freiherrn vom Stein zum Ausdruck bringen:
' Es ist nicht hinreichend, die Meinungen des jetzigen Geschlechts zu
lenken - Viel wichtiger ist es, die Kräfte des folgenden Geschlechts
zu entwickeln.'"
Die Geburtsstunde des Neusprachlichen Gymnasiums schlug am 20.
April 1950. An diesem Tage wurde aus der "Oberrealschule II", die aus
einer Filiale der Oberrealschule am Maxplatz hervorgegangen war, das
Neusprachliche Gymnasium Kaiserslautern. Zum ersten Leiter der
Schule wurde OStD Joseph Weishaar, der auch schon der
Vorgängerschule
vorstand, ernannt. Ihm verblieben jedoch nur drei Jahre, um seiner
neuen Schule - unter denkbar ungünstigen Bedingungen - Profil zu
verleihen. Ein neues Lehrerkollegium mußte zusammengeführt
werden,
und es galt, in schwerer Zeit unter äußerst dürftigen
äußeren
Gegebenheiten einen geregelten Unterricht zu organisieren. Es war daher
nur folgerichtig, daß OStD Weishaar sehr bald einen Neubau der
Schule forderte. Leider war es ihm nicht vergönnt, dieses Ziel zu
erreichen. Er hatte bereits die ersten Verhandlungen in dieser Richtung
aufgenommen, als ein plötzlicher Tod am 16. Juni 1953 seinem
Wirken
ein Ende setzte.
Als Nachfolger von OStD Weishaar übernahm am 1. Oktober 1953 Dr.
Fritz Edelmann die Leitung des Neusprachlichen Gymnasiums. (...)
Die reiche Erziehungs- und Unterrichtserfahrung, die der neue
Schulleiter sich an einer Heimschule (Weierhof) erworben hatte, die
Erlebnisse im Krieg und die Bürde einer mehr als vierjährigen
russischen Gefangenschaft hatten den Menschen Fritz Edelmann geprägt.
Er brachte alle fachlichen und charakterlichen Voraussetzungen mit,
um eine Schule erfolgreich zu leiten. Was er von seinen Lehrern und
Schülern forderte, lebte er ihnen exemplarisch vor.
Die Worte, die sein Nachfolger, OStD Schank, in einem Nachruf zu seinem
Tode fand, um den Menschen und Schulleiter Fritz Edelmann zu
charakterisieren, sollen hier noch einmal wiederholt werden:
Oberstudiendirektor Dr. Fritz Edelmann "führte die Schule, für die er
immer mit großem Engagement eingetreten ist, mit festen Zügeln und
großer Umsichtigkeit. Er legte besonderen Wert auf eine solide und
gründliche Ausbildung seiner Schüler, die er mit väterlich-liebevoller
Strenge anspornte und förderte. Neben der fachlich fundierten
Ausbildung lag ihm die Vermittlung der sozialen Tugenden am Herzen. So
wurde er nie müde, seine Schüler zur Einhaltung ihrer Pflichten, zur
Rücksichtnahme, Höflichkeit, Pünktlichkeit, Ordnung und Arbeitsamkeit
zu erziehen. Dr. Edelmann baute "seine" Schule zu einer anspruchsvollen
Bildungsinstitution aus." Er war "ein leidenschaftlicher Schulmann."
(Arthur Schank: In memoriam Dr. Fritz Edelmann, Jahresbericht 1985 des
Staatl. Gymnasiums am Rittersberg Kaiserslautern, S. 12)
Am 31. Juli 1969 trat OStD Dr. Fritz Edelmann nach 16 Jahren als
Schulleiter in den Ruhestand, nachdem ihn eine schwere Krankheit über
Monate hinweg im Krankenhaus festgehalten hatte.
Wie oben berichtet, hatte bereits OStD Weishaar die ersten
Verhandlungen über den Neubau der Schule begonnen, um aus den
katastrophalen und unwürdigen äußeren Verhältnissen herauszukommen.
Nach dem plötzlichen Tode Herrn Weishaars setzte sein Nachfolger,
OStD Dr. Edelmann, diese Bemühungen intensiv fort. Viele
Schwierigkeiten galt es zu überwinden. Es bedurfte des unermüdlichen
Einsatzes des Schulleiters, des Lehrerkollegiums, des Elternbeirates
und vieler Freunde der Schule, bis endlich im März 1955 die Mittel für
das Neubauvorhaben bewilligt wurden.
Im September 1955 konnte mit dem Bau des Schulgebäudes begonnen werden,
im Juni 1956 feierte man das Richtfest des ersten Bauabschnittes, und
kurz vor Weihnachten waren der Unterrichts- und Verwaltungsflügel
vollendet. Nach den Weihnachtsferien zog man aus dem alten in das neue
Haus. Die ganze Schulfamilie, Lehrer wie Schüler, packte an.
Sofort nach dem Umzug wurde der zweite Bauabschnitt, der den Bau der
Turnhalle mit Aula, des Musiksaals und der Hausmeisterwohnung umfaßte,
in Angriff genommen. Zuerst mußten jedoch die alten Gebäude abgerissen
werden. Als das alte Schulhaus, das trotz aller Mängel über Jahre
hinweg für Lehrer und Schüler zur Heimat geworden war, in Trümmer sank,
erfaßte dies viele mit Wehmut.
Ab Mai 1957 wurde wieder gebaut. Während der Sommerferien wurde der
Rohbau des Turnhallengebäudes fertiggestellt, und am 23.August 1957
war zum zweiten Mal Richtfest. An der Stelle der alten
Seminarübungsschule entstand gleichzeitig die neue Hausmeisterwohnung.
Parallel zum Innenausbau etstanden auch die Außenanlagen.
So konnte die Einweihung des neuen Hauses am 14. Februar 1958 festlich
begangen werden. Am Morgen dieses Tages nahm die Schulgemeinde mit
einem Festakt in der neuen Aula ihr neues Haus in Besitz.
Nach Begrüßungs- und Dankesworten des Schulleiters sprachen
Kultusminister Dr. Orth und OStD Prof. Michael Keßelring, der in seiner
Festansprache 140 Jahre Schulgeschichte auf dem Rittersberg
vorüberziehen ließ. Mit dem "Halleluja" aus Händels "Messias",
gesungen und gespielt von Schulchor und Schulorchester, klang der
Festakt aus. Eine besondere Note erhielt der Festtag am Abend durch die
Uraufführung des Problemstückes "Völkermarkt" von Wolfgang Schwarz.
Der Autor, damals Studienreferendar an unserer Schule, hatte sein Stück
mit Schülern der Oberprima einstudiert. (Da wir damals noch eine reine
Jungenschule waren, mußte man für die einzige weibliche Rolle eine
Schülerin des heutigen Burggymnasiums, seinerzeit noch HWB geheißen,
als Gast verpflichten). Am Samstag, 15. Februar 1958, klangen die
Festlichkeiten nach Gottesdiensten in der Luther- und Martinskirche mit
einer Feierstunde der Schulgemeinde in der neuen Aula aus. Ein langer
Traum war wahr geworden.
Das Staatliche Neusprachliche Gymnasium Kaiserslautern hatte mit dem
Bezug des Neubaus im Februar 1958 seine endgültige Bleibe auf dem
traditionsreichen Rittersberg gefunden. Diese Tatsache fand darin
ihren Ausdruck, daß mit Erlaß des "Ministeriums für Unterricht und
Kultus" vom 5. Juli 1960 die Schule umbenannt wurde in "Staatliches
Neusprachliches Gymnasium am Rittersberg", Kaiserslautern.
Mit Beginn des Schuljahres 1966/67 erhielt unsere Schule die
Genehmigung, in der Oberstufe (ab Klasse 11) neben dem neusprachlichen
auch einen mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig einzuführen.
Dies hatte zur Folge, daß der Schulname erneut geändert werden mußte.
Seit dem 1. April 1966 trug die Schule daher den Namen "Staatliches
Gymnasium am Rittersberg" (neusprachlich und mathematisch-
naturwissenschaftlich) Kaiserslautern.
In diesem Zusammenhang sind hier zwei wichtige Anordnungen zu nennen:
Zum einen, daß es für die Sextaner des Schuljahres 1960/61 keine
Aufnahmeprüfung mehr gab. Die Sextaner wurden von nun an dann
aufgenommen, wenn sie ein positives Gutachten ihres Volksschullehrers
vorlegen konnten. Zum anderen traten mit Beginn des Schuljahres 1965/66
eine Reihe einschneidender Veränderungen des Schulbetriebs in Kraft:
Es gibt nur noch zwei Fremdsprachen (Englisch und Latein oder Englisch
und Französisch)
Die dritte Fremdsprache ab der Obertertia ist nur noch fakultativ
(Französisch oder Latein).
Zu Beginn der Oberstufe (11. Klasse) besteht die Wahlmöglichkeit
zwischen dem sprachlichen und dem mathematisch-naturwissenschaftlichen
Zweig.
Zu Beginn des darzustellenden Zeitraums besuchten die Schule 333
Schüler in 12 Klassen. 18 Lehrer unterrichteten sie. Sie war also eine
kleine Anstalt. Aus ihr war am Ende des Berichtszeitraums eine große
Schule mit 843 Schülern in 28 Klassen bzw. Kursen geworden, die von 37
Lehrern unterrichtet wurden. In diesem starken Ansteigen der
Schülerzahl spiegelt sich einmal der allgemeine Trend im deutschen
Bildungswesen, der eine bessere Schulbildung für eine größere Zahl von
Kindern erstrebte, wider, aber auch das große Ansehen, das sich das
Gymnasium am Rittersberg in den Jahren unter der Leitung von OStD Dr.
Edelmann in unserer Stadt und in ihrem Umland erworben hatte.
Viele Veranstaltungen, die aus dem Leben unserer Schule heute nicht
mehr wegzudenken sind, wurden in den 50er und 60er Jahren initiiert.
Ich möchte drei Aktivitäten beispielhaft anführen:
Die Skischullandheimaufenthalte, die von dem damaligen Sportlehrer,
Herrn Bell, ins Leben gerufen worden waren. Schülereltern beteiligten
sich sogar am Ausbau der Hütte auf dem Schnepfenried in den Vogesen,
indem sie Bausteine kauften, die zur jahrelangen kostenlosen Benutzung
der Hütte berechtigten.
Die Schullandheimaufenthalte auf der Nordseeinsel Föhr, wo die
einmaligen örtlichen Gegebenheiten zu einem intensiven Fachunterricht
(Biologie, Erdkunde, Geschichte, Deutsch) genutzt wurden.
Die Wandertage mit gemeinsamen Zielen für alle Klassen. Ein Sonderzug
der Bundesbahn brachte alle Schüler in ein ausgewähltes Gebiet, das
jede Klasse je nach Kraft und Können erwanderte. Der Autor dieser
Zeilen, der diese Form des Wandertages zusammen mit Herrn Dr. Edelmann
ins Leben gerufen und organisiert hat, freut sich sehr, daß in den
letzten Jahren diese Tradition wieder aufgelebt ist.
Wenn die Schule am Rittersberg in Kaiserslautern auf ein 175jähriges
Bestehen zurückblicken darf, so zeigen schon die unterschiedlichen
Benennungen und damit Zielrichtungen der pädagogischen Institute, die
im Laufe der Zeit am Standort des heutigen Gymnasiums am Rittersberg
nacheinander folgten, daß sich auch - wenn nicht besonders - im Bereich
des Schulwesens das Wort des Philosophen Arthur Schopenhauer aus
seinen "Parerga und Paralipomena" bestätigt: "Der Wechsel allein ist
das Beständige".
Was alles an einschneidenden Reformen und beiläufigen Änderungen
infolge der auferlegten Anpassungen an den sich stets wandelnden
Zeitgeist, dominierende politische Strömungen, ideologische Vorgaben,
modernistische Intentionen der Didaktik und Methodik hat die Schule im
allgemeinen und das Lehrinstitut am Rittersberg im besonderen in 175
Jahren bewältigen müssen, um den immer wieder geänderten Vorschriften
und Ansprüchen der weisungsberechtigten Instanzen gerecht zu werden!
Als ehemaliger Leiter des Gymnasiums am Rittersberg von Dezember 1969
bis Juli 1987 entspreche ich gern dem Wunsche meiner Kollegen, einige
Gesichtspunkte meiner siebzehneinhalbjährigen Mitwirkung am
Schulgeschehen, damit genau an einem Zehntel des Zeitraumes seit dem
Bestehen der Schule am Rittersberg, zu umreißen oder stichwortartig
anzuführen, um an dieser Zeitspanne, wohl auch beispielhaft für die
anderen Zeitabschnitte der Schulhistorie, deutlich zu machen, daß es
zum Schicksal einer Schule gehört, mit den steten Änderungen der
Struktur und Einzelforderungen zurechtzukommen, aber trotz aller
Wandlungen dem verpflichtenden Grundzweck der Bildung und Erziehung
junger Menschen im weiten Maße treu zu bleiben.
Eine Rückschau auf die Jahre meiner Tätigkeit beim Gymnasium am
Rittersberg läßt mich vor allem die folgenden Aspekte, die teilweise in
Verknüpfung zueinander zu sehen sind, erkennen:
- Strukturelle Veränderungen und häufige Neuerungen, verbunden mit
einer komplizierter werdenden Unterrichtsorganisation und Zunahme der
Verwaltungsarbeit;
- Intensivierung der Schülerbetreuung;
- Ausweitung der freiwilligen Schul- und Schüleraktivitäten;
- Bewältigung der permanenten Raumenge.
"Es beharret im Wechsel ein ruhiger Geist" (Schiller, "Worte des
Glaubens")
(...) Nachdem ich meinen Dienst beim Gymnasium am Rittersberg
aufgenommen hatte, schien es mir vorteilhaft zu sein, die Jungenschule,
die als frühere koedukative Schule 1950 das letzte ihr zugehörige
Mädchen mit Abitur entlassen hatte, wieder in eine Koedukationsschule
umzuwandeln. Es war nur schwer einzusehen, daß Kinder, die in einer
Klasse der Grundschule zusammensaßen, daß Jungen und Mädchen einer
Familie beim Besuch einer höheren Schule getrennte Wege nehmen müßten.
Es konnte kaum schaden, daß junge Menschen, gründlicher als bei
geschlechtsspezifischen Schulen möglich, die Eigenheiten der Vertreter
(innen) des anderen Geschlechts kennenlernten, wenn sie sich im
Klassenraum und im Schulhof begegneten, daß das Spannungsverhältnis
zwischen den Geschlechtern gelöster wurde. Weiterhin sind gemischte
Gruppen ein Vorzug für Schulchor, Schulorchester und Schultheater, und
eine natürliche Rivalität zwischen den Geschlechtern kann den
Unterricht beflügeln.
Nach eindeutiger Zustimmung des Lehrerkollegiums (am 8. Januar 1970)
und des Schulelternbeirats (am 27. Januar 1970) genehmigte das
Kultusministerium mit Schreiben vom 23. April 1970, daß das Staatliche
Gymnasium am Rittersberg (neusprachlich und mathematisch-
naturwissenschaftlich) Kaiserslautern mit Beginn des Schuljahres
1970/71, also vom 27. August 1970 an, als Koedukationsschule geführt
werden dürfe. Mit gleichem Datum nahm übrigens das Gymnasium an der
Burgstraße, zuvor Mädchenschule, zum erstenmal Jungen auf. Der Anteil
der Schülerinnen an der gesamten Schülerschaft des Gymnasiums am
Rittersberg wuchs sehr schnell und lag in den letzten Jahren meiner
Tätigkeit an der Schule bei etwa 37 %. Man darf den Schülerinnen
bestätigen, daß sie mit ihren unterrichtlichen Leistungen, ihren
zupackenden Hilfen und ihren Initiativen - auch bei der Übernahme der
Aufgabe als Schülersprecherin - Erfreuliches zum Schulgeschehen
beigetragen haben.
Meine Anfangsjahre am Rittersberg brachten noch die
Auseinandersetzungen mit den Nachwehen des Gedankengutes der
Studentenrevolte von 1968, die auf die Gymnasien übergegriffen hatten.
Kleine fanatisierte Gruppen und von sich und ihrer Mission überzeugte
Einzelne probten durch tägliches Verteilen von Flugblättern, durch
Wandschmierereien und sonstige Aktivitäten den Aufstand gegen die
staatlichen Institutionen und damit auch gegen die "Repression" der
Schule. In ihrer unkontrollierten Freiheitstrunkenheit und
Anarchiebesessenheit propagierten sie auch die Umkehrung aller Werte
und (das Chaos der) Gesetzlosigkeit, wobei dann manch Gutwilliger in
den Strudel des Rausches gezogen wurde. Doch letztlich versandete das
Aufbegehren durch die Standhaftigkeit der Lehrerkollegien, die zwar
Tag für Tag dem Unfrieden konfrontiert waren, ihre Schüler aber zur
besseren Einsicht bringen konnten.
Zwei Merkwürdigkeiten, die in lockerem Zusammenhang mit dem Aufbegehren
stehen könnten, seien am Rande noch vermerkt. Am 11. September 1970
erreichte das Gymnasium am Rittersberg die erste Bombendrohung durch
einen anonymen Anrufer. War man bei diesem Novum auch davon überzeugt,
daß es sich um einen üblen Scherz handle, so mußten vorsorglich eben
doch Sicherheitsmaßnahmen zum Wohle der Schüler getroffen werden.
Planmäßige Vorgehensweise der Schule führten Nachahmer sehr schnell zu
der Überzeugung, daß sich ihr Tun wegen der Erfolglosigkeit nicht lohne
.
An beiden Tagen des 12. und 13. November 1970 kam es zum ersten Male
zum Streik von Oberstufenschülern der Kaiserslauterer Gymnasien. Die
streikenden Schüler diskutierten am 12. November auf dem
Rathausvorplatz und am 13. November im Innenhof des Hohenstaufen-
Gymnasiums über den von ihnen abzulehnenden Beschluß der
Kultusministerkonferenz, die Lehrerausbildung künftig für die
Sekundarstufe I und die Sekundarstufe II getrennt vornehmen zu wollen,
ihnen die Lehrbefähigung also nur für eine dieser Schulstufen zu
gewähren. In einer sonderbaren Verkehrung des teilweise scharfen
Protestes gegen allerlei unliebsame Gepflogenheiten der Schule traten
die Streikenden nunmehr für die Auffassung der Gymnasiallehrer ein, daß
ihre Ausbildung nach wie vor für alle gymnasialen Schulstufen zu
gelten habe. Doch Schülerstreik konnte andererseits nicht geduldet
werden.
So unangenehm die Protestaktionen der "Achtundsechziger" für die
staatlichen Organe auch gewesen sein mögen, so trugen sie doch
sicherlich dazu bei, daß von 1969 an eine Reformlawine im Bildungswesen
losgetreten wurde. In unserem Bundesland liefen Schulversuche an
durch die Einrichtung von Ganztagsschulen, Reformierung der Oberstufe
(bei uns "Mainzer Studienstufe" genannt), Erprobung der Fünftagewoche
für die Schulen, Einführung von Sonderklassen zur Verkürzung der
Schulzeit (heute wieder eine aktuelle Frage). Für Schüler der Oberstufe
entfielen die Betragens- und Mitarbeitsnoten. 1970 erschien der
"Strukturplan für das Bildungswesen", vorgelegt vom Deutschen
Bildungsrat, und eine "Bund-Länder-Kommission für Bildungswesen"
wurde ins Leben gerufen. Rheinland-Pfalz brachte eine neue
"Schulordnung für die öffentlichen Gymnasien des Landes Rheinland-Pfalz
" sowie nunmehr verbindliche "Rahmenrichtlinien für
Schülermitverantwortung" am 3. August heraus, worin zum erstenmal die
Einrichtung eines Schulausschusses (mit Lehrer-, Schüler- und
Elternvertretern) vorgeschrieben und Regelungen für die
Notenermittlung dargelegt wurden. Man führte am 1. August den
Sexualkundeunterricht ein und verordnete am 21. Dezember eine
neugefaßte "Ordnung der Reifeprüfung der Gymnasien des Landes
Rheinland-Pfalz", worin die Teilnahme von Gästen an der mündlichen
Prüfung, die Eröffnung der Noten des schriftlichen Prüfungsteils und
die Mitteilung der mündlichen Prüfungsfächer an die Schüler enthalten
sind.
Das Jahr 1971 bescherte weitere Neuerungen, die zusätzliche
Verwaltungsarbeit forderten, so die Übernahme der Fahrtkosten
auswärtiger Schüler bei entsprechender Entfernung der Wohnung von der
Schule durch das Land, die gesetzliche Unfallversicherung für Schüler
und Studenten, eine Ordnung für Schülerzeitungen, einen Erlaß zur
Regelung der Leistungsverweigerung von Schülern, das
Bundesausbildungsförderungsgesetz und ein Personalvertretungsgesetz.
Hatten sich Schulleitung und Lehrer mit den neuen Vorschriften
vertraut gemacht, um den Rechtsverhältnissen zu genügen, so ließ man
sie auch 1972 nicht zur Ruhe kommen, denn sie mußten jetzt Kenntnis
nehmen von der neuen "Dienstordnung und Konferenzordnung für die Leiter
und Lehrer an staatlichen Gymnasien in Rheinland-Pfalz", sollten
Bescheid wissen über die am 7. Juli herausgegebene Vereinbarung der
Kultusministerkonferenz über die Neugestaltung der gymnasialen
Oberstufe (meist "Kollegstufe", in Rheinland-Pfalz "Mainzer
Studienstufe" - MSS - bezeichnet), studierten die neuerschienenen
Stundentafeln für die Sekundarstufe I (Klassen 5 bis 10), machten sich
wieder einmal an die Lektüre einer Neufassung der Schulordnung und der
Rahmenrichtlinien für Schülermitverantwortung (vom 28. August 1972),
waren aber auch interessiert an den Festlegungen eines rollierenden
Feriensystems, das die Kultusministerkonferenz mit Beschluß vom 4.
Juli 1971 vereinbart hatte.
Der Eifer der Bildungspolitiker war nicht zu bremsen. Am 15. Juni 1973
verabschiedeten Bund und Länder einen "Bildungsgesamtplan", von dessen
Vorgaben die Einrichtung von Gesamtschulen, die Form einer
Orientierungsstufe (Klassen 5 und 6) sowie die Art der Lehrerbildung
umstritten blieben. Während dieses Jahres 1973 legte die
Kultusministerkonferenz eine Erklärung zur Stellung des Schülers in der
Schule vor. Zu Beginn des Schuljahres 1973/74 führte das Gymnasium am
Rittersberg nach Zustimmung der Schulgremien und des Kultusministeriums
mit 29 weiteren Gymnasien in Rheinland-Pfalz bereits die Mainzer
Studienstufe ein, wenngleich die verpflichtende Übernahme der
Oberstufenreform erst zwei Jahre später erfolgen mußte. Zu dieser Zeit
erschienen auch für die einzelnen Lehrfächer sehr umfangreiche und
anspruchsvolle "Entwürfe der Curricula für die Mainzer Studienstufe",
denn man orientierte sich in einem Fach von nun an nicht mehr an einem
schlichten Lehrplan, sondern an einem Curriculum.
Das Jahr 1974 bot eine Schrift des Deutschen Bildungsrates zur
Neuordnung der Sekundarstufe II (Klassen 11 bis 13), eine
KMK-Vereinbarung zur Lehrerbildung. 41 weitere Gymnasien des Landes
waren bereit, die MSS vorzeitig einzuführen. Im Jahre 1974 mußten die
Schulen Lehrer benennen, die bereit waren, als Sicherheitsbeauftragte
zu fungieren. Probeweise wurde ein schulfreier Samstag an den Schulen
des Landes eingeführt, anfänglich war dies der 2. Samstag eines Monats,
wenig später jedoch der erste, wobei die ausgefallenen Stunden
weitgehend an Schultagen nachzuholen waren. An dieser Stelle sei schon
erwähnt, daß seit 16. August 1979 probeweise ein weiterer Samstag als
unterrichtsfrei erklärt wurde.
Mit dem 1. Januar 1975 ergaben sich mit dem Inkrafttreten eines neuen
Schulgesetzes in Rheinland-Pfalz vor allem für die Gymnasien recht
einschneidende Veränderungen dadurch, daß jetzt nicht mehr das Land,
sondern die Städte und Landkreise nicht nur Baukostenträger, wie seit
einer Reihe von Jahren, sondern auch Sachkostenträger aller Schulen
ihres Bereiches - mit Ausnahme der Aufbaugymnasien - wurden, d.h. alle
Kosten zum Unterhalt der Schulen sowie Löhne und Gehälter der ihnen
von nun an unterstellten Verwaltungs- und Reinigungskräfte (nicht aber
der Lehrer) zu übernehmen hatten. Die Einstellung einer Sekretärin oder
eines Hausverwalters z.B. oblag nicht mehr dem Gymnasialschulleiter,
sondern der Stadtverwaltung. Mit der vom neuen Schulgesetz betonten
Gleichrangigkeit der Schularten war verbunden, daß es für die Grund-
und Hauptschulen keine beaufsichtigenden Schulräte mehr vor Ort gab,
sondern Regierungsschulräte bei der Bezirksregierung, und die Gymnasien
waren jetzt nicht mehr unmittelbar dem Kultusministerium unterstellt,
sondern einer neugeschaffenen Mittelinstanz bei der jeweiligen
Bezirksregierung.
Manchen Kummer bereitete der Schule die Tatsache, daß seit 1. Januar
1975 die Volljährigkeit allgemein auf den Zeitpunkt der Vollendung des
18. Lebensjahres herabgesetzt wurde. Benachrichtigungen (auch
schriftliche Tadel) mußten nunmehr dem volljährigen Schüler, aber nicht
den Eltern zugehen. 1975 mußte auch die Landesverordnung über die
Wahlen der Elternvertretungen an den Schulen in Anlehnung an das neue
rheinland-pfälzische Schulgesetz geändert werden. Einheitliche
Forderungen der Reifeprüfung, jetzt Abiturprüfung genannt, gingen den
Gymnasien auch zu. Der zweite Samstag eines Monats wird verpflichtend
zum unterrichtsfreien Tag. Eine "Ordnung der Abiturprüfung an den
Gymnasien mit neugestalteter Oberstufe", die erstmals 1976 anzuwenden
war, erschien. Regelungen über eine freiwillige Facharbeit auf der
Oberstufe traten in Kraft, und eine "Ordnung über die
Schülermitverantwortung" wird gültig.
Wenn wohlmeinende Gemüter besorgt meinten, daß die Schule für eine
erfolgversprechende Arbeit der Ruhe bedürfe, so verstanden sie in ihrer
Einfalt die Zeichen der Zeit nicht, waren doch Reformeifer und damit
Unruhe und Betriebsamkeit angesagt. Die Oberstufenreform bedurfte in
der Folge einer Vielzahl an Einzelregelungen, weil das komplizierte
Gefüge ihres Kurssystems (statt der herkömmlichen Klassen) bei
weitgehender Fächerwahl und Schwerpunktbildung der Schüler in der
Schulpraxis immer neue Fragen aufwarf, so daß die anbrandende
Papierflut der Normierungen, Typisierungen, Ausnahmeregelungen und
Forderungskataloge nicht verebben wollte. Aber auch andere Vorschriften
wurden nach wie vor neugefaßt.
So galt vom 1. April 1976 an eine revidierte "Dienstordnung für die
Leiter und Lehrer an öffentlichen Schulen in Rheinland-Pfalz", seit 1.
Juli dieses Jahres wiederum eine Neufassung der "Ordnung für
Lehrerkonferenzen an öffentlichen Schulen in Rheinland-Pfalz", seit 6.
Juli eine Änderung der "Landesverordnung über die Wahlen der
Elternvertretungen", und am 28. Oktober 1977 trat eine neue
"Landesverordnung über die Abschlußprüfung an den Gymnasien und den
beruflichen Gymnasien des Landes Rheinland-Pfalz" nach nur zweijähriger
Gültigkeit der vorausgehenden Abiturprüfungsordnung in Kraft. Es
folgten am 5. Mai 1978 eine geänderte und umfangreichere
"Landesverordnung über die Zeugnisse und Versetzungen an den
Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien" (gültig ab 1. August 1978),
am 11. Mai 1978 eine "Landesverordnung über die Schulordnung für die
öffentlichen Hauptschulen, Realschulen, Gymnasien und Kollegs" (gültig
ab 1. August 1978) und am 7. Februar 1979 eine "Landesverordnung über
die Oberstufe des Gymnasiums" (MSS-Ordnung, gültig mit Beginn des
Schuljahres 1979/80, und zwar zuerst für die Jahrgangsstufe 11).
Mit den Veränderungen, wie sie hier aufgezeichnet sind, ging auch
manche Begriffsänderung einher, z.B. konnten die Hauptabschnitte der
Oberstufe nun nicht mehr als "Klassenstufen" bezeichnet werden, denn
Klassen gab es hier nicht mehr, sondern als "Jahrgangsstufen", und seit
der zuletzt genannten Zeugnis- und Versetzungsordnung heißt es im
Zeugnis eines Schülers nicht mehr "Betragen", sondern "Verhalten".
Die vorgeführte Auswahl an normierenden verbindlichen Vorschriften
möge genügen, den Auf- und Umbruch im Schulwesen, insonderheit des
Gymnasiums, zu belegen. Es ging letztlich darum, die überkommene
autoritäre Schule der Vorkriegszeit zu überwinden und mehr den
Leitbildern der Demokratie anzupassen, vor allem durch Stärkung des
Schüler- und Elternrechts. Unbegründetes autoritäres Verhalten,
obrigkeitslüsternes Verfahren und willkürliches Tun seitens der
staatlich Beauftragten im Schulwesen sollten ausgemerzt werden,
Schüler und Schülereltern mit der Einräumung größerer Mitwirkungsrechte
aber auch zugleich mehr in die Pflicht genommen werden und freudiger
(Mit-)Verantwortung tragen. Jedoch auch besondere Zeitumstände mußten
ihre Berücksichtigung finden, so z.B. in der Schulordnung vom 11. Mai
1978, die neben 14 Paragraphen über die "Stellung des Schülers in der
Schule" eigens Regelungen über die Eingliederung und Förderung von
Kindern deutscher Aussiedler und die Förderung von Kindern
ausländischer Arbeitnehmer enthält.
Gemessen an meiner eigenen Schülerzeit in den dreißiger Jahren kam vor
allem auf die Lehrer des heutigen Gymnasiums ein gerüttelt Maß an
außerunterrichtlicher Arbeit und Verpflichtung sowie notwendiges
Engagement hinzu. So dauerte es zu Schuljahrbeginn manchmal Wochen, bis
die mitbestimmenden Organe der Schule gewählt waren. Das
Lehrerkollegium wählte seine Vertreter in den Schulausschuß, den
Abiturprüfungsausschuß, den Schulbuchausschuß (zeitweise auch in den
Regionalen Schulbuchausschuß), den Personalrat und die
Verbindungslehrer zur Schülermitverantwortung, wurde sich einig über
die Entsendung von Kolleginnen und Kollegen in den Förderungsausschuß
bei Fragen und Entscheidungen über die Unterstützung von Schülern
entsprechend der Erziehungsbeihilfe oder den Regelungen des
Bundesausbildungsförderungsgesetzes, über Verkehrsobleute,
Sicherheitsbeauftragte, Drogenberater sowie Betreuungslehrer
unterschiedlicher Schülerunternehmungen, und für jedes Schulfach wurde
ein Vorsitzender der Fachkonferenz von den Fachvertretern gewählt.
Die Schüler mußten in ihren zuständigen Versammlungen den
Klassensprecher, Unter-, Mittel- u. Oberstufensprecher wählen, die
Zugehörigen zum Schulausschuß, den Schülersprecher der Schule und
besondere Funktionsträger wie Kassenwart und Schriftführer. Den Eltern
oblag die Wahl der Klassenelternbeiräte und ihres Sprechers, des
Schulelternbeirats, des Schulelternsprechers sowie der Elternvertreter
im Schulausschuß und im Schulbuchausschuß.
Sicherlich war das Prozedere aller an der Schule beteiligten Gruppen
unter Einrechnung der folgenden erforderlichen Sitzungen zeitaufwendig
in Vorbereitung und Durchführung; doch die demokratisch verfaßte Schule
wog dies in erfreulicher Weise wieder auf durch eine Reihe gewichtiger
Vorzüge, wie die der besseren gegenseitigen Information, gegenseitiger
Ratschläge und der Transparenz des Schulgeschehens, der unterstützenden
Mitwirkung zum Erreichen der Schulziele und der schnelleren Lösung von
Einzelproblemen. Das nähere Kennenlernen zwischen den Zugehörigen der
Gruppen förderte das Verständnis füreinander und baute Vorurteile ab.
Die gern wahrgenommenen Mitwirkungsrechte der Schüler und Eltern
führten mehr und mehr zu einer willkommenen Hilfe und ungezwungen zu
dem, was man als Schulgemeinschaft bezeichnen darf.
"Da ist an dieser Statt ein fürsichtiger weiser Rat, der so
fürsichtiglich regiert und alle Ding fein ordiniert." (Hans Sachs)
(...) Wenngleich das Lehrerkollegium des Gymnasiums am Rittersberg
durch zusätzlich aufgetragene dienstliche Aufgaben zeitweise stark
belastet wurde, z.B. durch die Ausbildung von Referendaren, Betreuung
von Praktikanten, Abiturprüfungen für Nichtschüler, Entsendung von
Lehrern in Fachdidaktische Kommissionen, Aufnahmeprüfungen, durfte die
Ausbildung der schulangehörigen Schüler nicht leiden, mußte auch noch
Zeit erübrigt werden zum Planen und Durchführen der partnerschaftlichen
Begegnungen mit den Lehrern und Schülern ausländischer Schulen (vor
allem mit den Partnerschulen in Reims und Nancy), zum Empfang
ausländischer Lehrergruppen (am 10.01.1978 Besuch russischer Lehrer,
die wie jene anderer Gruppen nach freier Wahl am Unterricht teilnahmen;
am 25.05.1978 französische Lehrer aus Burgund; am 20.08.1979 15
russische Lehrer aus dem Raum Tscheljabinsk; am 14.11.1979 neun
japanische Lehrer und am 28.03.1980 englische Pädagogen aus
Kaiserslauterns englischer Partnerstadt Newham), mußte die zunehmende
Fächerwahl und Betreuung der Schüler organisiert werden.
Zu den bisherigen freiwillig zu belegenden dritten Fremdsprachen
Französisch, Latein und Russisch gesellte sich bald noch Spanisch. Mit
der Eröffnung eines Sprachlaboratoriums beim Gymnasium am Rittersberg
(dem ersten in Kaiserslautern am 21.12.1970) bedurfte es ebenso eines
Benutzungsplanes durch die Klassen wie nach dem Eintreffen des ersten
Schulcomputers (am 10.01.1983), zu dem ein zweiter am 13.02.1984 und
sechs weitere am 20.08.1985 kamen, weshalb neben bisherigen
Arbeitsgemeinschaften im Fach Informatik für Schüler der Mittel- und
Oberstufe mit Beginn des Schuljahres 1984/85 zum erstenmal im Rahmen
der MSS ein Grundkurs im neuen Fach "Informatik" angeboten werden
konnte.
Wegen des Raummangels an der Schule mußten immer wieder Kompromisse
gefunden werden, um einzelnen Schülergruppen Platz zu schaffen für ihre
Veranstaltungen im Rechtsunterricht, Berufswahlunterricht (seit
Beginn des Schuljahres 1982/83), zur Durchführung von Vorträgen über
die Einführung in das Sozialversicherungswesen durch
Versicherungsfachleute, für die in die Schulzeit fallenden Beratungen
seitens des Arbeitsamtes, die für Schüler der Klassenstufen 10 und 12
geboten wurden. Der seit 07.01.1971 mit zehn Wochenstunden
nebenberuflich eingestellte Schulpsychologe, der auch noch für unsere
Schule tätig war, als am 24.11.1972 das Land Rheinland-Pfalz für die
Schulen Kaiserslauterns einen Schulpsychologischen Dienst einrichtete,
brauchte dringend einen Raum, um die ihm mit Einverständnis der Eltern
zugewiesenen Schüler testen und beraten zu können. Allgemein- und
Zahnmediziner zogen jährlich pünktlich zu einigen Terminen ins
Schulhaus ein, um die Schüler bestimmter Jahrgangsstufen medizinisch
zu betreuen durch Untersuchung oder Vorsorgeschutz
(Pockenschutzwiederimpfung noch 1974, Impfungen gegen Kinderlähmung
oder Rötelnschutzimpfung für zehn- bis zwölfjährige Mädchen).
Das Angebot an die Schüler wuchs fast jährlich, und ihre
Unterrichtswahlmöglichkeiten nahmen zu. Konnten sie schon einige Zeit
ihre dritte Fremdsprache wählen, sich mit Einführung der MSS in einem
doch weiten Rahmen ihr geistiges Menü zusammenstellen, so hatten die
Neueintretenden mit Beginn des Schuljahres 1982/83 (2.9.1982) mit
Genehmigung der Bezirksregierung vom 22.12.1981 die Wahl, beim bisher
verpflichtenden Englisch als 1. Fremdsprache bleiben zu wollen oder
Französisch zu nehmen.
"Danke, daß die Gunst der Musen Unvergängliches verheißt, Den Gehalt
in deinem Busen Und die Form in deinem Geist!" (Goethe, "Gott und die
Welt")
(...) Wer sich als Schüler trotz der bisher erwähnten Belegungen
freiwilliger Unterrichtsofferten nicht ausgelastet fühlte oder
besonderen Neigungen zum Ausgleich nach anstrengendem Lernen
nachkommen wollte, hatte in reichem Maße Gelegenheit, entsprechende
Aktivitäten aufzunehmen, sich in seinem Können zu erproben und neue
Erfahrungen zu sammeln, sei es, daß er sich engagierte im breiten,
vielseitigen Aufgabenfeld der Schülermitverantwortung, der
Schülerzeitungsredaktion ("Die Waage", seit 1970 "Teleskop" für die
Unter- und Mittelstufe, seit Juni 1973 "Forum" und schließlich seit
26. März 1979 "Der rostige Ritter"), im Arbeitskreis zur Vorbereitung
und Unterstützung der Schulgottesdienste, in einer Arbeitsgemeinschaft
, die den Schulgarten pflegte, daß er das Spielen eines
Musikinstruments erlernte, in Chor und Orchester mitwirkte, bei
Theaterkreisen der Schule seine Rolle spielte, Angebote aus dem
Bereich des Sports, der Bildenden Kunst aufgriff oder an einem der
vielen Schülerwettbewerbe teilnahm.
Die körperliche Ertüchtigung wurde nicht nur im regulären
Sportunterricht gefördert, sondern auch bei der Teilnahme an den
Bundesjugendspielen, Bezirkssportfesten, bei "Jugend trainiert für
Olympia", bei Freundschaftswettspielen gegen andere Schulen, den
Fußballmeisterschaften der Kaiserslauterer Schulen um den
"Dresdner-Bank-Cup" (seit 1974), Behinderten-Sportfesten oder den
vielen von Sportlehrern oder seitens der SMV ausgeschriebenen internen
Wettkämpfen sportlicher Art. Hin und wieder verlockten auch
Spezialitäten wie eine Schulhockeymannschaft (1973/74),
Tennismannschaften, Volleyballturniere, eine Arbeitsgemeinschaft für
Klettern (seit 1984) oder Kurse zum Erlernen des Kanufahrens (seit
1984).
Wer lieber mit Zeichenstift, Farben, Ton oder Holz umging, fand
hinreichend Gelegenheit, sich außerhalb des Unterrichts zum bildenden
Künstler zu entwickeln. Einige Arbeitsgemeinschaften im Bereich der
Bildenden Kunst brachten durch Anregung und Betreuung ihrer
Fachlehrerinnen und Fachlehrer Beachtenswertes hervor. Es wurden große
Wandteppiche mit Bildmotiven, von denen einer noch die Vorhalle des
Rathauses ziert, gestaltet. Im September 1975 erhielt die innere
Nordwand der Pausenhalle dadurch ein ansehnliches und sehr
ausdrucksstarkes Gesicht, daß Schüler unterschiedlicher Klassenstufen
in wochenlanger Arbeit alle an ihrer Schule gelehrten Fächer symbolisch
darstellten. Seit 28. Juli 1976 schmückt ein großes Tafelgemälde eine
Wand der Eingangshalle des Schulgebäudes mit dem Titel "Ritterturnier",
das Schüler einer 11. Jahrgangsstufe mit nachhaltigem Eindruck schufen
. Eine von einer Schülergruppe gestaltete Holzplastik, die auf einem
Sandsteinsockel auf dem Platz vor dem südlichen Eingangstor zur Schule
stand, wurde am 12. Juli 1983 in Anwesenheit von Mitgliedern des
Stadtrats und des Sanierungsbeirats feierlich eingeweiht.
Zeichnerische Arbeiten von neun Schülern des Gymnasiums am
Rittersberg
wurden am 5. Dezember 1983 in die norwegische Stiftung "Kinder:
Geschichte, Kunst und Kultur" aufgenommen, anschließend auf
Wanderausstellungen in Oslo, den USA, Australien und bei der UNO
gezeigt, ehe sie auf Dauer dem Kinderkunsthistorischen Museum Oslo
zugeführt wurden. Die Klasse 6a nahm im Februar 1985 am Deutsch-
Japanischen Kunstwettbewerb unter dem Titel "200 Jahre Grimm",
ausgeschrieben vom Deutschen Goethe-Institut, erfolgreich teil.
Am 16. Oktober 1985 kamen elf Schülerzeichnungen unserer Schule
auf den Weg zur japanischen Partnerstadt Kaiserslauterns Bunkyo-Ku.
Manche
Teilnahme an bildnerischen Wettbewerben brachte neben der hohen Ehre
auch finanzielle Vorteile für einzelne Schüler und/oder
für die Schule. So konnten sechs Schüler der Unter- und
Mittelstufe, die im Oktober 1973 an einer Ausschreibung für die
Ausgestaltung der neuen Fischerrückschule mit ihren eingereichten
Gipsmodellen, die sie im Werkunterricht unter Anleitung eines
Fachlehrers angefertigt hatten, reüssieren und ansehnliche
Geldpreise entgegennehmen.
Wie die Bildende Kunst wirkte auch das Fach Musik nicht nur im engeren
Bereich der Schulgemeinde mit großen Konzerten breiter Besetzung,
Kammermusikabenden, Werkstatt- und Popkonzerten der SMV, Darbietungen
anläßlich der Verabschiedung der Abiturienten oder während der
Weihnachtsferien, sondern auch im Dienst einer breiten Öffentlichkeit.
Unterstufen- oder Studiochor sangen öfters mit Inbrunst während
Weihnachtsfeiern, die von der Stadt für ältere Bürger in der
"Neuen Eintracht" veranstaltet wurden (so am 14.12.1979 oder am
08.12.1982). Einige Male traten Chöre und Musikgruppen in der
Vorweihnachtszeit auf Podien vor der Stiftskirche oder vor dem
Kaufhaus "Hertie" und intonierten ihre Lieder und Musikstücke trotz der
Kälte mit bemerkenswerter Begeisterung. Spezielle Wettbewerbe
brauchten die Musikanten vom Rittersberg nie zu scheuen. Während der
jährlichen Konkurrenz bei "Jugend musiziert" waren sie ebenso
erfolgreich wie bei "Musiktagen der Kaiserslauterer Schulen". Am 20.
Dezember 1980 konnte der Studiochor des Gymnasiums am Rittersberg
selbst nüchternen Industriellen während deren Tagung im "Dorint Hotel"
die Herzen erwärmen.
Die Jahresberichte der Schule künden davon, daß viele Schüler bei
entsprechenden Impulsen ihrer Lehrer gern bereit sind, sich in ihrer
Freizeit zusätzlichen Forderungen zu stellen. Und Wettbewerbe,
darunter recht anspruchsvolle und ernstzunehmende, gibt es zahlreich.
Es ist ermutigend, wenn sie sich lieber einer Sonderaufgabe in ihrer
Freizeit stellen, als schalem Zeitvertreib zu verfallen. Mit Eifer
saßen manche über ihrer Freizeitlektüre, um einen spannenden Abschnitt
auszuwählen, den sie beim "Vorlesewettbewerb des Börsenvereins des
deutschen Buchhandels", ausgeschrieben für die 6. Klassenstufe, vor
Publikum wohlgefällig vortragen wollten. Einige wurden nicht müde,
immer wieder ihre Versuchsanordnungen zu revidieren, um zu einem
stichhaltigen Ergebnis bei "Schüler experimentieren" oder "Jugend
forscht" (seit 1971) zu kommen. Andere brüteten über den Problemen, die
ihnen vorgegeben wurden in den Wettbewerben "Alte Sprachen",
"Straßburg-Preis" (in französischer Sprache), den Bundeswettbewerben
des Faches Geschichte (unter der Schirmherrschaft des jeweiligen
Bundespräsidenten), bei denen beispielsweise 1975 Schüler der
Jahrgangsstufe 11 einen Bundespreis in Höhe von DM 3.000,-- erwarben.
Leicht hatten es jene sicherlich nicht, die sich unter die Mitbewerber
des "Bundeswettbewerbs Mathematik" oder der "Chemie-Olympiade"
einreihten. Mit großem Engagement mühten sich weitere um gute
Ergebnisse beim jährlichen "Europawettbewerb", bei der Ausschreibung
"Die Deutschen und ihre östlichen Nachbarn" (ab 1972), bei den
überörtlichen Schulschachmeisterschaften, dem Erzählwettbewerb
"Schreib' weiter...". Immer nahmen auch körperlich gewandte Schüler
beim "Fahrrad-Wettbewerb" des ADAC teil, und 1971 fanden sich auch
Jungen, die es beim "Strickwettbewerb" den Mädchen zeigen wollten, daß
sie gelungene Muster zu schaffen imstande waren, ohne Maschen fallen zu
lassen. Beim Börsenspiel der Banken und Sparkassen konnten
Schülergruppen der Oberstufe öfters ausgezeichnet werden.
Den Lehrern war es nie zuviel, Mittel und Wege zu finden, um den
Unterrichtsstoff zu vertiefen und in der Praxis und Wirklichkeit zu
veranschaulichen. Hierzu dienten stundenweise Unterrichtsgänge, um
Waldschäden in Augenschein zu nehmen, die Funktion der Kläranlage, des
Wasserwerks, des Elektrizitätswerks vor Ort zu erleben, das Wirken der
Industriebetriebe zu erkunden, Gerichtsverhandlungen und
Justizvollzugsanstalten zu besuchen, das hektische Treiben an der
Frankfurter Börse, im Bundestag oder Bundesrat zu erfahren. Öfters
konnten nachmittägliche Kino- und abendliche Theatervorstellungen
(diese auch auswärts in Ludwigshafen, Mannheim oder Karlsruhe) den im
Unterricht behandelten Stoff ergänzen. Begrüßt wurden auch
Fachvorträge von Kollegen, eingeladenen Hochschulprofessoren oder
Fachleuten der Elternschaft.
Zum praktischen und hilfreichen Wirken trugen die Schüler in vielen
Fällen bei. Die SMV führte öfters Sammlungen für karitative Zwecke
durch, wozu übrigens auch der Erlös von Schulfesten diente. Am 6.
Oktober 1973 nahmen Schüler der Klassenstufe 9 von 8.00 bis 17.00 Uhr
an einer Papier- und Spinnstoffsammlung des Arbeitersamariterbundes
teil. Stammkurse der Oberstufe führten im Auftrage von Behörden
zweimal Verkehrszählungen durch. Ältere Schüler organisierten für
jüngere Nikolaus-Nachmittage. Die SMV richtete im Pausenhof Basare ein.
Ein ganz besonderer Festtag der Schule wurde von 1976 an der jährliche
Tag der offenen Tür, für den sich Schüler und Lehrer phantasiereich
engagierten und den die Eltern entgegenkommend unterstützten, die
Mütter besonders mit ihren Backkünsten. Das breitgefächerte Programm
eines solchen Tages setzte einen durch die Vielfalt immer wieder in
Erstaunen. Dichtgedrängt zogen die Besucher, darunter auch viele
ehemalige Schüler, durch die Flure des Schulhauses und schafften es bei
bestem Willen nicht, alle auf dem vierseitigen Programmhinweis
angekreuzten Veranstaltungen zu absolvieren. Hier zwängte sich eine
Schülermutter mit Mühe noch in einen Klassenraum, um den Sohn in einer
Musterstunde des Faches Französisch zu erleben, indessen ihr Ehemann
über den Schulhof flitzte, um rechtzeitig in der Turnhalle dabeizusein,
wenn das Handballspiel der Schüler gegen die Lehrer beginnt, dort ließ
sich wieder einmal einer erschöpft in der Cafeteria nieder, ein
weiterer zog es vor, im Biologieraum beim Mikroskop zu verweilen, eine
Oma war ganz glücklich, als sie im Musikraum die wohltönende Stimme
des Enkelchens aus dem Chor heraus vernehmen konnte, bei den Geräten
und Experimenten im Physikraum, die das Interesse auf sich zogen, gab's
auf Fragen stets erschöpfende Auskunft seitens betreuender
Oberstufenschüler, andere umlagerten die Computer und konnten nur
staunen über die Fähigkeiten dieser Rechenmaschinen, Dauergäste machten
es sich im einladend gestalteten Bistro gemütlich, und drüben riß ein
Schüler-Zauberkünstler durch seine trickreichen Darbietungen die
Zuschauer mit, und so manches Quiz oder Geschicklichkeitsspielchen mit
ausgesetzten Preisen lockte schlangenstehende Teilnehmer an, die an
der Geschichte Interessierten nahmen sich in einem Klassenraum die
Zeit, näher Einblick zu gewinnen in eine Epoche, da sah man
faszinierte Eltern, die das Schauspiel einer Mittelstufenklasse in
Englisch der mitwirkenden Tochter wegen zum dritten Male besuchten,
im angrenzenden Klassenraum staunten Eltern, daß ihre volljährigen
Söhne so unbefangen und ausdrucksstark ihre Balladen auswendig
vortrugen, in den Zeichensälen mußte man lange verharren, um all die
Kunstwerke, die aus dem Unterricht der Bildenden Kunst hervorgegangen
sind, zu inspizieren, aber der große Basar in der Pausenhalle war halt
immer noch von Schnäppchenjägern umlagert. Es war allemal
bewundernswert, was an einem solchen Festtag der Schulgemeinde auf
breiter, farbiger Palette geboten wurde.
Zur fachlichen Vertiefung ihrer Kenntnisse trugen sicherlich auch die
Bemühungen bei, wenn die Schüler zur Gestaltung einer Ausstellung im
Schulhaus mitwirkten: Als Beispiele seien einige genannt: die einer 10.
Klasse 1979 mit dem Titel "Deutschland 1945 bis 1961", 1982 im
Treppenhaus über "Peru", 1983 eine Ausstellung der SMV über das Thema
"Tierschutz", im gleichen Jahr "Bücherverbrennung und die Literatur im
Exil zur NS-Zeit" eines Geschichtskurses der 12. Jahrgangsstufe, 1984
eine Darbietung über "Umsiedlung, Flucht und Vertreibung (1939 bis
1947) in Ostmitteleuropa", die ein Grundkurs der 13. Jahrgangsstufe
präsentierte. Über das Entstehen des Hauptgebäudes der Schule im Jahre
1958 informierte eine Photoausstellung in der Eingangshalle anläßlich
des 25jährigen Jubiläums im Jahre 1983, über "Das Waldsterben"
belehrte 1985 eine Dokumentation (13. Jahrgangsstufe), eine weitere
1987 über "Gefährdung der Feuchtbiotope im Aschbach- und Moosalbtal".
Über die Aktivitäten im Bereich des Schultheaters berichtet die
folgende Aufstellung:
19.12.1969 "Carmosin", ein Märchenspiel in französischer Sprache.
12., 15. und 16.11.1974 Max Frisch "Biedermann und die Brandstifter".
18.03.1976 "The Trysting Place" in englischer Sprache.
02.04. bis 05.04.1979: O'Neill "Tran", Ionescu "Die Unterrichtsstunde".
02.02. bis 13.02.1981 Albee "Die Zoogeschichte", Allen "Tod" und "Gott", Ionescu "Die Unterrichtsstunde".
14.,
15., 16.07. und 11., 12.12.1982 Musset "On ne badine pas avec l'amour"
in französischer Sprache (aufgeführt in der "Alten
Eintracht"). Das Bühnenstück wird auch auswärts
aufgeführt:16.12.1982 in Oppenheim und Mainz, 17.12.1982 in Reims,
20.12.1982 in Weierhof, 17.03.1983 in St. Quentin und am 18.03.1983 in
Nancy.
06.06. und 12.06.1986 Goethe "Faust I".
23.09., 24.09., 26.09. und 10.10.1986
Büchner "Dantons Tod".
12.12., 13.12., 14.12.1986 Moliére "le bourgeois gentilhomme" in
französischer Sprache (Aula der Schule). Weitere Aufführungen
des Schauspiels am 15.12.1986 in Weierhof und Ludwigshafen, 16.12.1986
in Nancy, 17.12.1986 in Reims, 18.12.1986 in St. Quentin, 09.12.1986 in
Cambrai, 20.12.1986 in Douzy, 21.12.1986 in Waldleiningen, 22.12.1986
in der Holtzendorff-Kaserne vor französischen Soldaten und am
16.06.1987 im Pfalztheater Kaiserslautern (je eine Nachmittags- und
Abendvorstellung)
23.02. und 27.02.1987 Pantomimische Darstellungen von drei Schülerinnen der 12. Jahrgangsstufe im Treppenhaus der Schule.
Ein großes Schulfest besonderer Art erlebte das Gymnasium am
Rittersberg am 11. Juni 1983 in der "Alten Eintracht", als man in
herzlicher Weise der Vollendung des 60. Lebensjahres (9. Juni) des von
der Feier überraschten Schulleiters in Anwesenheit eines geladenen
prominenten Publikums gedachte. Gedichtvorträge von Schülern in allen
an der Schule gelehrten Sprachen und Musikdarbietungen geleiteten durch
die Veranstaltung. Außergewöhnlich war der Bühnenauftritt von
ehemaligen Schülern des Jubilars (darunter der damalige Kultusminister
Dr. Georg Gölter), die vor 25 Jahren Schillers "Die Räuber" aufgeführt
hatten und nunmehr eine Reprise zweier Szenen des damals vom
Geburtstagskind einstudierten Dramas als 45jährige gestandene Männer
kostümiert und leidenschaftlich agierend zu Ehren ihres Klassenleiters
auf die Bühne brachten. Neben diesem unvergeßlichen Erlebnis war auch
von großem Reiz die schauspielerische Darbietung der Szenen 1 bis 4
des 1. Aktes von Alfred de Mussets "A quoi rêvent les jeunes filles"
in französischer Sprache, hervorragend dargereicht von Schülerinnen und
Schülern des Leistungskurses Französisch der 12. Jahrgangsstufe des
Gymnasiums am Rittersberg.
Die Schule lud jedoch auch Gäste der Muse ein, um den Schülern
Anregungen zu geben. Hier Beispiele der Jahre 1980 bis 1987:
27.03.1980 Das Pfalztheater gastierte in der Aula und bringt für
die Schüler der Klassen 9 bis 13 Bert Brechts "Furcht und Elend
des 3. Reiches".
19.12.1983 Während einer Weihnachtsveranstaltung der
Orientierungsstufe singen als Solisten Herr Alejandro Ramirez und seine
Gattin Frau Gerda Hagner-Ramirez.
14.03.1984 Die Hohenloher Puppenbühne führt für
Schüler der Klassenstufen 5 bis 9 das Puppenspiel "Dr. Faustus"
auf.
29.11.1985 Eine englische Schauspielgruppe, die "Covenant Players",
präsentiert Sketche in englischer Sprache für die
Schüler der Klassen 9 bis 13.
16.05.1987 49 französische Schülerinnen und Schüler der
Partnerschule C.E.S Université Reims gastieren für unser
Schulpublikum im Marhoffer'schen Saal mit einem Konzert.
25.06.1987 In der Aula führt eine Folkloregruppe des "Instituto de
Bachillerato de Maspalomas" aus Gran Canaria in Originaltrachten
Heimattänze auf.
Von einer weiteren Möglichkeit, den Erfahrungshorizont zu weiten und
in der Schule Erlerntes zu vertiefen, wurde reichlich Gebrauch gemacht:
den mehrtägigen Schulfahrten. Es ist bewundernswert, mit welcher
initiativen Bereitwilligkeit sich die Kollegen zur Verfügung stellten,
um die zeitraubenden Vorbereitungen zu übernehmen, für eine
ersprießliche, sinnvolle, aber auch von Verantwortung getragene
Durchführung der Unternehmungen zu sorgen. Nur derjenige, der selbst
tagelang abenteuerlustige und übermütige Jugendliche in auswärtigen
Gebieten - zumal im Ausland - geführt hat, weiß, daß man als
Verantwortlicher jeden Tag 24 Stunden im Dienst ist und jederzeit mit
unvorhergesehenen Problemen, die es zu meistern gilt, konfrontiert
wird. Wenn die vielen an die Schulleitung herangetragenen Vorhaben
zu Beginn eines Schuljahres zu koordinieren waren, glaubte man sich
in die Leitung eines Reisebüros versetzt.
Hatten erst einmal einzelne Klassen Beispiele für mehrtägige Ausflüge
gegeben, so pochten die Schüler der nachrückenden Klassen auf eine Art
Besitzstandswahrung und sie verlangten ihrerseits eine entsprechende
Unternehmung. Wurden erst einmal Schulpartnerschaften mit
ausländischen Schulen begründet, so bedurften sie zu ihrem Überleben
auch der regelmäßigen Begegnung der Partner. So wuchs mit der Zeit die
Zahl der größeren Klassenunternehmungen während der Gymnasiallaufbahn
des einzelnen Schülers an. Nacheinander schwärmten die Klassen- und
Jahrgangsstufen im Verlaufe eines Schuljahres aus, die Schüler der
Unter- und Mittelstufe zu Klassenfahrten, die der Oberstufe zu den mit
dem angemessenen Begriff ummäntelten "Studienfahrten".
Mit dem Zustandekommen der Partnerschaft mit dem C.E.S (Collège
d'Enseigne-ment Secondaire) Université in Reims 1975 besuchten jährlich
die Schüler der Klassenstufe 8, die Französisch als zweite
Fremdsprache hatten, für durchschnittlich zehn Tage ihre Partnerstadt,
wo sie bei Gastgeberfamilien untergebracht waren und teilweise am
Unterricht der dortigen Schule teilnahmen. Ein entsprechender
Gegenbesuch der französischen Schüler ist selbstverständlich. Den
Schülern der Klassenstufe 8, die Latein als 2. Fremdsprache gewählt
hatten, wurde dadurch ein Äquivalent geboten, daß sie einen etwa
sechstägigen Schullandheimaufenthalt in einer Jugendherberge - öfters
auf Schloß Ortenberg - durchführen durften.
Als mit Beginn des Schuljahres 1982/83 neben Englisch als 1.
Fremdsprache auch Französisch zur Wahl stand, fand sich eine weitere
Partnerschule mit dem "Lycée et Collège Georges de La Tour" in Nancy
und wenig später mit dem in der gleichen Stadt ansässigen
"Collège Louis Armand", so daß für unsere Schüler der 6. Klassenstufe
mit Französisch als 1. Fremdsprache ein drei- bis viertägiges
jährliches Austauschprogramm aufgenommen wurde.
Früher waren es Schüler der 9. Klassenstufe, seit Jahren jedoch die der
10. Klassenstufe, die - von Sportlehrern begleitet - zu einem acht-
bis zehntägigen Skischullandheimaufenthalt aufbrechen, und zwar bis
1979 nach Schnepfenried (Vogesen) und von 1980 an nach Ramsau am Fuße
des Dachsteingebirges in Österreich.
Zum festen Programm der 12. Jahrgangsstufe gehörte für Schüler, die
Englischkurse belegt hatten, eine Studienfahrt nach Newham, einer
Vorstadt von London und Partnerstadt Kaiserslauterns, für jene mit
Französischkursen der Besuch der französischen Metropole Paris.
Den Schülern der 13. Jahrgangsstufe blieb eine Informationsfahrt nach
Berlin vorbehalten.
Neben diesem festen Programm für die aufgeführten Klassenstufen gab es
auch eine Reihe von Ausnahmereisen über mehrere Tage hinweg, so z.B.
September 1981 nach Rom, für die Schüler mit Russischkursen der MSS
eine achttägige Fahrt nach Moskau im Oktober 1986, und jeweils im
Oktober 1984 und 1985 teilten sich die Schüler der 13. Jahrgangsstufe
in der Weise auf, daß ein Teil Berlin besuchte, der andere Teil die
DDR, wobei vor allem die Städte Dresden, Leipzig, Weimar und Erfurt
inspiziert wurden.
Die vorausgehenden Erwähnungen machen deutlich, daß während eines
Schuljahres ein stets erfrischendes, munteres Geschehen anzutreffen war
, das mit den vielen Einzelaktionen zwar ein erhebliches Mehr an
zeitlichem Aufwand und Verantwortungsbereitschaft des Lehrerkollegiums
forderte, das aber wiederum kompensiert wurde durch Abbau von
Verdrossenheit der Schüler, ihre engere Bindung an die Schule und in
zahlreichen Fällen wohl auch den gestärkten Willen, sich den
notwendigen Leistungsforderungen der Schule lieber zu stellen. Stets
standen die außerunterrichtlichen Unternehmungen unter der Absicht,
die Schüler an (Er-)Kenntnissen und Erfahrungen zu bereichern und sie
zu weltoffenen, urteilsfähigen und verläßlichen Staatsbürgern zu
erziehen. Es erfreute einen, wenn eine größere Schülergruppe von
einer Auslandsreise begeistert zurückkehrte und in einer abendlichen
Elternversammlung eine Nachbereitung der gewonnenen Eindrücke in Wort
und Bild wiedergab.
Eine willkommene Schrift zum Nachschlagen und zum Verfolgen der
Schulgeschichte ist der seit 1978 wieder erschienene Jahresbericht,
dessen Erscheinen von 1968 an für zehn Jahre eingestellt worden ist,
weil der geringe Absatz die Herstellungskosten nicht abdecken konnte.
Es ist begrüßenswert, daß ein solches Heftchen bei den Schülern wieder
Anklang findet. Sie werden es mit zunehmendem Alter mehr und mehr zu
schätzen wissen.
Zu Dank ist die Schule der segensreichen Einrichtung der "Vereinigung
der Freunde des Gymnasiums am Rittersberg", einem eingetragenen Verein,
verpflichtet. Diese von einer umsichtigen und sehr rührigen
Vorstandschaft geleitete Vereinigung hat die Schule in vielerlei
Belangen unterstützt, z.B. bei der Anschaffung von Geräten und Büchern
oder durch finanzielle Zuwendungen bei Klassenfahrten. Seit 1984 lädt
sie die Abiturienten nach der schriftlichen Prüfung zu einem Grillfest
(Grillplatz Hohenecken oder Clubhaus der Paddlergilde am Gelterswoog)
ein und versorgt sie aufs beste. Beim Tag der offenen Tür oder bei der
Verabschiedung der Abiturienten stand sie auch immer mit Rat und Tat
der Schule zur Seite. Die anwachsende Zahl der Mitglieder bot ihr
schrittweise die Möglichkeit, ihre Hilfsmaßnahmen für die Schule
entsprechend auszuweiten. Unvergeßlich bleibt auch mancher gelungene
Tanzabend oder Frühschoppen, den die Vereinigung für ihre Mitglieder
und Gäste durchgeführt hatte.
"Gekeilt in drangvoll fürchterliche Enge" (Schiller "Wallensteins Tod")
(...) Der hier gestreifte Zeitabschnitt eines Zehntels der Existenz
der Schule am Rittersberg von 1969 bis 1987 war überschattet von dem
permanenten Mangel an hinreichenden Räumlichkeiten. Worunter die
bombenzerstörte Schule bis 1958 zu leiden hatte, das wurde auch ihr
Kreuz wiederum nach nur etwa zehn Jahren der Zufriedenheit mit den
räumlichen Verhältnissen. Wie glücklich waren doch alle an der Schule
beteiligten Gruppen der Schüler, Lehrer und Eltern, als am 14. Februar
1958 die Neubauten (Hauptgebäude und Turnhallenbau) feierlich
eingeweiht werden konnten. Die eigens verfaßte Festschrift des Jahres
1958 legt beredtes Zeugnis über das freudige Ereignis ab. Den damals
533 Schülern standen die Räumlichkeiten in einer für 600 Schüler
konzipierten Schule zur Verfügung. Doch die vorausgehenden Planungen
und Statistiken konnten die Imponderabilien der Zukunft nicht
berücksichtigen. Geburten- und damit Schülerzahlen der prosperierenden
Gesellschaft stiegen drastisch an, und der Trend des Verlangens einer
besseren Ausbildung der Kinder wuchs, womit der Prozentsatz der
Gymnasiasten eines Jahrgangs anstieg. Beim damals noch Neusprachlichen
Gymnasium am Rittersberg Kaiserslautern wurden aus den 533 Schülern
des Schuljahres 1958/59 zehn Jahre später, 1967/68, 829 Schüler,
statt 16 Klassen mußten jetzt 23 untergebracht werden. Diesem Leiden
der wachsenden Raumnot waren alle Gymnasien der Stadt konfrontiert,
so daß Notmaßnahmen verschiedener Art (Wanderklassen, Nutzung von
Kellerräumen, Umlagerungen an andere Schulen, Bau von Pavillons in die
Schulhöfe usw.) ergriffen werden mußten.
Dem Gymnasium am Rittersberg glaubte man dadurch helfen zu können, daß
man der Schule im Rückgebäude des alten Stadthauses (Steinstraße)
freigewordene städtische Räume 1968 zur Verfügung stellte. Vier
Klassensäle, ein Gymnastikraum und ein kleines Lehrerzimmer wurden
somit gewonnen, aber die ungewollte Kürzung des Unterrichts durch das
Wandern von Lehrern und Schülern zwischen verschiedenen Gebäuden
setzte damit ein und sollte lange Zeit gang und gäbe (recht wörtlich zu
nehmen) werden.
Der schon frühe Appell der Schulleitung an die zuständigen Behörden,
für Abhilfe zu sorgen durch einen Erweiterungsbau, führte nur zu
Vertröstungen, die nicht weiterhalfen. Bei der Frage, ob pädagogische
Gesichtspunkte der Raumnot untergeordnet werden sollten, entschieden
wir uns trotz der Misere für den Vorrang der Pädagogik, waren also
bereit, von Beginn des Schuljahres 1970/71 an außer Jungen auch Mädchen
aufzunehmen, wenngleich dies mehr Räumlichkeiten erforderte
(getrennte Toiletten, Raum für Textiles Gestalten und Mädchensport,
Zunahme der Schüler/innen-Zahl), oder wir führten auch früher als es
verpflichtend war, die MSS ein, die wegen der Einrichtung der (meist
kleineren) Kurse, im Vergleich zum früheren System der Klassenverbände,
doch bemerkenswert mehr Räume erforderte. Schließlich wollten wir auch
nicht verzichten auf weitere (Wahl-)Möglichkeiten pädagogischen
Fortschrittes (Französisch als 1. Fremdsprache, Computerausbildung
usw.), die halt auch mehr Lehrraum im Gefolge hatten.
So mußten wir notgedrungen über viele Jahre hinweg unzulängliche
Kompromisse hinnehmen, komplizierte Organisationspläne erstellen und
Einzelräume für andere Zwecke umwidmen. Als das Staatliche
Studienseminar für das Lehramt an Gymnasien, das in einer Notunterkunft
im alten Stadthaus (Steinstraße) recht und schlecht hausen mußte,
in ein besseres Quartier umziehen konnte, stellten wir unseren Anspruch
auf den freiwerdenden Raum und konnten vom 1.August 1975 an wenigstens
weitere Räumlichkeiten im alten Stadthaus bekommen: sieben Kursräume
für die MSS, einen Freizeit- und einen Arbeitsraum für die
Oberstufenschüler, ein kleines Lehrerzimmer, ein Zimmerchen für den
Leiter der MSS und eines für den Schullaufbahnberater sowie den
Umkleideraum für Benutzer der Gymnastikhalle.
Die folgende Übersicht möge einen Einblick geben über einige räumliche
Veränderungen, die wir neuer Erfordernisse wegen treffen mußten:
27.08.1970 Das frühere Arztzimmer wird Klassenraum.
21.12.1970 Der Werkraum wird in den Fahrradkellerraum verlegt, und im
Freien werden Fahrradständer aufgestellt. Aus dem Werkraum wird
ein Sprachlabor.
26.10.1973 In Saal 275 (zuerst Verfügungs- und Filmraum, dann
Handarbeitsraum mit Nähmaschinen) wird nunmehr ein Bibliotheksraum
mit Arbeitsplätzen für Schüler eingerichtet.In das
Verwaltungszimmer 146 (zuvor Elternsprechzimmer) ziehen der Leiter der
MSS und der Schullaufbahnberater ein. Archivraum und Elternsprechzimmer
zugleich werden der ehemalige Kartenraum 136. Als
Kartenaufbewahrungsstelle dient ein neuerrichteter kleiner Vorbau an
der Wand beim Aufgang zum Speicher im 2. Obergeschoß.
01.09.1975 Der Klassenraum 263 wird zu einem dringend benötigten
Physikübungsraum mit 36 Schülerplätzen umgestaltet.
23.09.1975 Raum 129 wird als letzter mit alten Schulbänken
versehener Klassenraum mit Tischen und Stühlen ausgestattet.
10.11.1975 Raum 135 (zuerst Kartenraum, dann Raum für Textiles
Gestalten und Elternsprechzimmer) wird Sammlungsraum für Biologie
und mit einer neuen Tür mit Biologiesaal II verbunden.
15.12.1975 Die beiden Zimmer des Sekretariats erhalten moderne Aktenschränke.
10.01.1977 Im Aufenthaltsraum der Oberstufenschüler in der Filiale
hält eine kleine Teeküche Einzug (Elektroherd und
Spüle).
28.01.1977 Neue Wandschränke und Ablagen werden im Zeichensaal II installiert.
11.01.1978 Wichtige Schulakten können in neuen Wandschränken
des Archivraumes, der zugleich Elternsprechzimmer ist, deponiert werden.
29.11.1978 Die Ostseite des Schulgebäudes erhält 69 Lärmstoppfenster.
12.01.1980 Auch die Nord- und Südseite des Hauptgebäudes
sowie der Musiksaal werden mit Lärmstoppfenstern ausgestattet.
14.10.1980 Das Schulgebäude erhält eine neue, effizientere Heizungsanlage.
11.12.1980 Ein neuer Bühnenvorhang ziert die Turnhalle (zugleich Aula).
25.02.1983 In den Fluren des Hauptgebäudes sind Raumschutztüren eingebaut worden.
22.08.1984 Zwei Werkräume im Kellergeschoß sind neugestaltet und mit Zubehör ausgestattet worden.
Den mißlichen Raumverhältnissen setzte die Schule ein tapferes
Trotzdem entgegen und gab sich Mühe, aus der prekären Lage das
Bestmögliche zu machen. Mitunter war es ein wenig tröstlich, wenn
neueingetretene Sextaner, die aus gut und einladend ausgestatteten
Grundschulen kamen und nunmehr mit den völlig unzulänglichen
Raumgegebenheiten des Dauerprovisoriums im alten Stadthaus vorlieb
nehmen mußten, nostalgisch angerührt, zu Hause von ihrer antiken
schulischen Umgebung schwärmten oder wenn ältere Schüler die Intimität
der Enge im Schulhaus zu schätzen wußten.
Doch trotz der Raummisere, die seitens der Schule auch in
Zeitungsartikeln herausgestellt worden war und sich damit in
Kaiserslautern und seinem Umfeld herumgesprochen hatte, wuchs die
Schülerzahl an, so daß ungeachtet des guten Willens über eine
Zeitspanne von 10 Jahren (1968 bis 1977) nicht mehr alle für das
Gymnasium am Rittersberg angemeldeten Schüler aufgenommen werden
konnten und teilweise anderen Gymnasien der Stadt zugewiesen werden
mußten. Die Belastbarkeit der Schule mit rund tausend Schülern im
Jahre 1980 war längst überschritten. Die schmerzliche Abweisung
neuangemeldeter Schüler führte hier und dort zu dem resigniert
ausgedrückten Urteil von potentiellen Schülereltern, daß es keinen
Sinn habe, das Kind am Rittersberg anzumelden, weil es ja doch einer
anderen Schule zugewiesen würde.
Es gab über Jahre hinweg kaum eine Elternbeiratssitzung, bei der die
Erörterung der Schulraumfrage und Strategien zu ihrer Bewältigung
keine Rolle spielten, was auch der heutige Leiter des Gymnasiums am
Rittersberg, Herr Oberstudiendirektor Franz Mungenast, als ehemaliges
Elternbeiratsmitglied bestätigen kann. Es fanden Vorsprachen des
Schulleiters, manchmal in Begleitung des Schulelternsprechers, bei
höchsten Dienststellen der Stadtverwaltung statt, Briefe an die
Stadtverwaltung, die Bezirksregierung und das Kultusministerium,
Zeitungsartikel und Aussprachen mit einer Reihe von
Stadtratsmitgliedern führten zwar stets zu der Einsicht, daß geholfen
werden müsse; aber das unsichere Gesamtkonzept, bei unterschiedlichen
Auffassungen, über die Zukunft des gesamten Schulwesens der Stadt
Kaiserslautern als Schulträger war der Hauptgrund für eine
unangemessene Verzögerung.
Da alle Gymnasien der Stadt mehr oder weniger unter Raummangel litten,
bedurfte es eines Gesamtkonzepts der umfassenden Abhilfe. Um 1970 war
die Rede davon, daß ein weiteres Gymnasium errichtet werden sollte.
Während einer großen Gesprächsrunde mit Teilnehmern des
Kultusministeriums, der Bezirksregierung, des Stadtvorstands, des
Schulverwaltungsamtes, des Stadtrates und der Schulen am 14.
Januar 1971 im Rathaus beschloß man die Errichtung eines Schulzentrums
auf dem Kaiserberg, wo zwei berufsbildende Schulen (technisch und
kaufmännisch) und ein Gymnasium (altsprachlich) entstehen sollten.
Dort ist dann entstanden ein berufsbildendes Gymnasium technischer
Ausrichtung (statt des bisherigen in der Dr.-Martin-Luther-Straße,
dessen Gebäude der berufsbildenden Schule II (kaufmännisch)
zugeschlagen wurde), und 1973 wurde im Stadtwald die Gesamtschule
Kaiserslautern-Süd eröffnet. Die Gymnasien gingen leer aus.
Wir mußten unsere berechtigten Forderungen weiterhin vortragen und
wurden auch immer mit ein wenig Hoffnung abgespeist, auch wenn als
Hauptgegenargument die Finanzknappheit vorgegeben wurde. Am 28.
August 1974 besuchte der Kulturpolitische Ausschuß der
CDU-Stadtratsfraktion unsere Schule, am 6. September 1974 informierten
sich sechs Mitglieder der SPD-Stadtratsfraktion über die Raumnöte,
am 7. Juli 1976 führten wir in der Schule ein Informationsgespräch mit
dem Fraktionsvorsitzenden der F.D.P. und seiner Stellvertreterin
über eine Erweiterung im Rahmen der Altstadtsanierung, und bald konnten
die Schulangehörigen ein ausgestelltes Modell während einer
Pfalzschau auf dem Messegelände bewundern, das einen Erweiterungsbau
des Gymnasiums am Rittersberg bis zur Dr.-Martin-Luther-Straße hin
aufwies. Was für Einwände sollte die Schulleitung dagegen haben,
daß auf dem von ihr auch vorgeschlagenen Erweiterungsgelände der
früheren Firma Feth in der Seminargasse ein Parkhaus vorgesehen wurde,
wenn der damalige Oberbürgermeister auf das oben erwähnte Modell,
das längere Zeit auch im Rathausfoyer stand, hingewiesen hatte.
Am 15. Oktober 1976 führten schließlich der Schuldezernent, die
Fraktionsvorsitzenden der Parteien des Stadtrats mit Schulbediensteten
und Vertretern des Elternbeirats eine Diskussion im Lehrerzimmer der
Schule, wobei es um eine günstige Erweiterungsmöglichkeit der Schule
ging. Das Ergebnis war, daß ein Schulanbau aus Geldgründen vorerst
nicht möglich sei, daß jedoch die an das jetzige Schulgebäude
angrenzende Fläche nach Westen bis zur Dr.-Martin-Luther-Straße
vorsorglich für das Gymnasium frei gehalten werde. Am 14. Dezember 1979
konnten wir den Besuch von vier Fraktionsvertretern der CDU empfangen,
am 14. Juli 1982 kam es erneut zu einem Gespräch mit Mitgliedern der
SPD-Stadtratsfraktion, am 20. Juli 1982 mit Vertretern der F.D.P.-
Fraktion und am 22. Dezember 1982 abermals mit Stadtratsmitgliedern der
CDU.
Es fanden anschließend weitere Gruppen- und Einzelgespräche sowie
schriftliche Eingaben statt, bis ich wiederum einen ausführlich
begründeten Brief an den Kultusminister mit der Bitte um Unterstützung
unserer Angelegenheit richtete. Die Reaktion des Kultusministers, der
den Leiter seiner Bauabteilung mit dem zuständigen Baufachleiter der
Bezirksregierung auf den Weg zur Schule brachte, sich vor Ort ein Bild
von der Lage zu machen, führte endlich zu einem so lange ersehnten
Durchbruch. Wenig später trafen zustimmende Bescheide des
Kultusministeriums wie der Stadtverwaltung dahingehend ein, daß das
Gymnasium am Rittersberg entsprechend den Schulbaurichtlinien baulich
saniert würde. Das Hochbauamt der Stadtverwaltung legte recht bald
Entwurfspläne vor, die eine Erweiterung der Bausubstanz nach Westen hin
aufwiesen, im einzelnen aber nach den Wünschen der Schule noch
revidiert werden konnten. Ein Kind kann unter dem Weihnachtsbaum kaum
größere Freude empfinden als ein Schulleiter, dem nach jahrelangem
Mühen und Sorgen um den schulischen Lebensraum endlich sein
sehnlichster Wunsch erfüllt wird. Als eine meiner letzten
Amtshandlungen verblieb mir noch, Mitglieder einzelner Fachbereiche
in einen Schulbauausschuß des Gymnasiums am Rittersberg zu berufen.
Daß sich die Vollendung des Projekts noch einige Jahre hinziehen würde,
mußte ebenso in Kauf genommen werden wie die tausend Schwierigkeiten,
die notwendigerweise dann entstehen, wenn Bauarbeiten und
Unterrichtsbetrieb einander aushalten müssen.
Es fügte sich in günstiger Weise , daß unter der Regie meines
Nachfolgers das auszuführende Werk umso besser gedeihen konnte, als er
entsprechende reiche Erfahrungen aus seiner früheren
Wirkungsstätte beim Staatlichen Heinrich-Heine-Gymnasium Kaiserslautern
einbringen und mithelfen konnte, eine optimale Lösung in der Planung
der einzelnen Teile und der Ausführung des Ganzen zu erreichen.
Mögen die Schüler ihr neugestaltetes, schmuckes Schul-Heim mit
gehöriger Sorgfalt und Pflege zu schätzen wissen, mögen die Kollegen,
entlastet von unzähligen Unbilden der Enge, ihren Dienst mit noch
größerer Freunde verrichten!
Dem Gymnasium am Rittersberg wünsche ich eine lange Zeit guten
Gedeihens. Es wird gelten, viel herkömmlich Bewährtes in die Zukunft
zu tragen. Doch auch künftig wird die Schule vor Änderungen und
Reformen nicht verschont werden. Möge dann das eingangs erwähnte Wort
Schillers in leicht abgewandelter Form Gültigkeit haben: "Es beharre
im Wechsel ein ruhiger Geist!"
Nach der Verabschiedung des langjährigen Leiters des Rittersberg-Gymnasiums, OStD Arthur Schank, wird die Schule vom 01.08. bis 09.10.1987 tatkräftig kommissarisch geführt durch den stellvertretenden Schulleiter, StD Hans Schwartz. Am 09.10.1987 ist es dann soweit: Der mit Spannung erwartete neue Schulleiter, StD Franz Mungenast, wird von dem damaligen Referenten der Bezirksregierung, RSD Hegen, dem Kollegium vorgestellt. Der in Kaiserslautern geborene und "rund um die Martinskirche" aufgewachsene Franz Mungenast ist ebenso wie sein Vorgänger ein "echter Lautringer": Ein Glücksfall für die Schule, die auf ihre Sanierung und den dringend benötigten Neubau wartet. Viele Kollegen und Eltern sind sich bewußt, daß nur eine außergewöhnliche Führungspersönlichkeit die schier übermenschliche Aufgabe der nächsten Jahre meistern kann. Der "neue Chef", der "geborene Architekt", dazu ein Kind der Stadt mit vielen Beziehungen von unschätzbarem Wert, erweist sich dann auch als die Idealbesetzung am Steuer des Rittersberg-Gymnasiums. Allmählich wird jedoch den Mitgliedern der Schulgemeinde auch klar, daß neben dem glänzenden Verwaltungsfachmann und perfekten Planer des Neubaus auch ein echter Schulmann das Ruder der Schule ergriffen hat und mit allem "Impetus" auch an der pädagogischen Front präsent ist: Altbewährtes wird beibehalten! Dem Neuen werden die Tore der Schule geöffnet, allerdings nicht planlos im blinden Fortschrittsglauben, sondern mit der kritischen und beobachtenden Haltung des erfahrenen Schulleiters, der lange Jahre in der Schulleitung gearbeitet und sich entscheidende Verdienste um den Neubau des Heinrich-Heine-Gymnasiums erworben hat.
Die sechs "Mungenastjahre" bis zur Jubiläumsfeier und zum Erscheinen dieser Festschrift sahen am 31.07.1988 die Verabschiedung des langjährigen stellvertretenden Schulleiters StD Hans Schwartz, seit dem 01.02.1971 Lehrer für Mathematik und Physik am Rittersberg- Gymnasium, und des Fachleiters für Sozialkunde, StD Gerhard Trauth, seit 1959 am Rittersberg-Gymnasium. Mit den beiden Kollegen verließ uns auch StD Arno Kahne, seit 16.03.1981 nach einer Schulleitertätigkeit in Lima an unserer Schule als Betreuer der Mittelstufe tätig, der zum 1. Stellvertreter des Schulleiters am Heinrich-Heine-Gymnasium ernannt wurde. Ein Jahr später schon wechselte der neue 1. Stellvertreter des Schulleiters unserer Schule, StD Hermann Krämer, als Schulleiter ans Albert-Schweitzer-Gymnasium. Sein Nachfolger wurde zum 18.05.1990 StD Heinrich, seit 01.02.1968 als Lehrer am Rittersberg-Gymnasium und ab 1983 als 2. Stellvertreter des Schulleiters mit besonderer Verantwortung für die Orientierungsstufe tätig, der zum ständigen Vertreter des Schulleiters ernannt wurde. Sein Nachfolger als 2. Stellvertreter des Schulleiters wurde StD Karl Sahlmann, der vom St. Franziskus-Gymnasium ans Rittersberg-Gymnasium wechselte. Am 19.06.1991 wurde StD Dr. Schneider, seit 07.04.1959 am Rittersberg-Gymnasium und zuletzt seit 10.08.1989 kommissarisch in der Schulleitung tätig, in den Ruhestand versetzt. Am 18.05.1991 wurde OStR Walter Rung zum StD ernannt. Er übernahm u.a. die Schullaufbahnberatung, die StD Karl Bauer bis zu seiner Pensionierung zum 31.07.1990 ausgeübt hatte. Der 18.05.1992 sah die Beförderung von OStR Gerhard Rieder zum Studiendirektor. Er trat die Nachfolge des langjährigen MSS-Leiters StD Walter Winkelmann an, der nach 31jähriger Tätigkeit am Rittersberg-Gymnasium verabschiedet wurde - zusammen mit dem Betreuer für audiovisuelle Geräte und Sprachlabor StD Karl-Heinz Reichrath. Als weiteres Mitglied der erweiterten Schulleitung kam von der Integrierten Gesamtschule Kaiserslautern ab dem Schuljahr 1992/1993 OStR Wolfgang Zintel.
Ihren 50. Geburtstag feierten 1988 OStR Doppler, 1989 OStR Diehl, 1990 OStR Trommer, OStR' Scholz, OStR Dr. Zamani, OStR Baaske, StD Heinrich und StD Werner, 1991 StD Fischer, 1992 OStR' Zingler und OStR' Lenzen. Die Schulgemeinde beklagte den Verlust ihres langjährigen Musikerziehers (01.04.1952 bis 31.01.1979) OStR i.R. Willy Schmitt, der unerwartet auf einer Ferienreise in Feldkirch/Österreich am 07.09. 1990 verstarb. Die Partnerschule Georges de la Tour in Nancy beklagt den Heimgang von Monsieur Henri Legrand, der am 25.03.1987 im Alter von 48 Jahren verstarb. Die Beerdigung, an der als Vertreter des Rittersberg-Gymnasiums StD Heinrich und OStR Trommer teilnahmen, fand im Ardennendorf Sailly statt. Am 24.12.1988 verstarb im Alter von 62 Jahren die ehemalige Direktorin der Partnerschule CES Université Reims, Mme Boucher, die 1974 von französischer Seite den Austausch mit dem Rittersberg-Gymnasium begonnen hatte.
Weiterhin erwies sich das Rittersberg-Gymnasium als zuverlässiger Partner französischer Schulen in Reims, wo das CES Université seit 1974 und in Nancy, wo das Lycée und das Collège Georges de la Tour seit 1983 jährlich ihre Schüler und Schülerinnen nach Kaiserslautern schickten. Von unserer Seite besuchten ohne Unterbrechung alljährlich die 6. Klassen mit Französisch als 1. Fremdsprache das traditionelle Nikolausfest am Stanislausplatz in Nancy während ihres Wochenendbesuches. Für die Schüler der 8. Klassen fand regelmäßig der große Austausch von 8 bis 10 Tagen mit der Partnerschule in Reims statt (und im Bedarfsfall mit Nancy). Der Versuch eines Intensivaustauschs von drei Monaten für einzelne Schüler der 10. Klassen mit Reims und Nancy (1991) wiederholte sich nicht.
Die Kontakte der Schule mit der Highschool in Vogelweh in Kaiserslautern spielten sich ab als Spieltage in der Orientierungsstufe , auf gemeinsamen Ausflügen (z.B. 1989 der Besuch der NASA- Raumfahrtausstellung in Mainz), Besuch des Hambacher Schlosses durch die Leistungskurse Englisch mit amerikanischen Partnern, Besuche der Musiksessions an der Highschool, Gastspiele unserer Bigband und Gegenbesuche seitens der Amerikaner (Mr. Alexander).
Zu erwähnen sind auch die eintägigen Treffen der 5. Klassen mit Französisch als 1. Fremdsprache mit ihren Briefpartnern in Trier (1989/90/91) und in Homburg (1992) und der Austausch, den eine 10. Klasse (OStR' Weiand) 1989 mit Schülern des Bonaventure College (Mrs. Pritchard) durchführte. Parallel zur alljährlichen Londonfahrt der 11. Jahrgangsstufe besuchte eine Schülergruppe englische Brieffreunde aus Newham.
Einige kulturelle Veranstaltungen fanden vor dem Hintergrund dieser Verbindungen zu Newham, Nancy und Reims statt. Als Höhepunkte seien genannt: der Besuch der Musikklasse des CES Université bei Freunden der Orientierungsstufe mit Französisch als 1. Fremdsprache in Begleitung des neuen Schulleiters, Herrn Alfred Clément, und der langjährigen der Organisatorin der Schulkontakte, Frau Susanne Loewenthal, das Konzert am 08.05.1991 in der Alten Eintracht mit dem ehemaligen Mitglied der Grand Opéra Paris und heutigen Professorin für Gesang am Conservatoire Nancy, Frau Christiane Stutzmann, und ihrer Gesangsklasse. Die beurlaubte Rittersbergschülerin Julia Forster spielte im I. Teil des Musikabends, begleitet von Frau Marlott Persijn-Vautz, den 1. Satz des e-Moll-Konzerts von Mendelssohn. Am 08.05.1992 fand ein weiteres Stutzmann-Konzert statt, ebenfalls in der Alten Eintracht.
Am 20.02.1992 fand in der Turnhalle unserer Schule ein gemeinsames Konzert unserer Bigband und der Highschoolband statt. Vom 23. bis 29.05. 1992 fand eine Theatertournee der Klasse 6d nach Frankreich statt (Rethel, Nancy, Reims): mit Frau Dr. Kopper, StD Heinrich, OStR' Reiß, StR' Ritzheimer, StR Enderle und den Schülereltern Frau Kosel, Herr Prof. Dr. Kopper und Herr Hollinger.
Großen Anklang fanden die "Opernfahrten" nach Nancy und Metz. Jeweils 120 Kollegen, Eltern und Schüler besuchten am 20.03.1992 das Staatstheater Nancy zu einer Aufführung von Bizets Jugendwerk "les pêcheurs de perles" und am 09.03.1993 die Oper Metz zu einer Aufführung von Jules Massenets "Werther".
Erinnert sei auch an einen originellen Kollegenabend, an dem durch die Kollegen StR' Palamattam, StR' Stein und StD Heinrich das Alterswerk von R. Strauss "4 letzte Lieder" vorgestellt wurde (14.11.1991).
Kulturelle Abendveranstaltungen mit Vorträgen aus den verschiedensten Bereichen fanden regelmäßig im Rahmen des Vereins "Vereinigung der Freunde des Gymnasiums am Rittersberg" statt: die sich ins dritte Jahr fortsetzende Vortragsreihe "Einführung in die französische Oper" durch StD Heinrich, Vorträge über Portugal (StD Heinrich), das Gebiet der Transplantationschirurgie (Dr. Thomas Nauth), die Zukunftsperspektiven der Stadt Kaiserslautern (Dipl. Ing. Folker Fiebiger), die archäologischen Funde auf dem Terrain des Rittersbergs (Bürgermeister Bernhard Deubig), ein Lichtbildervortrag über ein romanisches Portal in Moissac (OStR i.R. Heinz Asal), Informationen über die Möglichkeiten privater Entwicklungshilfe in Marokko am Beispiel des Vereins "Ein Tröpfchen Milch e.V." (Frau Christel Jeschke), Gedanken über die Verflechtung von industriellem Wachstum und Umweltbelastung (Dipl. Ing. Dr. Udo Kosel).
Musikalische Aktivitäten fanden statt im Treppenhaus und der Aula, etwas eingeschränkt durch die Baumaßnahmen. Dazu kamen Jahresabschlußkonzerte, Weihnachtskonzerte in der Turnhalle oder in der Martinskirche (wertvoll hierbei war jeweils die Mitwirkung der Dansenberger Flötengruppe unter der Leitung von Frau Radbruch) und die Gestaltung von ökumenischen Gottesdiensten in der Stiftskirche und Martinskirche. Als überaus wichtig für die Wirkung des Rittersberg- Gymnasiums nach draußen erwies sich die Gründung - und der sich schnell einstellende Erfolg - der Bigband unter der Leitung von StR Jörg Enderle.
Unermüdlich war in all diesen Jahren der Einsatz des Vereins "Vereinigung der Freunde des Gymnasiums am Rittersberg e.V.". Der Vorstand (Franz Giebel, Helmut Marschall, Peter Käfer, die ehemaligen Schüler Stefan Mohr, Harald Asel, Franziska Adolff, Jochen Jörg, Angela Troni, Natalie Schorz sowie die Schülerin Kay-Maria Müller) organisierte mit zahlreichen Helfern neben den genannten Vortragsabenden alljährlich den Frühschoppen auf dem Bremer Hof, das Grillfest auf dem Gelände der Paddlergilde für die Abiturienten nach dem Ende der schriftlichen Prüfungen und zahlreiche Jubiläumstreffen von ehemaligen Abiturjahrgängen: Man kann hier schon von "traditionellen Treffen am Rittersberg" sprechen.
Durch die Vermittlung der Vizepräsidentin des rheinland-pfälzischen Landtags, Frau Gisela Büttner, kam es zu einer Partnerschaft mit einer polnischen Schule in Gnesen. Gegenseitige Besuche von Schülergruppen fanden mehrmals statt; die Betreuung von deutscher Seite obliegt StD Rieder. Nach der Wende kam es dank StD Rung zu einem partnerschaftlichen Kontakt mit dem Heinrich-Böll-Gymnasium in Saalfeld/Thüringen.
Die Fahrten, die schon lange Bestandteil des "Rittersberg- Fahrtenprogramms" sind, wurden fortgesetzt: die Informationsreisen nach Berlin, die Studienfahrten in die neuen Bundesländer (Erfurt, Dresden, Weimar), die Münchenfahrt der Physikkurse mit einem Besuch des Deutschen Museums, Studienfahrten nach London und Paris, die "Lateinfahrt" der 8. Klasse mit Latein als 2. Fremdsprache. Die Skischullandheimaufenthalte wurden ab dem Jahr 1990 von Klasse 10 in Klasse 9 vorgezogen, um den Klassenleitern der 10. Klassen einen größeren Spielraum für die Planung einer Fahrt anläßlich des Abschlusses der Mittelstufe einzuräumen. Bei steigender Arbeitslosigkeit und ungünstiger wirtschaftlicher Entwicklung empfiehlt sich die Planung einer größeren Fahrt jedoch nur noch alle zwei Jahre, d.h. in den Jahrgangsstufen 7, 9 und 11, wobei auch bei der Reduzierung der Fahrtenprogramme unbedingt das "günstige Angebot" und der pädagogische Gewinn der Fahrt ausschlaggebend sein sollen. Ich denke hier an die Aktivitäten "vor Ort" in der Jugendherberge Kappeln, wo die Fächer Biologie, Erdkunde, Sport und Bildende Kunst das Programm bestimmen, oder die Chance einer körperlichen Ertüchtigung beim Erlernen des Skifahrens durch den Skischullandheimaufenthalt. der 9. Klasse.
Neu ist der einwöchige Schullandheimaufenthalt der 7. Klassen an der Ostsee, der in diesem Schuljahr zum zweiten Mal durchgeführt wurde. Die Organisation dieser Tage an Schlei und Ostsee liegt in den Händen von Herrn StD Rung. Vorgespräche werden jeweils von OStD Mungenast in seiner Eigenschaft als "Vertreter der Gymnasien im Schulfahrtenausschuß der Bundesbahndirektion Saarbrücken" geführt.
Das von den Schülern der 5. Klassen jeweils ungeduldig erwartete Zeltlager in Waldleiningen fand regelmäßig statt, organisiert durch die Klassenleiter der Orientierungsstufe: StD Rung, OStR Hellmann, StD Heinrich, StD Werner, OStR' Reiß, StR' Chr. Stein, StR' Bender, StR' Fadel, OStR Baaske. Auch StD Hertsch, OStR Doppler und StR' Hammes nahmen an verschiedenen Zeltlagern teil. Lagerfeuer, Spiele, Waldbegänge, Nachtwanderungen, ein gemeinsames Grillfest mit den Eltern förderten die Klassengemeinschaft und erlaubten auch das Kennenlernen der verschiedenen Klassen untereinander. Ein herzliches Danke für diese erfolgreichen außerschulischen Veranstaltungen geht an den Bürgermeister der Gemeinde Waldleiningen, Herrn Böhm, und den Forstmeister, Herrn Schmitt, für ihre verständnisvolle Unterstützung.
Den Abschluß der 6. Klasse und damit der behüteten Welt der Orientierungsstufe bildete alljährlich ein 3- oder 4tägiger Aufenthalt in einer Jugendherberge vorzugsweise der näheren Umgebung wie Steinbach, Weidenthal, Hochspeyer oder Dahn.
Die Zusammenarbeit mit dem benachbarten Albert-Schweitzer-Gymnasium wurde intensiviert, nachdem Herr Hermann Krämer nach einjähriger Tätigkeit als stellvertretender Schulleiter am Rittersberg-Gymnasium zum Schulleiter des Albert-Schweitzer- Gymnasiums ernannt worden war. Es findet inzwischen nicht nur eine Kooperation in Musik statt, sondern auch in den Fächern Chemie, Physik, Biologie, Sozialkunde und Französisch. Auf Grund dieser engen Zusammenarbeit können wir inzwischen schon im dritten Jahr den Leistungskurs Bildende Kunst anbieten, der z.B. auch Schüler von anderen Gymnasien zu ihrem Eintritt in unsere MSS veranlaßt hat. Die MSS-Schüler hatten alljährlich Grund zur Freude über ihren von OStD Mungenast erstellten Stundenplan: außer Sport (wegen der Hallenkapazität) kein Nachmittagsunterricht am Rittersberg!
Heute muß jedes Gymnasium der Orientierungsstufe besondere Aufmerksamkeit und Betreuung schenken, gilt es doch, in den ersten beiden Jahren am Gymnasium die Neuanfänger und ihre Eltern an die neue Schule heranzuführen, sie mit der neuen Arbeitsweise vertraut zu machen und sie in die Schulgemeinde aufzunehmen. Den außerunterrichtlichen Aktivitäten kommt deshalb ein herausragender Stellenwert zu. Dies beginnt am Rittersberg-Gymnasium schon mit dem traditionellen Nachmittagstreff beim Grillen und Spielen im Schulhof am vorletzten Schultag des ausgehenden Schuljahres. Im ersten Schuljahr erlebt der neue Rittersbergschüler dann z.B. Sonntagswanderungen in den Donnersberg und in die Vorderpfalz mit anschließender fröhlicher Runde von Klassenleiter, Eltern und Klassenkameraden, oder die traditionelle Weihnachtsfeier der Orientierungsstufe: Sie fand 1987 noch einmal in der Turnhalle statt und wurde ab 1988 in die Klassenräume verlegt, weil die Zahl der Klassen des 5. und 6. Jahrgangs sich von 6 auf 8 erhöht hatte. Ich denke an die Paddelkurse für die 6. Klassen in den drei ersten Tagen der Sommerferien auf dem Gelände der Paddlergilde am Gelterswoog unter der Betreuung von OStR Hellmann, StD Rung und dem Übungsleiter der Paddlergilde sowie an die Einführung in das Felsklettern, die von OStR Hellmann geleistet wird. Die Spielnachmittage erfreuten sich weiterhin großer Beliebtheit: Musik (29.9.1989), Biologie (14.10.1989), Bildende Kunst (24.11.1989), Religion (9.2.1990), Sport (28.9.1990), Deutsch (26.10.1990), Musik (9.11.1990), Bildende Kunst (23.11.1990), Musik (22.9.1991). Diese Spielnachmittage mußten leider in den vergangenen zwei Jahren wegen der Sanierungsarbeiten im Hauptgebäude ausgesetzt werden. Regelmäßig informierte ein gemeinsamer Elternabend für die neuen 5. Klassen zu Beginn des Schuljahres über die pädagogische Konzeption und die Arbeit in der Orientierungsstufe. Der nach drei Monaten Eingewöhnungsphase stattfindende "Blick ins Klassenzimmer" zeigte den Eltern die Praxis durch Teilnahme am Unterricht an einem Schulsamstag. Auch Theaterfahrten im Weihnachtsmonat Dezember mit Gang über den Weihnachtsmarkt und anschließendem Besuch des Nationaltheaters ("Hänsel und Gretel", "Barbier von Sevilla" und immer wieder die "Zauberflöte") wurden von Eltern und Schülern begeistert genutzt. Das gleiche gilt für die monatlichen Filmvorführungen "Freitagsfilm der Orientierungsstufe" im Universum-Kino. Diese Reihe begann am 9.3.1991. Wichtige Daten für das Leben in der Orientierungsstufe waren auch die Premieren der beiden Kindermusicals in der Turnhalle: am 2.5.1991 "Florian auf der Wolke" (StR Enderle), am 1.4.1992 "Dampflok-Story" (StR Enderle) und am 28.4./3.7.1993 "Max und Moritz" (OStR' Wambsganß).
Besondere Erwähnung verdient ein Versuch, der im Frühjahr 1992 an unserer Schule gestartet wurde: "Umwelttage als Projekttage". Schüler und Lehrer arbeiteten drei Tage an einem Thema: Müll. Unter der Leitung von StR' Bösen-La Roche, StR' Hassel, StR' Gill-Habl und Stud.Ref. Ebner standen die Möglichkeiten der Müllvermeidung und -wiederverwertung in der Schule im Mittelpunkt.
Als weiteres Plus vermerke ich die Fülle der Arbeitsgemeinschaften im Angebot unserer Schule über die Stundentafel hinaus. Diese Angebote sollen Begabungen fördern und Neigungen des einzelnen Schülers unterstützen. In der Orientierungsstufe bewegen sich die AGs vor allem im musischen Bereich. Im sport-lichen Bereich bieten sich Arten an, die im regulären Unterricht weniger oder nicht geübt werden: Basketball- und Volleyball-AG und vor allem die Ein-richtung der Badminton-AG (StR' Hammes). Erwähnenswert ist, daß auch Oberstufenschüler mit Übungsleiterlizenz verschiedentlich eine AG anboten, so z.B. Anke Bauer (12d) eine Leichtathletik-AG. Gut besucht waren immer die Schach-AG (OStR Faul), die Informatik-AG (OStR Schenkel) und die Öko-AG (StR' Bösen-La Roche).
Es macht Mühe, alle regulären und besonderen Aktivitäten aufzuzählen, die das Rittersberg-Gymnasium in den Jahren 1987-93 auch innen mit Leben und Dynamik erfüllten. So ist es zu erklären, daß trotz der Belastung und Belästigung durch die fortschreitenden Bauarbeiten das Vertrauen der Kaiserslauterer Elternschaft in unsere Schule ungebrochen blieb, ja sich sogar steigerte, wie die jährlich anwachsenden Anmeldezahlen bestätigen. ich darf hier mit Stolz erwähnen, daß das Rittersberg-Gymnasium schon im zweiten Jahr nach dem privaten St. Franziskus-Gymnasium das Kaiserslauterer Gymnasium mit der stärksten Anmeldezahl ist. Wegen der starken Anmeldezahlen mußten leider ein bis zwei Klassen an andere Gymnasien abgegeben werden. Die 4. Klasse konnte in diesem Jahr nach Bewilligung der Fortsetzung des bilingualen Zweiges Französisch als Bilingualklasse eingerichtet werden. Hierfür überließ uns die Stadt Kaiserslautern die aus Raumgründen dringend benötigte Villa Winkler. Die Betreuung des Bilingualunterrichts liegt bei OStR' Reiß. Verantwortlich für die Kooperation des Faches Erdkunde ist StD Zintel.
1987-93: Sechs Jahre, die im Zeichen des Neubaus und der Generalsanierung des Hauptgebäudes standen, aber auch sechs Jahre des pädagogischen Impulses, der die Schule mit Leben erfüllte. Zum Jubiläum 1993 kann sich unser "alter und neuer Rittersberg" von außen und innen seinen Anhängern mit Stolz zeigen:
"Plus uno maneat perenne saeclo."
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